„Keltenfrau" Sabine Koch aus Steineberg

von Bernd Schlimpen, Schalkenmehren


Als Beruf gibt Sabine Koch aus Steineberg „Weberin in Heimarbeit" an. Sie erledigt zudem die Büroarbeiten für ihren Ehemann Bernd, der den seltenen Beruf eines Hufschmieds ausübt. In ihrer Freizeit beschäftigt sich Sabine Koch intensiv mit dem Leben der Kelten. Zu diesem seltenen Hobby ist sie gekommen, als sie sich für einen Schreibkurs das Thema Kelten aussuchte und hierbei auf das „Keltendorf' Otzenhausen im Saarland stieß. Der Keltische Ringwall Otzenhausen ist mit seinen noch heute 10 Meter hohen Mauern eine der eindrucksvollsten keltischen Befestigungsanlagen in Europa. Hier entsteht der Keltenpark Otzenhausen mit einem im Mai 2016 eröffneten Keltendorf. *1

„Die Ketten-Näh und Utensilienstube"von Sabine Koch.


Sie war von ihren neuen Erfahrungen und den Erlebnissen so begeistert, dass sie sich entschied, sich in diesem Bereich noch weiterzubilden, sich bei den „Hochwaldkelten" in Otzenhausen zu engagieren und das Alltagsleben der Kelten „nachzuleben".

Sabine Koch weiß sehr viel zu erzählen: „Ich habe im Saarland erfahren, dass die Keltenfrauen ein Leinenunterkleid trugen, darüber ein „Peplos" (ein viereckiges Tuch aus langem, schwerem Stoff), das mit schmucken Gewandnadeln befestigt wurde. Bei Kälte wurde zusätzlich ein Rechteckmantel übergeworfen." Auch selbst hergestellter, vielfältiger Schmuck wurde getragen. Die keltischen Kleidungsstücke für sich näht Sabine Koch selbst, alle aus Wolle, die mit einer Spindel von ihr selbst gesponnen wurde. „Die Wolle wurde anschließend gefärbt mit Naturfarben wie Birke, Färberkamille, die Wurzeln der Pflanze „Färberkrapp", die für rote Farbe sorgten, oder die „Färberwaid-Pflanze", die blaue Töne hervorbrachte. Dieser Stoff wurde mit einem Gewichtswebstuhl weiterverarbeitet. Es wurden Kleider, Gürtel, Mützen, sogar Socken oder die üblichen Frauenschleier in Handarbeit genäht. Die Männer trugen eine Tunika und sehr bunte Hosen. „Überhaupt war Farbe bei allen Kleidungsstücken Trumpf, fährt Sabine Koch fort. Sie ist sehr geschickt und hat auch schon ein Paar hohe „Original-Keltenschuhe" gefertigt.

Auch über die keltische Kochkunst weiß sie viel zu erzählen: „Salz war bei den Kelten kostbarer als Gold. Man verwendete meist Dinkel, aber auch Gerste und Hirse wurden zum Kochen genommen. Dazu verwendete man Leindotteröl. Als Gewürze wurden Brennessel, Beifuß oder Löwenzahn verwendet. Ich koche die Speisen an der Kochstelle in unserem Hochwaldkeltendorf bei Otzenhausen. Schweinefleisch gehörte natürlich auch zu den Mahlzeiten. Zum Nachtisch gab es Quark, der reichlich zur Verfügung stand, und auch Nüsse oder Möhren, die zur Keltenzeit eine weiße Farbe hatten. Man verwendete alle natürlichen Zutaten, die zur Verfügung standen, und probierte sie aus. Neben den Schweinen gab es auch Schafe, auch Rinder wurden gehalten." Gut informiert hat sie sich in Otzenhausen, aber sie hat auch Spezialliteratur wie zum Beispiel Rezeptbücher zur Verfügung, mit denen sie sich „keltisch" weiterbilden kann.

Etwa 40 Keltenfans reisen jeden ersten Samstag im Monat zu einem „Belebungstag“ nach Otzenhausen. Alle erscheinen in keltischen Gewändern und zeigen ihr Handwerk, brauen Bier, schmieden, brennen Glasperlen oder backen Dinkelvollkornbrot für die verschworene Keltengemeinschaft. Die selbstgebauten Lehmhäuser sorgen dafür, dass hier ein „echtes“ Dorf entstanden ist. Es gibt noch einen weiteren Termin, den Kelten-Römer-Treff, der an einem Samstag und Sonntag angesagt ist. Dann schläft Sabine Koch in ihrem „Schlafzimmer“, einer Getreidekammer mit hoch gehängten Kornsäcken. Der aus Steineberg mit angereiste Hund Coco hält an der Haustür Wache. „An Abwechslung fehlt es nicht bei unseren Keltentagen in Otzenhausen. Neben Babys sind auch 80-Jährige unter den Teilnehmern. Gäste und Zuschauer sind bei uns stets willkommen. Viele Interessenten und Neugierige kommen in unser Dorf und lassen auch so manche Spende da. Für sie stehen verschiedene Getränke bereit“, freut sich die 55-Jährige. Unter den Bewohnern ist auch ein Bogenschütze und am „Römertag“ kommt es auch zu „Kämpfen“ mit Schwert und Lanze. Sabine Koch hat noch einen Wunsch für die Zukunft: „Ich versuche, auch meine Mitbürger in Steineberg für ein Keltendorf zu begeistern, denn im Keltendorf kann man echte Gemeinschaft ausüben. Es wird gemeinsam Sinnvolles unternommen. In einem Keltendorf in Steineberg würde man sicherlich viele Besucher begrüßen können, zumal der Aussichtsturm „Vulcano-Infoplattform“ leider immer noch gesperrt ist. Steineberg hätte etwas Neues zu bieten, das sicherlich nicht oft anzutreffen ist“, meint Sabine Koch als Keltenfan und „Keltenfrau“.


„Keltenfrau"Sabine Koch aus Steineberg


Verweis

1) www.keltenpark-otzenhausen.de