von Carola Grau, Hillesheim
Andere Länder, andere Sitten, und doch vieles gemeinsam: In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni wird in praktisch allen Küstengemeinden Spaniens, aber auch in zahlreichen Ortschaften des Hinterlandes die Noche de San Juan (Johannisnacht) gefeiert. Als Symbol der Reinigung steht das Feuer im Mittelpunkt des Festes. Der Ursprung geht auf einen Brauch zur Sommersonnenwende zurück. Die typische Art, die Johannisnacht zu verbringen, besteht darin, abends am Strand mit der Familie und Freunden ein Grillfest am Lagerfeuer zu veranstalten. Außerdem werden Strohpuppen und Gebilde aus Holz errichtet. Diese werden um Mitternacht in Brand gesteckt. Symbolisch sollen die Flammen alles Böse des vergangenen Jahres verzehren. Manche Spanier schreiben die Dinge auf, die ihnen im letzten Jahr Sorgen bereitet haben und werfen den Zettel ins Feuer. Ein besonderes Erlebnis für den, der das schon einmal miterleben durfte!
Auch die Bauern legen ihr Augenmerk auf den 24. Juni. Drohte zu dieser Zeit ein Gewitter, so musste die Heuernte schnell eingefahren werden. Eine Bauernregel besagt: „Regen an Johannistag, nasse Ernt' man erwarten mag. Oder: „Vor Johanns bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen."
Von meiner Großmutter, die einen großen Nutzgarten mit Blumen von Osterglocken bis zu Herbstastern hatte, ist mir der Ausspruch bekannt: „Bis Johannis wird gepflanzt." Darum wurde mir von ihr sowie von meinem Vater angetragen, vor dem 24. Juni den Mond im Blick zu haben. Bei zunehmendem Mond wäre es ein idealer Zeitpunkt, um alles in die Erde zu bringen, was noch gepflanzt werden sollte — Gemüse, Früchte, Kräuter und Wurzeln.
Früher wurde dementsprechend gekocht, was es im Nutzgarten zu der Zeit zu ernten gab. Eben saisonal, wie zum Beispiel Spargel. Die Bauernregel besagt: „Stich den Spargel bis Johannis"; auch hier also wieder der 24. Juni.
Bemerkenswert ist auch, dass im Juni die meisten Blumen blühen. Aus meiner Kindheit kenne ich die bedeutsame Äußerung: „Der Juni, das ist der Monat der Pfingstrosen, die groß und stolz den Sommer ankündigen." Auch heute noch pflege ich die Regeln meiner Großmutter und meines Vaters, zum Beispiel beim Rosenschneiden. Sie sollen erst dann zurückgeschnitten werden, wenn die Forsythien blühen. Aber auch hier ist der Klimawandel deutlich spürbar. Im Jahre 2020 blühten sie im Rheinland bereits Ende Februar.
Ich versuche meinen Beitrag zu leisten, im Einklang mit der Natur zu leben, die Schöpfung zu bewahren, vielleicht nicht so intensiv, wie es meine Großmutter in der damaligen Zeit machen musste. Wie heißt es doch: „Back to the roots" (zurück zu den Wurzeln). Diesen Ratschlag gebe ich gerne an meine Kinder und Enkelkinder weiter.
Was fällt mir als Christin zum 24. Juni ein? Es ist ein besonderer Tag. Die Geburt Johannes des Täufers, Sohn von Elisabeth und Zacharias, so im Lukasevangelium zu lesen (1,13-15).