von Alois Mayer, Daun
1789 - Beginn der Französischen Revolution in Frankreich. 1794 - französische Revolutionstruppen dringen in die linksrheinischen Gebiete vor, lösen sämtliche feudale Strukturen und Gesellschaftsordnungen auf, säkularisieren kirchlichen und adeligen Besitz, führen neue Verwaltungsstrukturen und Gesetze ein, bedrücken die Bevölkerung mit Repressalien, Abgaben und harten Strafen, zeigen oft unnachsichtiges Verhalten, zwingen zum militärischen Pflichtdienst und regieren meist genau entgegengesetzt ihren revolutionären Forderungen nach „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit".
So schnell wie Schnee in gleißender Sonne, so schnell verschwand die anfängliche Sympathie nicht nur der Eifeler für die Revolutionstruppen, von denen erhofft wurde, sie würden jahrhundertelange Macht und autoritäres ausbeutendes Verhalten von Adel und Klerus brechen und durch humanitäre, sozialfreundliche, demokratische Gesetze und Verordnungen ersetzen. Rasch erkannte die Landbevölkerung, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen war. Der einstige Zehnt hieß nun Akzise und war ebenso erdrückend, die stets hungrige und durstige Besatzungsarmee musste zusätzlich durchfüttert werden, und der französische ,Erbfeind' befolgte seine uralte Zielsetzung, sein Reich bis hin zum Rhein auszudehnen, in konsequenter Härte.
Wen wundert's, dass sich vielerorts Widerstand formierte und gesetzloses Verhalten immer spürbarer wurde. Diebstähle und Räubereien, Schlägereien und Übergriffe nahmen zu. Lichtscheues Gesindel, Wegelagerer und verkrachte Existenzen verbreiteten Furcht und Schrecken. Viele ehemalige öffentliche Beamte in Verwaltung und Justiz waren aus dem Land vertrieben. Andere einheimische Ordnungskräfte fühlten sich aufgrund der außer Kraft gesetzten feudalen Gesetze behindert und beugten sich nur widerwillig den französischen Erlassen, um nicht als Kollaborateure und ,Franzosen-lieblinge' zu gelten. Ein nahezu rechtsfreier Raum war geschaffen, der das Bandentum sehr begünstigte.
„Das herrnlose Gesindel hat sich in der ganzen hiesigen Gegend seit einiger Zeit dergestalt gehäuft, dass am Tage Niemand ohne Begleitung, bey Nacht aber kein Mensch über Feld zu gehen sich getraut, aus Furcht misshandelt oder beraubt zu werden, die Pferde werden täglich aus den Ställen gestohlen, und der arme Landmann muss sich wegen der Wiedererhaltung seines Eigenthums mit den Dieben abfinden ..."
schreibt im Jahre 1804 der Zeitzeuge Becker. Vielerorts wurden (leider) zwielichtige Gestalten geduldet oder in Schutz genommen, galten sie doch als „mutige Gesellen, die den Franzosen gegenüber passiven Widerstand leisteten und so dem Vaterland nutzten", wenn sie der Besatzungsmacht Pferde, Proviant oder Marketenderwaren stahlen, das Diebesgut in Bauernhöfen und Mühlen, in Höhlen oder abgelegenen Dörfern versteckten oder verkauften. Es war halt (gerechte) Beute! Diese Stimmung nutzten verbrecherisches Gesindel und Banden schamlos aus. Nicht die Schädigung des „Feindes" war ihr Hauptziel, sondern fast ausschließlich ihr Eigennutz, ihre Gier nach Macht und Besitz, ihre Lust zu Gewalt, Orgien, Zerstörung und Brutalität. Das Eigentum des anderen oder die körperliche Unversehrtheit des Mitbürgers waren im Moralempfinden des wachsenden Bandentums bedeutungslos. Keine Statistik weist die ermordeten Mitbürger oder Franzosen auf, deren Leben heimtückisch und hinterlistig von Strauchdieben in unseren Wäldern oder einsam gelegenen Gehöften gemeuchelt wurden. Und welcher Müller, welcher Bauer hätte es gewagt, den Räubern Zuflucht oder Versteck zu verweigern oder diese gar zu verraten, fürchtete doch jeder um sein Leben und das der seinigen oder seinen Besitz in Flammen aufgehen zu sehen?
Hinrichtung des Schinderhannes am 21.11.1803 in Mainz
Einen ausgesprochen schlechten Ruf hatte die sogenannte Mosel- und Eifelbande. Sie übertraf die damalige Hunsrückbande um „Schinderhannes" an Brutalität bei weitem.
Liebshausen *l, ein kleiner Ort auf dem Hunsrück, war Ausgangs- und Treffpunkt der Mosel- und Eifelbande. Dort hatte Philipp Ludwig Mosebach *2, „Jäger-Philipp" genannt, Sohn eines evangelischen Pfarrers, ein Jäger und Deserteur vom holländischen Militär, die Agnes Günster aus einer Diebsfamilie geheiratet. Er galt als Anführer und als eigentlicher Lehrmeister vom Schinderhannes, der die Hunsrückbande *3 anführte. Weiter wohnten dort die gefürchteten Verbrecher Johann Seibert *4 und Johann Jakob Krämer. Die Tatorte jener Banden befanden sich nicht nur im Hunsrück und an der Mosel, auch die Vulkaneifel mit ihren dichten Waldungen und einsam gelegenen kleinen Siedlungen bot ausreichend Raum und Gelegenheiten, den Schandtaten nachzugehen. So erkor sich der Liebshausener Johann Jakob Krämer den „Trautzberger Hof als Unterschlupf, wo er sich längere Zeit aufhielt *5. Dem Kirchenbuch Strohn ist zu entnehmen, dass Johann Jakob Krämer vor 1796 in Liebshausen die Apollonia Weichelinn, vermutlich aus Rhaunen ehelichte, die ihm in Strohn/Trautzberg zwei Kinder gebar (Katharina * 03.07.1796; f 10.09.1796 Strohn); Maria Sophia * 02.01.1798 Trautzberg; die Paten bei diesem Kind waren: Johann Matthias Dahm[es] aus Nunkirchen und Maria Sophie Weichelinn aus Rhaunen). Dieser Krämer wurde auch wegen seiner hinterlistigen Verschlagenheit „Iltis Jakob" oder „Trautzberger Jäger" oder „Jakob mit dem stumpfen Daumen" genannt (sein linker Daumen war bis auf einen Stumpf abgetrennt). Er war ein Wilderer, ein Frauenheld und Schürzenjäger, selbst aber äußerst eifersüchtig, was ihn zu einem zweifachen Mörder werden ließ. Der Trautzberger Hof wurde nun häufig Treffpunkt übriger Moselbandenmitglieder.
Knapp zwölf Kilometer von Trautzberg entfernt liegt die kleine Gemeinde Krinkhof. Dort wohnte der 50jährige Grobschmied Hans Bast (Sebastian) Nikolai, ein großer, bärenstarker Mann, raffiniert und verschlagen, brutaler und eiskalter Mörder. Getrost kann man ihn den „Planer, Ideengeber und Kopf der Bande" nennen. Bei ihm trafen sich häufiger die Bandenmitglieder, stellten bei ihm Diebesgut und geraubte Pferde unter oder ließen denen neue Hufeisen schlagen. Im Kirchenbuch Strohn ist er auch als Pate bei Johann Sebastian Maas (* 18.09.1769 in Mückeln; f 31.08.1781 in Mückeln) erwähnt. Die Patin war Maria Eva Ehlen aus Bonsbeuren.
Häufigen Kontakt hatte er mit dem Juden Richard Bruttig, der angeblich wegen seiner Vorliebe für Schweinefleisch zum Christentum konvertiert war, mit dem er meist wildernd durch die Wälder oder auf Diebestouren zog. Bruttig, ein gelernter Metzger, war wohl der brutalste und grausamste in der Bande. Mehr als einmal verkündete er: „Mir ist es gleich, ob ich einen Menschenkopf oder einen Kalbskopf abschneide!" (Was er später ja auch tat.)
Weitere berüchtigte Mitglieder der Mosel-und Eifelbande waren: Peter Zughetto *6, auch „Schwarzer Peter" genannt, ein kalter, verschlagener Krämer von Urzig, den die Gerichtsakte als „grand voleur" (großer Dieb) und als „adjutant du fameux Schinderhannes" (Adjutant des berühmten Schinderhannes") beschrieb. Johann Schiffmann von Reil an der Mosel, „Tuchhannes" genannt, ein jähzorniger und habgieriger Müller, ein brutaler Schläger. Nikolaus Dahm von Ellenz an der Mosel, anfangs ein Bettler und Hausierer, dann ein wilder Verbrecher, bereit und fähig zu allen Untaten, die ihn letztlich zum Räuber und Brandstifter werden ließen. Bruder Matthias Dahm, ein ehemaliger Soldat und Deserteur aus der österreichischen Armee, und seine Frau Margaretha Saurens, beide Hausierer, Markthändler und sehr aktiv bei Diebstählen und Überfällen. Christian Hoscheid, ebenfalls von Reil, ein 24jähriger verwahrloster Müller, ein berüchtigter Pferdedieb und Brandstifter. Lorenz Günther, enger Freund von Peter Zughetto, Pferdedieb, Hehler und der älteste der Moselbande, brachte dem Schuhmacher Georg Schenk und Niklas Kohl das Betrügen, Stehlen und Banditentum bei. Nikolaus Schwarz, „Grundbirn-Kloas" genannt, ein Bettler, Straßenräuber und Brandstifter.
Johann Esuk, ein 18jähriger Pole, von zu Hause ausgerissen, aus einem französischen Kriegsgefangenenlager ausgebrochen, nunmehr wandernder Hausierer, Dieb und Straßenräuber, der bei Köhlern in dichten Wäldern, in Höhlen und Waldschluchten zu Hause war.
Heinrich Simonis, junger Schuster aus Kinderbeuern, wurde durch Umgang mit der Moselbande zum Mittäter und Brandstifter.
Riesiges Entsetzen rief das Blutbad vom 6. Fructidor IV (= 23. August 1796) auf der Sprinker Mühle *7 hervor. Mehrere Familienmitglieder des Müllers Johann Krones waren erschlagen und erstochen worden: Er und seine 50jährige Frau Maria Agnes, geb. Bell, beide mit eingeschlagenem Schädel, die 23jährige Tochter Anna Maria und der achtjährige Sohn Matthias Josef, beide erstochen und erschlagen. Der siebzehnjährige Sohn Gerhard, durch Axthiebe auf den Kopf schwer verwundet, konnte dem Tod entrinnen. Allerdings verschwieg er viele Jahre die Namen der Mörder, aus Angst, diese könnten sich erneut an ihm rächen. Dabei waren im Umkreis von Strohn die Namen der Mörder bekannt, jedoch wagte es niemand, sie öffentlich anzuklagen. „Tuchhannes" Schiffmann prahlte sogar mit seiner Untat: Er habe mit dem Müller von Sprink auf dem Manderscheider Markt Streit gehabt, sei kurz darauf, um sich zu rächen, mit Krämer und Bruttig in der Nacht nach der Mühle gegangen und habe an der Tür geklopft. Der Müller habe geöffnet und sei gleich von ihm angeschrien worden: Jetzt will ich dich bezahlen, der Teufel soll dich bezahlen.' Des Müllers Frau habe unter Jammern und Tränen um ihr Leben gebeten, endlich aber sich hingekniet, um Reue und Leid zu erwecken, und sei so kniend erschlagen worden. Das Mädchen habe am Fenster um Hilfe geschrien, und der Bruder von Tuchhannes habe während des ganzen Vorgangs vor der Mühle Wache gehalten. In späteren Prozessen wurden „Tuchhannes" Johann Schiffmann, „Iltis Jakob" Krämer, Hans Bast Nikolai und Richard Bruttig als Mörder auf der Sprinker Mühle zum Tode verurteilt. An dem Überfall ebenfalls beteiligt waren: Peter Zughetto, Philipp Ludwig Mosebach und andere.
Am 15. August 1797 wurde ein toter, nackter Mann hinter einem Busch nahe einem Weg kurz vor Bad Bertrich gefunden. Er war grausam ermordet worden. Der Kopf war ihm abgeschnitten und lag einige Schritte weit vom Rumpf entfernt. Nach längerem Forschen wurde die Identität des Toten bekannt. Es war Theodor Mungel aus Waldkönigen, Stadtteil von Daun. Er war das 5. von sieben Kindern der Schuhmacherfamilie Peter Mungel (Mongen, Mongel; t 03.08.1789 Daun), gebürtig in Blankenheim, der am 26.11.1738 die 21jährige Anna Katharina aus der angesehenen Familie Groß in Daun geheiratet hatte. Theo wurde am 2.12.1754 in Daun geboren und wohnte im Jahre 1797 in Waldkönigen. Er war Gelegenheitsarbeiter und verheiratet. Der Name seiner Frau, Ort und Datum der Ehe sind (noch) unbekannt, ebenso, ob aus dieser Ehe Kinder hervorgegangen waren. Eine mühselige Spurensuche begann. Es dauerte lange, bis sich ein, wenn auch unscharfes Bild des Tatherganges abzeichnete. Dabei stellte sich heraus, dass Theodor kein unbeschriebenes Blatt, im Gegenteil, selbst ein lichtscheuer Geselle, ein Dieb und ein enges Mitglied der Eifel-Moselbande war. Seine „Freunde" und Mittäter waren das lichtscheue Gesindel: Richard Bruttig, die Gebrüder Matthias und Nikolaus Dahm aus Ellenz, Lorenz Günther sowie der Pferdedieb und vielfache Einbrecher Nikolaus Kohl. Am Tag vor seiner Ermordung war Theodor Mungel von Waldkönigen nach Bertrich gegangen. Obwohl es ein Umweg war, besuchte er unterwegs Hans Bast Nikolai in Krinkhof. Dieser gab Theo eine leere Flasche mit, damit er sie in Bertrich mit Branntwein füllen lasse. In Bertrich besuchte er Richard Bruttig, der sich dort mit anderen Bandenmitgliedern in einer Wohnung aufhielt. Zeugen sagten später aus, es habe dort einen heftigen Wortwechsel zwischen den beiden gegeben. Als Inhalt des Streites wurden die Vorwürfe vermutet, Mungel würde zu viel reden und verraten; außerdem hätte er ein sexuelles Verhältnis mit Bruttigs Frau. Bruttig selbst hätte am Tag nach Mungels Ermordung laut geäußert: „Ich habe den Kerl auf dem Heu bei meiner Frau erwischt; er wird mir nicht wieder dahin gehen." *8 In der Nacht schlief Mungel in Bertrich in einem Wirtshaus. Währenddessen hatten dann Bruttig und seine Bande vermutlich beschlossen, Mungel umzubringen. Am kommenden Morgen wollte Mungel wieder in Richtung Daun-Waldkönigen gehen. Kurz hinter dem Ortsausgang wurde er dann umgebracht. Zeugen wollen an jener Stelle drei Personen gesehen haben, die durch das Gebüsch nach Krinkhof, dem Wohnort von Bast Nikolai, gingen. Bruttig wurde später verhaftet und vor Gericht gestellt. Obwohl er den Mord leugnete, sprachen mehrere Indizien gegen ihn: Man fand in seinem Haus die mit Weiden umflochtene Schnapsflasche, die ihm Nikolai mitgegeben hatte; ferner habe er einen Kittel verkauft, der dem Mungel gehört hatte und er hätte auch ein ähnliches Messer besessen, wie man eins neben dem Ermordeten gefunden hatte. Nikolai sagte im Prozess als Zeuge aus, Bruttig wäre am Morgen nach der Tat zu ihm nach Krinkhof gekommen und habe eine Pfanne mit gebackenen Eiern mit dem Zusatz bestellt: „Die anderen kommen auch." — „Mungel mit dem Branntwein auch!" fragte Nikolai. „Nein, der kommt nicht mehr!" erwiderte Bruttig. Jedoch wären die übrigen Männer nicht gekommen. Später wären er und Bruttig dann nach Bertrich gegangen. Bruttig wollte aber den Weg über den Mordplatz nicht nehmen, weil es da, wie er sich ausdrückte, nicht richtig wäre.
Nach jahrelangem verbrecherischem Unwesen, konnten die Franzosen nahezu alle Mitglieder der Eifel-, Mosel- und Hunsrück-bande verhaften und in Koblenz einkerkern. Am 1. September 1799 wurde in mehreren Gerichtssitzungen gegen dreizehn verhaftete und drei noch flüchtige Angeklagte verhandelt, und zwar in der Koblenzer Jesuitenkirche, weil der übliche Gerichtssaal für die vielen Zeugen und Zuschauer zu klein war. Eine historische Kuriosität im Prozess war, dass Nikolai, den man getrost als Anführer der Bande ansehen darf, als Belastungszeuge gegen seine Komplizen auftrat. (Er wurde erst später verhaftet und entging seiner gerechten Strafe nicht.)
Am 24. Fructidor VII (= 10. September 1799) endete der zehntägige Prozess, in dem 71 Zeugen gehört worden waren. Die Geschworenen sprachen die anwesenden Verbrecher schuldig. Es wurden harte Urteile gefällt:
1. Richard Bruttig (wegen Mord auf der Sprinker Mühle am 23. August 1796; Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Diebstahl von zwei Pferden aus der Kehler Mühle Ende September 1797; Pferdediebstahl zu Osann Ende September 1797; Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen in Alf in der Nacht zum 16. November 1797; Einbruch und Diebstahl von zwei Branntweinkesseln zu Reil in der Nacht zum 25. Februar 1798; Diebstahl von zwei Pferden zu Bekond im März 1798.)
2. Johann Jakob Krämer (wegen Ermordung aus Eifersuchtsgründen seiner eigenen Frau mit Messerstichen am 11. August 1795; Mord auf der Sprinker Mühle am 23. August 1796; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden zu Oberensdorf im Oktober 1796; Ermordung und Beraubung eines französischen Fuhrknechts auf dem Ürziger Berg am 27. April 1797; Brandstiftung eines Stalles auf dem Sprinker Hof und Mordversuch an Tuchhannes, der in diesem Stall wohnte, in der Nacht zum 13. Juli 1797; Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen auf der Alf in der Nacht zum 16. November 1797; Diebstahl von mehreren Schafen in der Nacht zum 2. Januar 1798 in Strohn, sowie Bedrohung des Eigentümers, ihm dessen Haus anzuzünden; Erpressen von Branntwein und Banditentanz unter Waffengewalt in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im Februar 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub, Brandstiftung und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der Müller-Eheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798)
3. Niklas Dahm (wegen Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen auf der Alf in der Nacht zum 16. November 1797; Diebstahl von mehreren Schafen in der Nacht zum 2. Januar 1798 in Strohn, sowie Bedrohung des Eigentümers, ihm dessen Haus anzuzünden; Erpressen von Branntwein und Banditentanz unter Waffengewalt in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im Februar 1798; Erpressung mit Waffengewalt von Fleisch, Branntwein und zwei Paar Strümpfen und Diebstahl von fünf Reichstalern in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im März 1798; Diebstahl von zwei Pferden zu Bekond im März 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub, Brandstiftung und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der Müller-Eheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden zu Strimmig in der Nacht zum 1. Mai 1798)
4. Johann Esuk (wegen Erpressen von Branntwein und Banditentanz unter Waffengewalt in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im Februar 1798; Erpressung mit Waffengewalt von Fleisch, Branntwein und zwei Paar Strümpfen und Diebstahl von fünf Reichstalern in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im März 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub, Brandstiftung und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; Bewaffneter Straßenraub gegen Joseph Hammes von Senheim und Peter Franzen von Senhals in dem Erdenbach am 21. April 1798; Einbruch und Diebstahl eines Pferdes mit Waffengewalt vom Bonsperler Hof im April 1798)
5. Niklas Schwarz (wegen Bewaffneter Straßenraub gegen Joseph Hammes von Senheim und Peter Franzen von Senhals in dem Erdenbach am 21. April 1798; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden aus dem Stall des Mathes Schneider von Beuren Mitte Januar 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden aus der Mühle von Büdlich mit Einbruch im Januar/ Februar 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub, Brandstiftung und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; Gewaltsamer Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden des Bürger Jakob Schultes aus der Mühle bei Neunkirchen im April 1798; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der MüllerEheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798)
6. Heinrich Simonis (wegen Diebstahl von zwei Pferden zur Nachtzeit aus der Kehler Mühle Ende September 1797; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden aus dem Stall des Mathes Schneider von Beuren Mitte Januar 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden aus der Mühle von Büdlich mit Einbruch im Januar/ Februar 1798; Erpressung mit Waffengewalt von Fleisch, Branntwein und zwei Paar Strümpfen und Diebstahl von fünf Reichstalern in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im März 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub, Brandstiftung und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der MüllerEheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden zu Strimmig in der Nacht zum 1. Mai 1798)
Die zum Tode Verurteilten erhoben gegen das Urteil Einspruch, der aber von dem Revisionsgericht in Trier verworfen wurde. Am 26. Frimaire VIII. (= 17. Dezember 1799) wurden sie in Koblenz auf dem Clemensplatz durch die Guillotine hingerichtet
• Georg Schenk (wegen Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden aus der Mühle von Büdlich mit Einbruch im Januar/ Februar 1798; Erpressen von Branntwein und Banditentanz unter Waffengewalt in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im Februar 1798; Erpressung mit Waffengewalt von Fleisch, Branntwein und zwei Paar Strümpfen und Diebstahl von fünf Reichstalern in dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllental im März 1798; Bewaffneter Straßenraub gegen Joseph Hammes von Senheim und Peter Franzen von Senhals in dem Erdenbach am 21. April 1798; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden aus dem Stall des Mathes Schneider von Beuren Mitte Januar 1798; Gewaltsamer Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden des Bürger Jakob Schultes aus der Mühle bei Neunkirchen im April 1798)
• Niklas Kohl (wegen Einbruch und Warendiebstahl in einem bewohnten Hause in Daun im März 1796; Einbruch und Diebstahlversuch in ein bewohntes Haus in Udler im März 1796; Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Pferdediebstahl zu Osann Ende September 1797; Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen in Alf in der Nacht zum 16. November 1797; Diebstahl von zwei Pferden zu Bekond im März 1798)
• Lorenz Günther (wegen Einbruch und Warendiebstahl in einem bewohnten Hause in Daun im März 1796; Einbruch und Diebstahlversuch in ein bewohntes Haus in Udler im März 1796; Raub mit Mordversuch gegen Simon Kräuter von der Alf auf der offenen Landstraße am 2. Juli 1796; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden zu Oberensdorf Oktober 1796; Brandstiftung eines Stalles auf dem Sprinker Hof und Mordversuch an Tuchhannes, der in diesem Stall wohnte, in der Nacht zum 13. Juli 1797; Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Diebstahl von zwei Pferden zur Nachtzeit aus der Kehler Mühle Ende September 1797; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden zu Oberstein am 25. Dezember 1797)
• Matthes Dahm (wegen Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen auf der Alf in der Nacht zum 16. November 1797; Diebstahl von mehreren Schafen in der Nacht zum 2. Januar 1798 in Strohn, sowie Bedrohung des Eigentümers, ihm dessen Haus anzuzünden; Diebstahl von zwei Pferden zu Bekond im März 1798.) Er starb auf den Galeeren.
• Peter Ernst Simonis (Diebstahl von zwei Pferden zur Nachtzeit aus der Kehler Mühle Ende September 1797; Einbruch und Diebstahl von drei Pferden aus dem Stall des Mathes Schneider von Beuren Mitte Januar 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden aus der Mühle von Büdlich mit Einbruch im Januar/Februar 1798; Einbruch und Diebstahl von zwei Branntweinkesseln zu Reil in der Nacht zum 25. Februar 1798)
• Margaretha Saurens (wegen Einbruch und Warendiebstahl bei dem Posthalter Theisen in Alf in der Nacht zum 16. November 1797. Sie starb in Koblenz im Gefängnis.
• Joseph Schiffinann
• Johann Schiffinann „Tuchhannes" (wegen Raub mit Mordversuch gegen Simon Kräuter von der Alf auf der offenen Landstraße am 2. Juli 1796; wegen Mord auf der Sprinker Mühle am 23. August 1796) Tuchhannes war bereits 1799, allerdings in Abwesenheit, zum Tode verurteilt worden; ihm war es gelungen, seiner Verhaftung zu entgehen, zu flüchten und sich auf der Reipeler Mühle im Lothringischen *9 zu verstecken. Sein Aufenthaltsort wurde verraten. Vom Wittlicher Polizeihauptmann Saal wurde er verhaftet und nach Koblenz gebracht. Am 19. Juni 1802 wurde er zum Tode durch die Guillotine verurteilt.
• Christian Hoscheid (wegen Einbruch und Pferdediebstahl auf einer Mühle bei Rüben im April 1795; Diebstahl von zwei den Bürgern Johann Müller und Michel Kaufmann von Kinderbeuern gehörenden Pferden im Sommer 1795; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden zu Bergweiler im Dezember 1795; Einbruch und Diebstahl eines französischen Trompeterpferdes zu Hornberg bei Mildenburg im August 1796; Gewaltsamer Einbruch, Aufsprengung eines Schlosses am Stall und Pferdediebstahl beim Bürger Franzen von Kinderbeuern Ende September 1796; Diebstahl eines Esels zu Enz am 8. September 1796; Gewaltsamer Einbruch, Aufsprengung eines Schlosses am Stall und Pferdediebstahl beim Bürger Gerhards zu Enkirch am 3. Mai 1797; Einbruch und Diebstahl eines Leinentuchs von hundert und mehreren Ellen aus dem Haus des Bürgers Schmengler zu Höllenthal am 6. Juni 1797; Einbruch und Diebstahl eines französischen Reiterpferdes aus einem Stall zu Hetzhof im Juni 1797; Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden zu Büchenbeuren sowie versuchtes Erschießen des Eigentümers im Juli 1797; Einbruch und Diebstahl von zwei Branntweinkesseln zu Reil in der Nacht zum 25. Februar 1798; Brandstiftung, gewaltsamer bewaffneter Raub und Mordversuche bei Martin Hornitz, Müller auf der Mühle zu Lieg am 12. März 1798; gewaltsamer Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden des Bürgers Jakob Schultes aus der Mühle bei Neunkirchen im April 1798; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der Müller-Eheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798; Diebstahl eines den Brüdern Kirchheim von Reil gehörenden Pferdes am 27. Juli 1798)
Vor Prozessbeginn brach Christian Hoscheid am 17. März 1799 abends zwischen acht und zehn Uhr aus dem Gefängnis zu Koblenz aus. Er zerbrach die Ketten, womit er an Händen und Füßen gefesselt war, schnitt die eisernen Fensterstangen mit einem zur Säge gemachten Messer durch und benutzte einen Platzregen, wodurch die Schildwache gezwungen war, sich in ihr Häuschen zurückzuziehen. In Abwesenheit wurde er zum Tode verurteilt, konnte aber bald darauf wieder auf der Sprinker Mühle verhaftet und nach Koblenz gebracht werden. Im Sommer 1798fand sein Prozess statt. Er wurde am 10. August 1800 guillotiniert.
• Johann Bast Nikolai (wegen Totschlag und Beraubung eines französischen Reiteroffiziers auf der Quint bei Trier im Sommer 1796; Mord auf der Sprinker Mühle am 23. August 1796 [Kommentar Nikolais: „Schade ist es, dass die Hiebe, die ich dem Sohn (= Gerhard Krones) in der Mühle gegeben, nicht besser geraten sind."]; Einbruch und Warendiebstahl in dem Haus des Kaufmannes Mack zu Kinheim, zusammen mit Lorenz Günther, dessen Mätresse und dem Trierer Perückenmacher Christian im Frühjahr 1797; Diebstahl und Verkauf eines Ochsens, dem Bürger Schlettweiler vom Neuenhof bei Manderscheid gestohlen im Sommer 1797; Ermordung des Theodor Mungel von Waldkönigen am 15. August 1797; Raubüberfall und Plünderung auf der Layer Mühle bei Osann mit Misshandlung der Müller-Eheleute, die an diesen Folgen verstarben an Palmsonntag 1798; Gewaltsamer Einbruch und Diebstahl von zwei Pferden des Bürger Jakob Schul-tes aus der Mühle bei Neunkirchen im April 1798; Diebstahl und Verkauf von drei Pferden, dem Bürger Hubert Johannes zu Udersdorf gestohlen im Sommer 1799; Diebstahl einer Geldkasse aus dem Hause des Bürgers Michel Kaufmann von Kinderbeuern).
Im 1. Prozess war Bast Nikolai noch nicht der Morde in der Sprinker Mühle beschuldigt; er trat sogar als Belastungszeuge gegen seine Mittäter auf. Als sich jedoch seine gewaltige Liste an Straftaten deutlich erwies, wurde er am 21. August 1800 in Bausendorf auf dem Markt festgenommen. Nahezu ein Jahr später, am 30. Juli 1801, wurde in Koblenz sein Prozess eröffnet. Vier Tage später, am 3. August 1801, wurde ihm sein Todesurteil verkündet, das nach verworfener Revision noch im gleichen Herbst vollstreckt wurde.
Mit diesen Urteilssprüchen und der Hinrichtung von Bast Nikolai war die Moselbande endgültig zerschlagen und trat nie mehr in Erscheinung.