Vom Frankenkönig bis zum Preußen-Kaiser

Kurtrier erobert die Vulkaneifel

von Karl-Josef Bales, Berndorf


Die Geschichtsschreibung berichtet, dass der heidnische Frankenkönig Chlodwig im Jahre 496 bei Zülpich die Alemannen besiegt habe. Weil der Sieg dank eines erflehten göttlichen Beistandes errungen worden war, habe sich Chlodwig als erster germanischer Herrscher im Anschluss katholisch taufen lassen. Seinem Beispiel sollen 3000 fränkische Krieger gefolgt sein.

Die von den fränkischen Herrschern engagiert geförderte Missionierung der Eifel geht jedoch zunächst von den Rändern der Eifel aus. Die großen Benediktiner-Abteien wie Stablo-Malmedy *1 im heutigen Belgien, St. Maximin in Trier oder das von St. Willibrord 698 gegründete Kloster Echternach in Luxemburg, sind daran maßgeblich beteiligt. An der Grenze zwischen den Bistumsspren-geln von Lüttich, Köln und Trier stiftet 721 Bertrada die Ältere, die Urgroßmutter Karls des Großen, im Carosgau das Kloster Prüm, das man 1222 zum Fürstentum erhebt und das zur bedeutendsten Abtei des Reiches avanciert. Das 830 in Münstereifel als Filiale von Prüm gegründete Kloster liegt schon wieder am Rande des Gebirges und wird kirchlicher Mittelpunkt des Eifeldekanates. Folgende Teilthemen zeigen in einem exemplarischen Streifzug die Entwicklung des Christentums im kölnischen Eifeldekanat unter dem Einfluss der Territorialherren auf. Sie vermitteln daneben einen Einblick in die Heimatgeschichte der Nord- und Vulkanei-fel, sowie schließlich in drei preußisch geförderte Sakralbauten mit Doppelfunktion.


Kartenausschnitt V „Decanatus Eifliae" -Die Pfarreien des Eifeldehanats nach dem über Valoris um 1300


Kloster Malmedy gründet Mutterpfarrei in Alendorf

Es ist der König von Austrasien, Sigibert der Heilige, der sich im siebten Jahrhundert als Wohltäter von Kirchen und Klöstern zeigt. Er dotiert die von seinem Majordomus Grimoald um 648/650 gestifteten Klöster in Stablo und Malmedy. *2 Mitten im Königswald Arduinna gelegen, „an den Orten öder Einsamkeit, wo sich Scharen wilder Tiere tummeln". *3 Gründer und erster Abt dieses Doppelklosters wird, der in Aquitanien (Südfrankreich) geborene Benediktinermönch, der heilige Remaclus. Unter dem Einfluss der späteren Fürstabtei Stablo-Malmedy entstehen Christengemeinden, die anfangs von Mönchen betreut werden, die dann mit der Zeit Angehörigen des weltlichen Klerus *4 ihre Aufgaben übertragen.


Auszug aus der Schenkungsurkunde von 862 auf einem Mosaik an der Hausfassade des Staffelter Hofs: Conferimus eis ob exiguitatem vini - „Wir übertragen ihnen wegen des Mangels an Wein..." unter einer Nachbildung des Remaklusretabels mit der Inschrift „Fides / Babtismus" - „Glaube / Taufe". Das Weingut leitet seinen Namen von Stablo, dem heute belgischen Stavelot ab.


Die ersten Glaubensboten der Eifel erwerben auf dem Weg von der Maas an den Rhein und zur Mosel, durch Schenkungen, Gütertausch und Kauf, Streubesitz im Obergebiet von Kyll, Urft und Ahr. Auch Baasem, Kronenburg, Dahlem sowie Alendorf und Waldorf sind Etappenstationen auf diesem Weg. „Wegen des Mangels an Wein" schenkt der fränkische König Lothar II, ein Urenkel Karls des Großen, der Reichsabtei im Jahre 862 das Weingut Staffelter Hof in Kröv an der Mosel. Von dort transportiert man den Wein 140 km weit mit Fuhrwerken über die „Weinstraße" durch die Eifel über Kelberg-Dreis- Hillesheim-Steffeln - Ormont nach Malmedy und Stablo. Um 1130 zählt die Doppelabtei bereits 46 Kirchen zu ihrem Tafelgut und besitzt 63 Ortschaften, *5 zu denen auch Baasem mit 400 Hektar Land und Dahlem mit neun Hufen *6 gehören. Und in Aldendorp, dem heutigen Blankenheim-Alendorf ist das Kloster Malmedy schon früh Grund- und Kirchherr einer großen Mutterpfarrei mit Filialen in Baasem, *7 Dahlem, *8 Leuteratherhof *9 und Waldorf. *10


Die Alte Kirche St. Agatha in Alendorf wurde 1494 im spätgotischen Stil erbaut. An den einschiffigen Saalbau mit zweijochigem Netzgewölbe und fünfseitig geschlossenem Chor, schließt sich ein dreigeschossiger Westturm mit Rhombendach an. Von der Kirche führt ein Kreuzweg mit 14 Stationen zum gegenüberliegenden Kalvarienberg. Von seinem höchsten Punkt genießen Ausflügler eine grandiose Aussicht auf eines der schönsten und größten Wacholdergebiete in NRW, die Toskana der Eifel.


Der Ort Alendorf wird im Jahre 1253 zum ersten Male urkundlich erwähnt. *11 Damals gründen acht adelige Zisterzienserinnen der Abtei Malmedy im heutigen Dahlem-Frauenkron, an der oberen Kyll, ein Kloster und geben ihm aufgrund ihrer besonderen Marienverehrung den Namen „Corona sancte Marie". Wegen noch unzureichender Dotierung inkorporiert man 1253 dem Konvent die Pfarrkirche von Alendorf. *12 Dem Nonnenkloster wird auch das Patronat für die Mutterkirche in Alendorf und den zugehörigen Kapellen übertragen. Die Äbtissin Mathilde und der Konvent des Zisterzienserinnenklosters präsentieren am 18. November 1271 „dem Bischofe von Lüttich, der zugleich Vice-Abt zu Stablo und Malmedy war, den Kleriker Adolph von Dollendorf als Pfarrer für Alendorf." *13. Zu dieser Zeit gehört Alendorf zum weltlichen Herrschaftsbereich der Freiherren von Dollendorf-Cronen-burg. Sie waren auch die frommen Stifter des Klosters auf Grundbesitz der Abtei Malmedy.

Doch bereits 36 Jahre später befindet sich das Frauenkloster in einem armseligen Zustand und „damit der Gottesdienst nicht untergehe" wird es an die Abtei Steinfeld übergeben. Und mit Urkunde vom 1. Mai 1289 erklären Äbtissin Agnes von Dollendorf und sieben Mitschwestern, „daß sie mit Zustimmung Gerlachs von Dollendorf und seines Bruders Adolph ihre Rechte auf Alendorf an den Abt von Steinfeld abgegeben hätten." *14

Am 2. März 1300 überträgt Graf Adolph von Dollendorf, der inzwischen zum Abt von Steinfeld aufgestiegen ist, mit Zustimmung des Erzbischofs Wikbold von Köln und Graf Gerlachs von Dollendorf, das aufgelassene Nonnenkloster Frauenkron mit der Mutterpfarrei Alendorf wegen Priestermangels an den Johanniterorden. *15 Im Jahre 1317 erwirbt der Hospitalorden der Johanniter einige Besitztümer in Alendorf und errichtet dort eine Kommende. Das Patronatsrecht der Pfarrei lässt er durch seine Komture in Adenau und später in Roth bei Vianden sowie in Kronenburg ausüben. Die 1494 erbaute Alte Kirche ist der hl. Agatha von Catania geweiht und steht heute unter Denkmalschutz. Territorial untersteht Alendorf Mitte des 14. Jahrhunderts der Herrschaft Jünkerath, mit der es 1498 an die Grafschaft Manderscheid-Blankenheim übergeht und zu der es dann bis zur Herrschaft der Franzosen gehört.


Päpstliche Basilika minor in Steinfeld: Charakteristisch für das heutige Salvatorianer Kloster sind die drei Türme der kreuzgratgewölbten Pfeilerbasilika mit der Ruhestätte des hl. Hermann Josef von Steinfeld. Das Eifelkloster ist derzeit Schulstandort für mehr als 700 Gymnasiastinnen und gehört zu den besterhaltenen Klöstern Deutschlands. Es besitzt mit der bekannten König-Orgel die größte noch erhaltene dreimanualige Barockorgel des Rheinlandes.

Päpstliche Basilika minor in Steinfeld: Charakteristisch für das heutige Salvatorianer Kloster sind die drei Türme der kreuzgratgewölbten Pfeilerbasilika mit der Ruhestätte des hl. Hermann Josef von Steinfeld. Das Eifelkloster ist derzeit Schulstandort für mehr als 700 Gymnasiast*innen und gehört zu den besterhaltenen Klöstern Deutschlands. Es besitzt mit der bekannten König-Orgel die größte noch erhaltene dreimanualige Barockorgel des Rheinlandes


Berndorf vor 900 Jahren erstmals beurkundet

Die Anfänge des Benediktinerklosters in Steinfeld sind urkundlich nicht belegt. Sibodo von Hochstaden, Graf von der Are, soll es dort auf seinen Liegenschaften um 920 gestiftet haben. *16 Erzbischof Friedrich I. von Köln beruft im Jahr 1097 AugustinerChorherren aus dem Stift Springiersbach im Kreis Wittlich nach Steinfeld. Er erwirbt das inzwischen marode Kloster von Theoderich von Are, einem Nachfahren Sibodos. „Zur Fundierung des Stifts inkorporiert er demselben die Pfarreien Ripsdorf und Berndorf', die in der Stiftungsurkunde vom 24. November 1121 mit „Ripestorp und Berendorp' erstmals genannt werden. *17 Theoderich, Erbauer der Burg Are bei Altenahr sowie Graf des Ahr- und Eifelgaus, bleibt dem Kloster nun als Vogt verbunden und kann zusätzlich seinen Einfluss bis an den Rhein ausweiten, denn sein Sohn Gerhard wird bereits drei Jahre später Propst des Bonner Cassius-Stifts.


Die Alte Wehrkirche St. Peter in Berndorf wurde in den Jahren 1513/1515 als Erweiterungsbau einer noch älteren Kirche errichtet und 1545 mit einem Turm ausgestattet. Sie ist das Wahrzeichen der über 900 Jahre alten Pfarrei und ein kunsthistorisches Schmuckstück.


Der erste namentlich bekannte Priester in Berndorf ist der hl. Everwin von Steinfeld, mit dem Geburtsnamen Eberwin von Helfenstein, der sich mit seiner Gemeinschaft vor 1135 als Propst von Steinfeld dem Prämonstratenser-Orden anschließt. Am 4. Dezember 1136 bestätigt Papst Innozenz II. die weitgestreuten Besitzungen „in pago Steinfelt", die zukünftig die wirtschaftliche Existenz des Klosters absichern. Hierzu gehört auch „die Hälfte des Dorfes Berndorf mit der Pfarrei und allen Zehnten sowie die Pfarrei Ripsdorf mit allen Zehnten." Abt Winmar und der Konvent des Klosters Steinfeld verkaufen am 29. September 1287 dem Theoderich von Kerpen und dessen Schwager, dem Ritter Johann von Waldeck, ihren Klosterhof mit sämtlichem Zubehör und dem Patronatsrecht der Kirche von Berndorf „wegen der zu großen Entfernung für 200 Mark Kölner Denare." *18 Durch den Verkauf wird auch das Inkorporationsverhältnis der Pfarrei Berndorf aufgehoben.


Balduins nördlichster Brückenkopf

Im Spätmittelalter gehören die Metropoliten von Köln und Trier zu den ranghöchsten Herrschern im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (HRR). Sie sind geistliche Oberhirten und politische Landesherren; dazu besitzen sie als Kurfürsten das Recht der Königswahl. *19

Als „Jüngling" von 22 Jahren wird Graf Balduin von Luxemburg 1307 zum Erzbischof und Kurfürst von Trier erhoben. Unter seiner expansiven Machtpolitik wächst nicht nur das Ansehen des Erzstiftes, sondern auch sein Territorium in der Vulkaneifel. Markgraf Wilhelm von Jülich ist erst wenige Jahre alleiniger Besitzer der Stadt Hillesheim, als er 1349 durch eine Jülicher Hausfehde in Gefangenschaft gerät und um Hilfe ersucht. Der Trierer Oberhirte nutzt die Gunst der Stunde, lässt im Geheimen den Wert sowie Einkünfte der Herrschaft Hillesheim erkunden und gewährt diese Hilfe dann gerne. Als „Helferlohn" verpfändet ihm der Markgraf auf einem Rheinschiff bei Engers die Städte Hillesheim und Sinzig für 10.000 Gulden. *20 Nachdem Jülich diese Verpflichtung nicht einlösen kann, zieht der Staatsmann Balduin die Schuldverschreibung mit Genehmigung Kaiser Karls IV. ein *21 und gelangt so in den Besitz seines nördlichsten Brückenkopfes an der oberen Kyll. 1352 wird Hillesheim zum Hauptort des gleichnamigen Amtes mit den Dörfern Berndorf und Bolsdorf.


Graf Philipp II. von Daun - Sohn des Freiherrn Wirich von Daun-Oberstein - als Domdechant vor ihm das Dauner Adelswappen. Detail aus dem Passionsfenster des Kölner Doms.


Balduin greift 1353 die Festung Gerolstein an und belagert sie, jedoch die Eroberung gelingt dem Kurfürsten nicht. *22 Kurz darauf legt er sich mit dem Dauner Ritter Ägidius kriegerisch an und erzwingt zusammen mit dem Kölner Erzbischof Wilhelm von Gen-nep die Übergabe der Burg und Stadt Daun. Auch der Markgraf von Jülich hat in Berndorf „Rechte [...] an Hochgericht, Wald, Wasser und Weide" besessen, wie zwei ehemalige Amtleute von Hillesheim in einer eidlichen Kundschaft vom 28. März 1379 bestätigen. *23 Der adelige Johann von Daun war ebenfalls in Berndorf begütert, muss jedoch aus finanzieller Not, zugunsten des Erzbischofs von Trier, 1398 auf den Anteil an seinen Gütern in Berndorf verzichten. *24 Und das nachbarschaftliche Amt Daun grenzt 1466 an Berndorf. Wie eine Urkunde über das Weistum des Hochgerichtes der Herrschaft Daun belegt, dehnt sich der Wildbann des Trierer Kurfürsten im „kölnischen Chrisam" *25 bis an die „Rotleye in Berendorff" aus, einer Gemarkung am Berndorfer Bubberg. *26

Die klerikale Herrschaft in Berndorf geht von der Gründung der Pfarre bis 1801 vom Eifeldekanat der Erzdiözese Köln aus, die kurz vor der Reformation von einem Kurfürsten aus Eifeler Adel geleitet wird: Der Lebensweg von Philipp II. (1463-1515), aus dem Geschlecht der Herren von Daun, ist schon früh eng mit dem Erzstift Köln verbunden. In der Rheinmetropole erhält er schon als Kind eine Domherrenstelle. Mit 25 Jahren wird ihm als Domscholaster die Leitung der Kölner Domschule übertragen. Schließlich avanciert er vom Domdechanten (Vorsteher des Domkapitels) und Berater seines Vorgängers Hermann IV. von Hessen im Jahre 1508 zum Kurfürsten und Erzbischof von Köln. In dem Provinzialkonzil 1513 setzt er wichtige Reformen durch. Im nördlichen Seitenschiff des Domes stiftet er zwei spätgotische Fenster, das Passionsfenster und das Petrus-Wurzel-Jesse-Fenster, auf dem er vom hl. Petrus als Kurfürst präsentiert wird. Daneben belegt die abgebildete „Ahnenprobe" mit 16 Wappen seiner Urgroßeltern, die adelige Abstammung des Erzbischofs. Über sein Episkopat, das nur knapp sieben Jahre währtund über seine Persönlichkeit ist nur wenig bekannt.


Kartenausschnitt der Erzdiözese Köln vor dem Ende des Eifeldekanats im Jahre 1801 (rot) und nach Neuumschreibung der Kirchenprovinz Köln 1821-1825 (blau).


Das Luthertum im Eifeldekanat

Im 16. Jahrhundert schließen sich die Manderscheider Grafen der lutherischen Reformation an und können nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio" die Konfession ihrer Untertanen bestimmen. Zur Linie Manderscheid-Schleiden gehören auch die Herren von Kerpen. Sie stifteten bereits 1175 im heutigen Üxheim-Niederehe ein Kloster für adelige Jungfrauen nach der Augustinerregel. 1226 folgt der Anschluss an den Prämons-tratenser-Orden der Abtei Steinfeld und 1505 schließlich die Umwandlung in einen Männer-Konvent. In Niederehe kommt es 1567 bei der Einführung des Luthertums zu einem heftigen Protest der Steinfelder. Weil Dietrich VI. von Manderscheid jedoch niemanden zu seinem Glauben zwingen will, erlaubt er, dass die Klosterkirche abgeteilt und simultan genutzt werden kann. So lesen die Mönche bis 1595 die Messe im Chor und die evangelischen Christen halten den Gottesdienst im Kirchenschiff.

Im Ende des 13. Jahrhunderts gegründeten Hillesheimer Kloster fühlen Luthers Ordensbrüder, die Augustiner-Eremiten, sich ebenfalls zur Reformation hingezogen. So treten dort um 1550 viele Mönche zum Protestantismus über und verlassen ihre Gemeinschaft. Dennoch bleibt die Eifel fast ganz katholisch. Großen Anteil daran haben im 17. Jahrhundert die Jesuiten, der Orden der Gegenreformation. So sind zwei Patres aus Münstereifel innerhalb der Eifel als „Kampftruppe des Papstes und Soldaten Christi" ständig auf Reisen. Sie halten in mehr als hundert Pfarreien der Nord- und Südeifel acht- bis vierzehntägige Missionsreisen ab.


Französische Annexion und Preußenherrschaft

Das revolutionäre Frankreich erobert 1794 die Eifel und sämtliche linksrheinischen Gebiete, die Napoleon 1801 nun annektiert. Alle bis dahin bestehende Herrschaftsformen, einschließlich der geistlichen Fürstentümer Köln und Trier, werden aufgelöst. Berndorf gehört nun zum „Saardepartement zu Trier" im Arrondissement Prüm, Kanton Lissendorf der Mairie Kerpen. 1802 säkularisiert die Revolutionsregierung das kirchliche Vermögen u. a. von etwa 80 Abteien und Klöstern in der Eifel. Sie verlegt den Bischofssitz von Köln in das neue, napoleonische Bistum Aachen und hebt die seit römischen Zeiten bestehende Kirchenprovinz Trier auf. Sämtliche Pfarreien des Saardepartements, das sich von Blankenheim im Norden bis Saarbrücken im Süden erstreckt, werden aufgelöst und dem neu umschriebenen Bistum Trier zugewiesen. So wird Berndorf 1803 Hilfspfarrei im Kanton Lissendorf. Kaiser Franz II. legt 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder und vollendet damit die Reichsauflösung des HRR. Schließlich endet mit den Niederlagen Napoleons in den Schlachten bei Leipzig und Waterloo auch die franz. Herrschaft in der Eifel. Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses übernehmen 1815 die protestantischen Preußen die Macht im katholischen Rheinland. Nun ist Berndorf eine Gemeinde der Bürgermeisterei Kerpen im Kreis Daun unter der Königlichen Regierung Trier in der Rheinprovinz. Mit Verfügung der Päpstlichen Bulle ,De salute animarum' vom 16. Juli 1821 wird das Bistum Trier, das sich nun im Wesentlichen an den preußischen Landesgrenzen der Regierungsbezirke Trier und Koblenz orientiert, Teil der neuen Kirchenprovinz Köln, zu der es bis heute gehört. Und 1824 werden daher ebenso die im Regierungsbezirk Aachen gelegenen Pfarreien des ehemaligen Saardepartements von Trier an Köln überwiesen. Hierzu gehört auch Alendorf, eine der ältesten Pfarreien des später errichteten Dekanates Blankenheim.


Dombau wird zur nationalen Aufgabe

Der aus einer Eifeler Adelsfamilie stammende Kölner Erzbischof Konrad von Are-Hochstaden, legt im Jahre 1248 den Grundstein für die gotische Kathedrale, die auf „feuergeborener Lava aus den vulkanischen Schlünden der Eifel" gegründet wird. Wegen Geldmangel unterbricht man die Dombauarbeiten jedoch um 1520 für mehr als 300 Jahre.

Gegenüber dem neuen Staatswesen ab 1815 muss sich auch der Klerus neu legitimieren. So geraten katholische Lehre und preußisches Recht — insbesondere durch den Mischehen-Streit bei katholisch-protestantische Ehen — in Konflikt. Dieser „Kölner Kirchenstreit" erreicht 1837 seinen Höhepunkt, als Erzbischof K. A. von Droste zu Vische-ring verhaftet und in die Festung Minden gebracht wird, weil er u. a. die Einsegnung von Mischehen verbietet, wenn nicht katholische Kindererziehung zugesichert werde. Erst unter König Friedrich Wilhelm IV. kommt es zur Aussöhnung. Ihm gilt der Kölner Dom in erster Linie als deutsches Nationaldenkmal, dessen Vollendung allen Deutschen, unabhängig von ihrer Konfession und ihrer Landeszugehörigkeit, ein Anliegen sein sollte. Er legt 1842, zusammen mit Erzbischof Johannes von Geissel, den Grundstein zum Weiterbau, akzeptiert die ihm angetragene Schirmherrschaft und stimmt der Gründung des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV) zu, den Kölner Bürgerinnen und Bürger zur Fundation einrichten. Den Transport der Baumaterialien, zu denen auch Udelfanger Sandstein aus der Süd-eifel gehört, übernehmen, neben der Rheinschifffahrt, in den 1840er Jahren beginnend, die privaten Eisenbahngesellschaften. Im linksrheinischen Bereich die Rheinische (RhE) und rechtsrheinisch die Köln-Mindener (CME), die 1859 mit der Dombrücke, der ersten festen Brücke in Köln über den Rhein, verbunden werden. Auf Wunsch des Königs richtet man diese Brücke auf den Domchor aus.


Die 1880 fertiggestellte gotische Kathedrale mit der Deutzer Schiffsbrücke (links) und der 1855-1859 erbauten Dombrücke (rechts) die, wie von König Friedrich Wilhelm IV. gewünscht, auf den Kölner Dom ausgerichtet wurde. Postkarte von 1902.


Das Konzil der Apostel zu Jerusalem, mit Petrus im Zentrum: Hauptbild aus dem 1879 eingesetzten Petrusfenster des Kölner Doms. Es wurde 1870 von derr Rheinischen Eisenbahngesellschaft gestiftet.


Karikatur zum Kulturkampf zwischen Reichskanzler Otto von Bismarck und Papst Pius IX. von Wilhelm Scholz aus dem humoristischsatirischen Wochenblatt Kladderadatsch vom 16. Mai 1875,


Kulturkampf in Glas

An der Verglasung des Kölner Domes beteiligen sich etliche Repräsentanten des Deutschen Bundes und späteren Reichsgebietes. Zu den Donatoren zählen auch die privaten Eisenbahngesellschaften. Fünf Direktoren der CME sponsern 1864 das 14 Meter hohe Paulusfenster. Analog zur Missionstätigkeit des Apostels im östlichen Mittelmeerraum, wird das Fenster 1868 an der Ostseite des Südquerhauses eingebaut. Und die RhE stiftet 1870 das Fenster für die Westseite, das man dem ersten Oberhaupt der Kirche, dem Apostel Petrus widmet. Die Ikonografie bestimmt das Domkapitel. Sie bezieht sich auf die Gründung des Christentums durch Lehre sowie Glaubensfertigkeit und thematisiert unterschwellig Bezüge zu aktuellen kirchenpolitischen Vorgängen. Als Hauptmotiv wählt man für die preußische CME die Bekehrung des Saulus zum Paulus und damit auch den Patron der Reformation. Und im Sockelbereich enthält die Darstellung des hl. Athanasius, der mehrfach mit den römischen Kaisern in Konflikt geraten war, zugleich eine Anspielung auf den Kölner Kirchenstreit. Im Zentrum des Petrusfensters der RhE, das man erst 1879 einbaut, verweist die Mittelszene mit dem Apostelkonzil in Jerusalem auf das eben beendete Vatikanum im Jahre 1870, auf dem Papst Pius IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen verkündet hatte, was schließlich den Kulturkampf zwischen Preußen und dem Vatikan auslöst.

Unter Leitung der Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner (1833-1861) und Richard Voigtel (1861-1902) gelingt es der Dombauhütte in nur 38 Jahren den Kölner Dom fertigzustellen. Nach der über 300-jährigen Baupause verschlingen die Bauarbeiten nach heutiger Rechnung über eine Milliarde Euro. Knapp zwei Drittel dieser Kosten bringt der Zentrale Dombauverein auf. Der preußische Staat, Stifter, Spender, und Fenstersponsoren wie z. B. die CME und RhE tragen die restliche Summe. Die den Apostelfürsten Petrus und Paulus gewidmeten Fenster kosten jeweils 8.000 Taler *27 (24.000 Goldmark) *28 und tragen noch heute die Namen der Eisenbahngesellschaften. Die Rekonstruktion des Paulusfensters, das den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden hat, kostet 1994 hingegen nur 500.000 DM und ist damit im Verhältnis deutlich billiger. 1880 ist der vollendete Dom mit den beiden über 157 Meter hohen Türmen das höchste Bauwerk der Welt. Seither ist er die Mutterkirche des Erzbistums Köln und das Wahrzeichen der Stadt. Schließlich avanciert das gotische Meisterwerk 1996 zum Weltkulturerbe.

Die 1902 erbaute ErLöserkapeLLe Mirbach: Der 25 m hohe oktogonaLe Vierungsturm, die Anbauten mit einem runden ChorabschLuss und der heLLe Niedermendiger Tuffstein, sind architektonische MerkmaLe dieses neoromanischen „EifeLdoms". Der StiL erinnert an die von Kaiser WiLheLm II. in JerusaLem errichtete ErLöserkirche.

Erlöserkirche Gerolstein-Sarresdorf, Wilhelm II. war bis 1918 Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und gleichzeitig oberster Bischof (summus episcopus) der preußischen Staatskirche. Für das Kaiserpaar wurde daher ein Ehrenplatz links vom Altar dezent abgetrennt und mit extra breiten Stühlen als Kaiserloge ausgestattet. Das außergewöhnliche Gotteshaus gehört heute zu den Top-Sehenswürdigkeiten in der Vulkaneifel.


Vom Familiendenkmal zum politischen Denkmal

Auch in der Eifel fördern die Preußen um 1900 den Sakralbau. Ernst Freiherr von Mirbach fühlt sich dem Heimatort seiner Vorfahren am heutigen Eifelsteig sehr verbunden. Er ist Oberhofmeister der Kaiserin Auguste Viktoria und Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbauvereins. Zum Aufgabenbereich dieses Vereins gehört auch die Beschaffung von Geldern und Spenden zum Bau von Kirchen. Zusammen mit seiner katholischen Kusine, der Gräfin Gabriele und weiteren Mirbacher Donatoren strebt von Mirbach als Ersatz für die verfallene Mirbacher Kapelle einen Neubau an, den er organisiert. Die Kosten von 120.000 Goldmark *29 werden durch Stiftungen der Mirbacher Linien, an denen sich auch das deutsche Kaiserpaar beteiligt, sowie durch Spenden aufgebracht. Kaiser Wilhelm II. gestattet den Neubau, prüft und genehmigt die vom Berliner Kirchenbaumeister Spitta entworfenen Baupläne und unterzeichnet 1902 die Stiftungsurkunde. Der Innenausbau erfolgt unter Leitung von Baurat Schwechten, dem Erbauer der Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche in Berlin. Das Gotteshaus wird im September 1903 unter dem Titel „Erlöserkapelle" eingesegnet und als Privateigentum der evangelischen Familie von Mirbach, der katholischen Filialgemeinde in der Pfarrei Wiesbaum zur Verfügung gestellt, die es 1956 als Geschenk erhält. Mit dem Schenkungsvertrag wird die Pflege und die Unterhaltungspflicht auf die Zivilgemeinde Mirbach übertragen. Die Erlöserkapelle, auch als Eifeldom bekannt, ist ein touristischer Anziehungspunkt, der an vorrömische Kirchenarchitektur im Vorderen Orient erinnert. Bemerkenswert an diesem Bau sind das Eichenportal, die außergewöhnlichen Mosaike im Inneren der Kirche und die kunstvollen Steinmetzarbeiten. Der Bau des „Eifeldoms" für die rund 100 Katholiken in Mirbach machte es gewissermaßen zur Pflicht, auch für die noch bedürftigeren Evangelischen in der Diaspora ein schönes Gotteshaus errichten zu lassen. Deshalb erwirbt der Berliner Kirchenbauverein auf Betreiben von Ernst Freiherr von Mirbach bereits im März 1903 für das Bauvorhaben in Gerolstein ein Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Krongutes „Villa Sarabodis". Erbaut wird die Erlöserkirche dann von dem Berliner Baumeister Schwechten zwischen 1911 und 1913, in neoromanischem Stil. Die Baukosten belaufen sich auf die damals astronomische Summe von 1,1 Millionen Goldmark. *30 Es ist die 100. und letzte Kirche, die der Kirchenbauverein finanziert. Auch der Kaiser beteiligt sich mit seinem Privatvermögen am Bau. Und weil die Unterhaltungskosten dieser „Jubiläumsausgabe" vor Ort nicht aufgebracht werden können, einigt man sich darauf, sie dem Hause Hohenzollern zu schenken. Bemerkenswert ist nicht nur die Architektur, sondern auch und vor allem die sehr anspruchsvolle Ausstattung des Innenraums mit rund 24 Millionen glitzernden Mosaiksteinen und einer dominierenden Kuppel. Schließlich krönt am 15. Oktober 1913 die höchstpersönliche Teilnahme des Kaisers die Einweihung dieses Prachtbaus in der preußischen Diaspora. Heute befindet sich die Kirche im Besitz der Evangelischen Landeskirche und wird von ihr verwaltet. Die Sakralbaustifter des Mittelalters hatten vor allem ihr eigenes Seelenheil und das ihrer Familien im Blick.

Sponsoren der Neuzeit bauten hingegen auch Gotteshäuser mit Doppelfunktion: Den Kölner Dom als Nationaldenkmal, den Eifeldom in Mirbach als Familiendenkmal und die Gerolsteiner Erlöserkirche als politisches Denkmal.


Literatur:


Verweise

  1. Stablo (französisch Stavelot) Bistum Lüttich; Malmedy Bistum Köln; beide unterstanden der Kölner Erzdiözese
  2. vgl. Regesta Imperii S. 4
  3. vgl. Regesten der Erzbischöfe von Köln, Bd.1, S. 23
  4. Diakone und Priester
  5. Schannat/Bärsch, Eifli>a Sacra, Bd. 2, S. 97f.
  6. 189 Hektar; eine Hufe ist eine Betriebseinheit von unterschiedli>cher Größe. Sie wird in der Hocheifel mit 60 Morgen je 35 Ar angesetzt.
  7. vgl. Renn, Heinz: Baasem. Rückbli>ck und Gegenwart, Geilenkirchen 1990, S. 114,
  8. vgl. Guthausen, Karl; Schmitz, Johann; Zimmers Johann: Meine Heimat Dahlem/Eifel, Eifelverein Dahlem 1967, S. 50f.
  9. vgl. Becker, J.: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, Köln 1893, S. 137
  10. Waldorf ist als einzige Fili>ale bis heute erhalten gebli>eben; Leuteratherhof kam zur Pfarrei Esch, Baasem und Dahlem wurden eigenständige Pfarreien.
  11. vgl. Urkunden in: Receuil des chartes de l'Abbaye de Stavelot-Malmedy, Hg. Halkin, J., Brüssel 1930, Bd. 2, Nr. 335f.
  12. vgl. Ostrowitzki, Anja: Die Ausbreitung der Zisterzienserinnen im Erzbistum Köln, Köln-Weimar-Wien 1993, S. 21-S. 23,
  13. Becker, Ebd., S. 144
  14. Ebd., S. 146
  15. später in Malteserorden umbenannt; vgl. Joester, I. Der Besitz des Prämonstratenser-Stifts Steinfeld, Göttingen 2018, UB Steinfeld, Nr. 197, S. I50f.
  16. vgl. Regesten Bd. 1, S. 114
  17. vgl. Schannat/Bärsch Ebd. S. 569 und Knipping, R.: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 2, Bonn 1901, S. 29f.
  18. vgl. LHA KO 53C005 Nr. 3069
  19. Den ursprüngli>ch sieben, später neun und zuletzt zehn ranghöchsten Fürsten des HRR stand seit dem 13. Jahrhundert das alleinige Recht zur Wahl (Kur) des römisch-deutschen Königs zu.
  20. vgl. LHA KO 1A Nr. 6532
  21. vgl. LHA KO lA Nr. 5740
  22. vgl. Wackenroder S. 86f.
  23. vgl. LHA KO lA Nr. 376
  24. vgl. LHA KO lA Nr. 6726
  25. Erzbistum Köln; Chrisam ist geweihtes Salböl
  26. vgl. LHA KO 1A Nr. 1608;
  27. vgl. Dombauarchiv, H VI, Schriftstück 15
  28. Ebd. 132
  29. Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden, Nr. 37 vom 7.5.1902, S. 2
  30. vgl. Daners, Peter: Die Erlöserkirche Gerolstein, Neuss 2000, S. 5