Der alte Gillenfelder Friedhof

Eine Stätte der Ruhe und Besinnung, aber auch des Erinnerns und Mahnens

von Günter Schenk, Gillenfeld


Der alte Gillenfelder Friedhof im Hindergrund die Pfarrkirche St. Andreas


Oft versperrt das Gewohnte den Einheimischen den Blick für die kleinen Schätze, die sie vor Ort haben, und das Empfinden für ihre Besonderheit. So ist das auch mit dem alten Friedhof in Gillenfeld, dessen Gräber sich um die frühere Kirche scharten. Über Jahrhunderte wurden dort die Verstorbenen aus Gillenfeld und den Pfarrfilialen Ellscheid, Saxler und Winkel beigesetzt, so dass dem Ort eine besondere historische Bedeutung zukommt.

Nach dem Bau der heutigen Kirche (18971899) erfolgte der Abriss des alten Kirchenschiffes wobei der Turm aus dem 15. Jh. erhalten wurde, von dem heute noch die Glocken ihren Ruf in die Lande tragen. Somit hat Gillenfeld die Besonderheit, dass Kirche und Turm getrennt und höhenversetzt nebeneinander stehen.

1966 legten die Gillenfelder einen neuen Friedhof am Ortsrand an. Dank einer Ehrenamtsinitiative aus den Jahren 2005/2006 konnten auf dem alten Friedhof die noch vorhandenen Grabsteine erhalten werden und zeugen noch heute von vergangenen Zeiten. Eine Bepflanzung mit heimischen Laubbäumen verleiht dem Ganzen einen parkähnlichen Charakter, der zur Ruhe und Besinnung einlädt.

Neben den Gillenfeldern, die noch einen Bezug zu den dort Bestatteten pflegen, sind es die Besucher und Gäste Gillenfelds, die von unserem kulturellen Kleinod begeistert sind, durch die Grabreihen streifen oder die Stille des Ortes auf sich wirken lassen. Leider störte eins dieses Bild: ein ungepflegtes und teilweise verwildertes Kriegsgräberfeld!

In Verlängerung des Glockenturmes sind ein einer Reihe gefallener Soldaten des Zweiten Weltkrieges und zwei, in der Trockenkartoffelfabrik Gillenfeld eingesetzte Zwangsarbeiterinnen, die bei Luftangriffen ums Leben kamen, beigesetzt. Daneben erinnert ein Hochkreuz an Gefallene des ersten Weltkrieges. Morsche und windschiefe Holzkreuze, nicht mehr lesbare Inschriften und ein verwilderter Bewuchs verliehen dem Ganzen einen unwürdigen Charakter.

Doch gerade das „Vergessen" war es, das die Gillenfelder Eifelvereinsortsgruppe animierte, dem entgegenzuwirken und die Neuherstellung des Krieggräberfeldes in ihre Agenda aufzunehmen.

Denn vergessen werden darf das, was Krieg, politische Willkür und Gewaltherrschaft angerichtet haben, nicht! Und diesen Wahnsinn spiegelt prägnant die Gräberreihe auf dem alten Friedhof wider: Soldaten, die aus ihrem jungen, kaum begonnenen Leben gerissen wurden; Andersdenkende, die Verfolgung, Inhaftierung, Zwangsarbeit, Folter und Vernichtung ausgesetzt waren.

Das Wachhalten dieser grauenhaften Geschehnisse ist gerade in der heutigen Zeit, in der Rechtspopulismus wieder an Boden gewinnt und braunes Gedankengut aufkeimt, eine mehr als wichtige Aufgabe mit einer hohen gesellschaftspolitischen Bedeutung. So sollte mit dem Projekt nicht nur der optische Missstand behoben, sondern in einer Neugestaltung das Kriegsgräberfeld als würdige Gedenkstätte und dauerhaftes Mahnmal aufgewertet werden.

Mit der Projektidee konnten im Ergebnis alle Betroffenen überzeugt und im zweiten Schritt die Finanzierung durch Förder- und Spendenmittel gesichert werden. Dass die Realisierung des Projektes darüber hinaus ein hohes ehrenamtliches Engagement der Eifelvereinsortsgruppe erforderte, war von vorneherein ein bekannter, aber auch gewollter Faktor. Der kleine Bautrupp des Gillenfelder Eifelvereins hat im Jahr 2021 - außer den Steinmetzarbeiten und der Bepflanzung — alles in Eigenleistung abgewickelt und am 30. September 2021 erfolgreich abgeschlossen.


Das Kriegsgräberfeld im Jahr 2020.


Die Gedenkstätte nach der Fertigstellung


Anlässlich der Feierlichkeiten zum Volkstrauertag am 14. November 2021 erfolgte die kirchliche Einsegnung des neu gestalteten Kriegsgräberfeldes unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Seit dem Frühjahr 2022 lädt eine Bank zum Verweilen ein und ein QR-Code am Gräberfeld vermittelt die Schicksale der in Gillenfeld bestatteten Kriegstoten, nimmt den steinernen Zeugen ihre Anonymität und verleiht ihnen Gesichter. Mit der Gedenkstätte ist unser alter Friedhof nicht nur ein Ort der Ruhe und Besinnung, sondern auch ein Ort des Mahnens und Erinnerns.

Bei der Planung des Projektes arbeiteten wir in dem Bewusstsein, dass wir seit mehr als 70 Jahren in Frieden und Freiheit leben – etwas, was unsere Vorfahren nie erfahren durften. Stand auch deshalb das „Mahnen und Erinnern“, damit es nie wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischenunseren Völkern kommen sollte, im Vordergrund unserer Initiative, so hat die Realität uns leider eingeholt. Tagtäglich konfrontieren uns Berichte und Bilder aus der Ukraine mit dem Tod und Verderben des russischen Angriffskrieges. Das hat unserem Projekt zu einer ungewollten Aktualität verholfen, die mit zu der Verleihung des „Wolf-von-Reis-Kulturpreises 2022“ des Eifelvereins am 30.04.2022 führte

Die Station des Erinnerns und Mahnens -mit einem ständigen Licht für alle Opfer von Krieg, Terror und Gewalt.