von Dr. Reinhard Scholzen, Daun-Waldkönigen
Lange Zeit waren große Teile der Eifel wirtschaftliche Notstandsgebiete. Nach der Reichsgründung von 1871 wurde durch Gesetzesänderungen und staatliche Fördermaßnahmen versucht, die schwierige Lage der Bevölkerung zu verbessern. Auch der Bau von Wasserleitungen wurde unterstützt, wie am Beispiel Waldkönigens gezeigt werden kann. Der Wiener Kongress von 1814/15 beendete den Krieg mit dem napoleonischen Frankreich, brachte Europa eine neue politische Ordnung und veränderte territoriale Grenzen. Preußen hatte in den Verhandlungen den Erwerb des gesamten Königreichs Sachsens angestrebt, bekam davon jedoch nur einen Teil, dafür aber Gebiete im Westen. Das wertete man in Berlin als schlechtes Geschäft, nicht zuletzt, weil man sich damit die Verantwortung für die Eifel, einen der ärmsten Landstriche Mitteleuropas, auflud.
Nachdem Preußen zunächst seine Rheinprovinz gegenüber den Nachbarn im Westen abgeschottet hatte, begann dort seit der Mitte der 1820er Jahre eine rege Straßenbautätigkeit. Neben den Arbeiten an den Hauptverkehrsachsen - wie etwa der Bezirksstraße von Koblenz nach Lüttich - band man bald auch die größeren Städte an das Verkehrsnetz an. Um das Jahr 1835 setzte dann auch der zielgerichtete Aus- und Neubau in dünn besiedelten Regionen ein, der bald spürbare Verbesserungen im Wirtschaftsleben brachte. Im Jahr 1845 erklärte ein Trierer Abgeordneter in der Ständeversammlung euphorisch, das Wegenetz sei nahezu vollständig und es berücksichtige die Interessen der ganzen Landschaft. Im Jahr 1887 gingen die Straßen in die Verwaltung des Provinzialverbandes Rheinland über, der neben dem Verkehrswesen auch für die Förderung der Wirtschaft, die Volksfürsorge und die Kulturpflege zuständig war. Im Straßenbau fiel die Bilanz positiv aus: Im Regierungsbezirk Trier erhöhte sich seit der Zugehörigkeit zu Preußen die Zahl der Bezirksstraßen von 18 auf 45. In der gesamten Rheinprovinz hatte sich die Länge des Straßennetzes mehr als verdreifacht, von vormals rund 1140 Kilometer auf 3553. Große Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung verband man in Berlin auch mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes. Zwischen 1835 und 1855 verlegte man in Preußen jährlich im Durchschnitt fast 400 Kilometer Schienen. In den folgenden zehn Jahren wuchs das Schienennetz sogar durchschnittlich im Jahr um 600 Kilometer. Damals war der Eisenbahnbau noch in privaten Händen. Den Boom der Dampflok belegt eindrucksvoll, dass im Jahr 1870 jedes zweite an der Berliner Börse gehandelte Wertpapier eine Eisenbahnaktie war.
Die Investoren hatten in erster Linie die gewinnträchtigen Trassen im Blick, die in den bevölkerungsreichen und wirtschaftlich prosperierenden Regionen lagen. Lange Zeit blieb daher die Eifel außen vor. Sie rückte erst Mitte der 1850er Jahre in das Blickfeld der Planer, als über einen möglichen Schienenstrang zwischen den beiden Garnisonsstädten Koblenz und Trier nachgedacht wurde. Ein Arbeitskreis, dem unter anderem die Landräte von Daun, Mayen und Wittlich, zahlreiche Bürgermeister sowie Kaufleute angehörten, ging von gewaltigen Gütermengen aus, die auf dieser Strecke transportiert werden sollten. Einen wirklichen Aufschwung für den Eisenbahnbau in der Region brachte aber erst der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Es wurden Bahnhöfe in Jünkerath, Lissendorf, Oberbettingen-Hillesheim sowie Gerolstein in Betrieb genommen. Wenige Monate später - im Juni 1871 - wurden Stationen in Birresborn, Mürlenbach und Densborn fertiggestellt. Fast immer standen bei den Streckenplanungen militärische Interessen im Vordergrund. Die Wünsche privater Unternehmer hatten nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn zumindest zum Teil auch militärische Gesichtspunkte damit verknüpfbar waren. Deutlich zeigte sich dies beim Bau der Eisenbahnstrecke von Gerolstein über Prüm nach Bleialf, wo eine große Bleigrube betrieben wurde, in der in der Hochphase bis zu 1000 Arbeiter beschäftigt waren. Das Ministerium in Berlin stimmte der Strecke nur unter der Bedingung zu, dass sie auch für große Militärzüge befahrbar war. 1883 konnte der Abschnitt zwischen Gerolstein und Prüm feierlich eröffnet und bereits am 1. Oktober 1886 das Teilstück bis Bleialf gebaut werden. Genau zwei Jahre später dampfte der erste Zug bis nach St. Vith. Sehr zu Recht wies die „Trierische Zeitung" bei der Streckeneröffnung auf den Umstand hin, dass für das Kriegsministerium der Bau der von Ost nach West führenden Trassen besonders wichtig war. Andere, wirtschaftlich ebenso
Die beschriebenen Maßnahmen im Bereich der Infrastruktur brachten für die Eifel nur Teilerfolge. Das Problem der Region schlechthin, das vielerorts raue Klima und ertragsarme Böden, blieb bestehen und spiegelte sich in dem Spottnamen „Preußisch Sibirien" wider. Nach längeren Schlechtwetterphasen oder Missernten - so etwa in den Jahren 1816/17, Mitte der 1840er, Ende der 1870er bis weit in die 1880er Jahre -wanderten viele, meist junge Eifeler nach Brasilien und in die USA aus. Beispielsweise verließen zwischen 1881 und 1887 mindestens 17 Männer, Frauen und Kinder ihren Heimatort Waldkönigen, in dem zu dieser Zeit rund 300 Menschen lebten. Briefe der Ausgewanderten, in denen oft die Schattenseiten des neuen Lebens in Übersee vergessen wurden, und das eifrige Trommeln der Werber erzeugten eine Sogwirkung. Nach der Reichsgründung 1871 kam ein zweiter Sehnsuchtsort hinzu. In der Gründerzeit setzte ein Wirtschaftsboom in den großen Städten am Rhein und besonders im Ruhrgebiet ein. Zwischen der Reichsgründung im Jahr 1871 und 1910 kehrten insgesamt 100.000 Eifeler ihrer Heimat den Rücken. Trotz dieses Aderlasses stieg die Bevölkerungszahl der Eifel von 166.000 im Jahr 1815 auf rund eine viertel Million im Jahr 1910 an. Der Grund liegt vor allem in einer besseren medizinischen Versorgung, insbesondere nahm die Säuglingssterblichkeit zu Ende des 19. Jahrhunderts deutlich ab, bei gleichzeitig hoher Geburtenrate. Durch die Auswanderung und nicht weniger durch den damit verbundenen Verlust vieler junger Männer im wehrfähigen Alter entstand dem Kaiserreich ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden. In Berlin und Koblenz war man sich einig: Um die Menschen in der Eifel zu halten, mussten deren Lebensbedingungen verbessert werden. Dazu schuf man im Jahr 1883 den „Eifel-fonds". Über den gesamten Zeitraum seines Bestehens flossen rund 5,5 Millionen Mark in die Region. Damit führte man zahlreiche Maßnahmen zur Bodenverbesserung durch, insbesondere warb man für den in dieser Zeit aufkommenden Kalidünger. Sehr gezielt wurde im Rahmen der Bodenverbesserung auch in die Ausbildung der Landwirte investiert, indem neue Formen der Flächennutzung gelehrt und auf die klimatischen Verhältnisse in der Eifel angepasstes Saatgut gezüchtet wurde. Auf großes Interesse stießen Wanderlehrkurse für den Obstanbau, was zur Gründung zahlreicher Obstbauvereine führte. Dort wurden robuste Bäume gepflanzt, die auf die schwierigen klimatischen Verhältnisse in der Eifel abgestimmt waren. Apfelsorten wie „Kaiser Wilhelm" oder „Prinz Albrecht" brachten auch in den kurzen Vegetationsphasen in Normaljahren ansehnliche Erträge. 1897 legte die Regierung im Hunsrück, Westerwald und Taunus den „Westfonds" auf, in den im Jahr 1901 der „Eifelfonds" aufging. Ein weiteres, großes Projekt war die Zusammenlegung der oft winzigen Grundstücke. In weiten Teilen des Kreises Daun lag deren durchschnittliche Größe in den 1880er Jahren bei noch nicht einmal einem Zehntel Hektar. Die kleinen Flächen resultierten aus der Realteilung, bei der alle erbberechtigten Kinder einen Anteil erhielten. Mit jedem Erbfall verkleinerten sich bei einer kontinuierlich steigenden Bevölkerungszahl die bewirtschafteten Grundstücke. Viele kleine, zum Teil verschachtelt angeordnete Parzellen, wirkten sich auf die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung aus. Da der Bauer zum Erreichen seines Landes zum Teil über mehrere fremde Grundstücke fahren musste, war eine einheitliche Nutzung erforderlich, der sogenannte Flurzwang. Nur dadurch konnten gleiche Saat- und Erntezeiten gewährleistet werden. Dass diese grundsätzlichen Entscheidungen nicht immer im Konsens erfolgten, liegt auf der Hand. Um die weitere Aufsplitterung zu stoppen, erließ der Reichstag im Mai 1885 ein Flurbereinigungsgesetz. Bereits im gleichen Jahr wandte man in Kelberg, das damals noch zum Kreis Adenau gehörte, die neue Rechtsvorschrift an. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs waren die meisten Orte in der Hoch- und Westeifel reformiert. Diese Maßnahmen stießen in der Bevölkerung zunächst auf wenig Begeisterung, denn damit waren vermeintliche, aber auch tatsächliche Nachteile und hohe Kosten verbunden. Nach der Jahrhundertwende ging man auch andere Wege, um die Attraktivität der Eifel zu steigern. Dies wollen wir am Beispiel des Dorfes Waldkönigen im Kreis Daun näher betrachten. *1
Ehemaliges Wasserhäuschen, nordwestlich Waldkönigen. Seit 2019 nutzt es der NABU als Schutzraum für Fledermäuse.
Am 22. Juli 1909 stellte das Dorf Waldkönigen für den Bau einer öffentlichen Wasserversorgungs-Anlage einen Antrag auf Bewilligung einer Provinzialhilfe. Zur Begründung wurde ein umfangreicher, zweiteiliger Fragebogen ausgefüllt, der zahlreiche Angaben über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und das Sozialgefüge des Ortes enthielt. In 65 Wohnhäusern lebten damals in 68 Haushalten insgesamt 342 Menschen, von denen nur neun einkommenssteuerpflichtig waren: fünf von ihnen mussten jährlich je sechs Mark und vier jeweils neun Mark aufbringen, also insgesamt 66 Mark. Darüber hinaus wurde noch eine Ergänzungssteuer in Höhe von 30,60 Mark von den Waldkö-nigenern erhoben. Zu diesen Staatssteuern kamen noch Gemeindesteuern hinzu. Der Löwenanteil entfiel auf die Gebäudesteuer, die bei einem Hebesatz von 210 Prozent insgesamt 509,40 Mark ergab. Im Durchschnitt entfiel auf jeden Haushalt Waldkönigens eine Steuerlast von 13,33 Mark. Als weitere feste Ausgabe kamen noch Jahresprämien an die Rheinische Provinzial-Feuerversiche-rungsanstalt hinzu. Diese betrugen in der Summe für die 65 Immobiliar-Versicherungen 338,20 Mark und 12,90 Mark für die drei Mobiliar-Versicherungen.
Gewerbesteuer fiel in Waldkönigen nicht an. Die Einnahmequelle der Bevölkerung war die Land- und Forstwirtschaft, die auf 181 Hektar Wald, rund 12 Hektar Ackerland, vier Hektar Wiesen und etwas mehr als 121 Hektar Weide und Ödland betrieben wurde. Auch der Viehbestand wurde in dem Antrag aufgeführt. In Waldkönigen wurden drei Pferde, 140 Stück Rind- und 160 Stück Kleinvieh gehalten. Der Haushaltsplan für das Jahr 1908 wies Gesamtausgaben von 4739 Mark aus, wovon 190 Mark auf Sozialausgaben — in der Akte als „Armenlasten" bezeichnet — entfielen. Der Kreis Daun war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der strukturschwächsten Regionen im Regierungsbezirk Trier, Waldkönigen eines der ärmeren Dörfer im Kreis. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse waren die Einwohner gesund. Im Fragebogen wird ausgeführt, „ansteckende Krankheiten sind in den letzten Jahren nicht vorgekommen". Darüber hinaus sei „nichts Besonderes zu bemerken". Als Begründung für die Notwendigkeit der neuen Wasserleitung gab man an, das Trinkwasser sei nicht einwandfrei und die bestehende alte Wasserleitung mit ihren drei Ausläufen liefere im Brandfalle nicht genügend Löschwasser. Auf die zusätzliche Frage „Sind jetzt ausreichende Mengen Löschwasser vorhanden?" antworteten die Gemeindevertreter daher mit einem lakonischen „Nein". Diese Antwort bestätigten die Fakten. Waldkönigen war in dieser Hinsicht wortwörtlich ein gebranntes Kind: Im November 1847 hatte ein Großbrand nahezu den gesamten Ort zerstört.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein wenige Jahre zuvor entschiedener Rechtsstreit in einem etwas anderen Licht. Um die Jahrhundertwende wuchs auch die Bevölkerung der Stadt Daun kontinuierlich an. Bald reichte deren Wasserversorgung nicht mehr aus. Daher wollte die Stadt im Jahr 1902 in Steinborn das Grundstück erwerben, auf dem die ertragreiche Schlierbachquelle entspringt. Die Steinborner wehrten sich gegen dieses Ansinnen. Sie brachten vor, sie benötigten das Wasser zur Bewässerung ihrer Wiesen und erhielten schließlich in dem von Daun initiierten Enteignungsverfahren Recht. Zeitgleich hatten sich die Dauner auf die Suche nach anderen wasserreichen Grundstücken gemacht und waren in Waldkönigen fündig geworden. Von der Gemeinde und mehreren Privatleuten wollten sie den „Klingelborn" und angrenzende Grundstücke am Eselsberg erwerben. Es folgte ein zähes Hin und Her, das sich bis zum Besuch des Kaisers in Daun am 20. Oktober 1906 hinzog. Landrat Otto Philipp Julius Weismüller und der Dauner Bürgermeister Edmund Hölzer nutzten diese Gelegenheit, um die Sachlage dem Staatsoberhaupt vorzutragen und um eine schnelle Entscheidung zu bitten. Bereits am 4. Februar 1907 wurde in Berlin im Sinne der Dauner entschieden. Ihnen wurde „das Recht verliehen, das Grundeigentum, welches zur Herstellung einer Wasserleitung für die Gemeinde nach Maßgabe des landespolizeilich genehmigten Projektes erforderlich ist, im Wege der Enteignung zu erwerben oder, soweit dies ausreicht, mit einer laufenden Beschränkung zu belasten." Bereits ein Jahr später fertigte die Firma Lordt aus Mettlach für Kosten in Höhe von rund 71.000 Mark eine Brunnenstube, einen Hochbehälter auf dem „Kreuzberg", die sieben Kilometer lange Wasserleitung und rund 200 Hausanschlüsse in der Stadt. Zum Dank wurde der Kaiserbrunnen errichtet, der bei einem neuerlichen Besuch Wilhelms II. in Daun am 20. Oktober 1911 feierlich eingeweiht wurde.
Wasser-Gewinnungsanlage in der „Hübelter Heck" bei Waldkönigen.
Kommen wir zurück zum Antrag Waldkönigens auf Gewährung der Provinzialhilfe. Darin wird das Bauvorhaben näher beschrieben: „Hertellung einer zentralen Wasserleitung. Hierzu wird Quellwasser benutzt. Es sind 65 Hausanschlüsse vorgesehen, die Kosten der Hausanschlüsse werden von der Gemeinde übernommen. Die Installation im Inneren der Häuser haben die Hauseigentümer zu bezahlen. Die Kosten eines Hausanschlusses sind auf 30 Mark veranschlagt. Verfasser des Projekts ist Eberhard Arens vom Baubureau für Hoch- und Tiefbau zu Gerolstein." Für das gesamte Vorhaben, das auch den Bau von 19 Hydranten beinhaltete, errechnete der Planer Kosten in Höhe von 28.000 Mark. Die Antragsteller gingen von einem Baubeginn im folgenden Jahr aus. Zur Finanzierung führten sie aus: „Es ist beabsichtigt, das Anlagekapital im Wege der Anleihe bei der Kreissparkasse in Daun zu beschaffen." An jährlichen Ausgaben führten sie eine Verzinsung von 4,5%, also 1260 Mark, eine 1,5%ige Tilgung, somit 420 Mark, sowie Unterhaltungskosten von 200 Mark auf. Daraus ergab sich eine Belastung per anno von 1880 Mark. Eindrucksvoll beschrieben sie die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Gemeinde und damit die Notwendigkeit der Beihilfe. Sollte dieser Zuschuss nicht gewährt werden, müssten mindestens 1200 Mark durch den Wasserzins aufgebracht werden und sie fügten hinzu: „Der Restbetrag mit 680 Mark müßte durch Gemeindeumlage gedeckt werden, dies würde eine Erhöhung der Umlage um 142% bedeuten. Die Gemeindeeingesessenen würden durch diese Beiträge weit über ihre Leistungsfähigkeit hinaus belastet." Da war es nur ein geringer Trost, dass man in den nächsten Jahren von einer deutlichen Steigerung der Zahl der Haushalte von 65 auf 75 ausging, wodurch sich die Kosten pro Haushalt von 29 auf 25 Mark verringern würden. Abschließend stellten die Antragsteller unter „Sonstige Bemerkungen" heraus: „Die Einwohner sind durch Beiträge zu den Kosten der Zusammenlegung auf Jahre hinaus hoch belastet." Dies darf man als Kritik an dem oben bereits erwähnten Flurbereinigungsgesetz werten, mit dem die negativen Folgen der Realteilung abgemildert werden sollten. Die Bauern sahen aber in erster Linie die hohen Kosten, die unter anderem durch eine Neuvermessung des Landes entstanden. In den besonders armen Dörfern umging man diese Ausgaben häufig, indem man Parzellenteilungen, die sich durch das Beibehalten der Realteilung zwangsläufig ergaben, nicht in das Grundbuch eintragen ließ. Dort wurde lediglich vermerkt, dass die faktisch geteilten Parzellen mehrere Besitzer hatten. Diese Umgehung des Gesetzesinhalts sahen die preußischen Katasterbeamten zwar nicht gern, aber verboten war dieses Vorgehen nicht. Zu dem Antrag Waldkönigens erstellte Meli-orations-Bauinspektor Doehn im März 1910 ein Gutachten. Er empfahl, den Durchmesser der Hauptleitung zu vergrößern, wodurch sich eine Erhöhung der Gesamtausgaben auf 29.000 Mark ergab. Nach Abzug der Kosten für die Hausanschlüsse entfiel somit auf jeden der 342 Waldkönigener ein Anteil von 46 Mark. Zusammenfassend stellte er fest, „dass gegen die Ausführung des Entwurfes nichts einzuwenden ist, wenn der diesseitige Vorschlag bezüglich der Höherlegung des Hochbehälters und der Vergrößerung der Lichtweite der Fallleitung Beachtung findet und die geforderten Änderungen bzw. Ergänzungen an der Quellfassung, der Brunnenstube, dem Hochbehälter und den Rohrleitungen berücksichtigt werden." Der Einschätzung des Trierer Baubeamten stimmte das Ministerium für Landwirtschaft in Berlin am 17. Mai 1910 mit einer Einschränkung zu: „Es empfiehlt sich, den Hochbehälter auf die westliche Seite des Ortes in die Zuleitung zu legen." Im Frühjahr 1914 waren die Arbeiten beendet. Der Vorstand des Königlichen Meliorationsbauamtes in Trier, Regierungsund Baurat Denecke, bescheinigte am 22. Mai, dass die Wasserleitung aufgrund des Entwurfs des Bautechnikers Arens aus Gerolstein gebaut worden war, wobei der Meliorationssekretär Debus aus Trier die Bauaufsicht hatte. Abgesehen von „unwesentlichen Abweichungen" waren die Arbeiten mit den im Entwurf vorgeschlagenen Änderungen ausgeführt worden. Ohne die von den Besitzern zu zahlenden Hausanschlüsse beliefen sich die Kosten auf 26.217,06 Mark. Aus dem „Westfonds" wurde dazu eine Beilhilfe in Höhe von 6.500 Mark bewilligt. Von der Gesamtsumme waren am 27. Februar 1913 bereits 5.000 Mark als Abschlag geflossen. Die Restsumme wurde an den GemeindeEinnehmer Mengelkoch in Dockweiler ausgezahlt; denn Waldkönigen war eine der fünf Gemeinden der Bürgermeisterei Dockweiler. Denecke erwähnt, dass die jährlichen Kosten durch den zu erhebenden Wasserzins aufgebracht wurden. Dabei ging man von einem täglichen Verbrauch von 30.000 Litern Wasser aus, umgerechnet auf den Einwohner waren das 87 Liter. In der Gegenwart liegt in Deutschland der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch bei 125 Litern. Für ausreichend Löschwasser war jetzt auch gesorgt: Am 25. Mai 1914 bestätigte Rudolf Kirch, der Amtsbürgermeister von Daun, die Prüfung der in der Wasserleitung verbauten Hydranten: Diese funktionierten gut und der Wasserspiegel war ausreichend hoch.
Zahlreiche Quellen sichern in der Verbandsgemeinde Daun ständig gutes Trinkwasser, das zum Teil weit entfernt von seinem Ursprung genutzt wird
Zum Dank für die Unterstützung erbauten die Dauner 1911 den Kaiserbrunnen. Später wurde eine Metallplatte zur Erinnerung an die Kriegsopfer angebracht.
1) Siehe zum Folgenden die Akte „Nr. 5898 Kreis Daun 18. Waldkönigen" im Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland. Für die freundliche Unterstützung danke ich dem Archivar, Rudolf Kahlfeld.