Ein unrühmlicher Vertreter des Dauner Adelsgeschlechtes?

Zur Rehabilitation des angeblichen Raubritters Wirich von Daun

von Alois Mayer, Daun


Erzbischof Kuno wird ermordet

Wer eilig mit seinem Auto entlang der Mosel fährt und dabei in einer großen Moselschleife den Ort Urzig streift, wird sie kaum sehen. Anders hingegen Wanderer oder Radfahrer, die an einem besonders steilen Felsen in Urzig eine mächtige Sonnenuhr im Moseltal entdecken. Unwidersprochen auch die Behauptung, sie sei die älteste Sonnenuhr Europas. Sie befindet sich an Resten eines Gemäuers, wahrscheinlich einem alten Wachtturm, der zu einer von den ehemals drei untergegangenen Burgen auf der Ürziger Gemarkung mit dem Namen Urcich oder Urcecha gehörte.

Eine Burg trug den Namen „zur Leyen". Mit ihr verbindet sich eine blutige und dramatische Geschichte — die der Ermordung des Trierer Erzbischofes Kuno von Pfullingen. Nach dem Tod seines Vorgängers Eberhard wollten die Trierer Bürger und Ministerialen der Stadt einen Nachfolger wählen. So wie es ihnen nach damaligem Recht zustand. Doch zu wählen gab es nichts mehr, denn Kaiser Heinrich IV. hatte, ohne die Trierer oder sonst jemanden zu fragen, den Dompropst von Köln, Kuno von Pfullingen, als Bischof von Trier bestimmt. Die Trierer waren erbost und beschlossen, ihm den Trierer Vogt, Graf Theoderich von Luxemburg, entgegenzuschicken. Der solle Kuno überreden, nicht nach Trier zu kommen.

Bei Bitburg trafen sie sich. Es kam zu handfesten Auseinandersetzungen. Kuno wurde überwältigt, gefesselt, nach Ürzig gebracht und in der Burg eingekerkert. Am 1. Juni 1066 wurde Bischof Kuno auf Urley geführt und den Fels hinab gestoßen. Doch er überlebte verletzt. Daraufhin wurde er enthauptet. Seinen Leichnam ließ man einfach im Gestrüpp liegen. Einen Monat später fanden ihn Bauern aus Lösnich, die ihn dann vor ihrer Dorfkirche beerdigten. Daran erinnert heute noch ein Denkmal am Wachtturm, dem kümmerlichen Rest der ehemaligen Burg. Im Jahre 1866 wurde anlässlich der 800-Jahr-Feier von den Ürzigern jenem unglücklichen und später heiliggesprochenen Bischof Kuno ein Denkmal gesetzt. In der Nische eines ausgehöhlten Felsens, mitten in der Sonnenuhr, brachten sie eine lebensgroße Holzfigur des ermordeten Erzbischofs an.


Raubnest des Dauner Wirich?

Links des mit der berühmten Sonnenuhr geschmückten Wachtturms stand eine weitere Burg. Ihr Name lautete „Burg Orley". Auch deren Geschichte ist mit unrühmlichen Geschehnissen verbunden. Und ausgerechnet diese soll ein Dauner Ritter verursacht haben, der sich dort eingenistet hatte und dem Adelsgeschlecht von Daun durch seinen schlechten Ruf Schande bereitete. So zumindest beschreiben es etliche Quellen und Berichte, die sich alle auf „Gesta Trevirorum bei Hontheim Prodromus 1785" beziehen, als auch im Internet *1. Friedrich Menk schildert in seinen „Des Moselthal's Sagen, Legenden und Geschichten, 1840" am bildreichsten: „Um das Jahr 1246 kam ein Raubritter aus dem Wormsgau, Wirich von Daun, nach Urzig. Er war von seinem Bischof, seiner zahllosen Räubereien und Schandtaten wegen, vertrieben worden und vermeinte sein schändliches Gewerbe an der Mosel auf das herrlichste wieder fortführen zu können. Zu dem Endzweck sammelte er seine Burgmannen und unternahm den Wiederaufbau der verfallenen Urley. Von jetzt an begannen seine Raubzüge wieder, die Schiffe auf der Mosel wurden überfallen, geplündert, versenkt. Die Reisenden getötet oder ihnen nach unmenschlicher Gefangenschaft ein Lösegeld abgepresst. Wohl mag mancher Unglückliche sein Leben hoffnungslos hinter jenen feuchten Mauern verjammert haben, allein die Stunde der Vergeltung schlug. Das Geschrei der Misshandelten drang bis nach Trier und Erzbischof Arnold II. überfiel das Nest, zerstörte den Bau wiederum und führte die Mannen in die Gefangenschaft."


Wirich Stammvater von Daun-Oberstein

Jener wüste Raubritter aus dem Wormsgau war Wirich von Daun. Doch nun müssen Fragen geklärt werden: Was hatte der Dauner in der Gegend um Worms zu suchen? Welche Beziehungen bestanden da zwischen der Eifel und dem Wormsgau *2?

Mehrere Genealogen behaupten, jener Wirich sei der Sohn von Heinrich von Daun gewesen. Diese Annahme ist zu bezweifeln. Einleuchtender und logischer sind die Ableitungen Schannats und Bärschs, als auch die von Spener *3, die die Abstammung Richards wie folgt belegen: der erste Richard von Daun (1137-1189), Ministeriale des Pfalzgrafen Wilhelm, hatte zwei Söhne: a) Jakob, Herr zu Daun (1179-1233), der auf der Dauner Burg wohnte, von dort aus sein Amt regierte und die Dauner Linie fortsetzte und b) Daniel, der jüngere Bruder. Er war — wie die meisten seiner Verwandten und Vorfahren ebenfalls Ministeriale des Pfalzgrafen, zog auf dessen Anordnung kreuz und quer durch die Lande in der Durchführung der pfalzgräflichen Aufträge. Ein Sohn von Daniel war Werner gewesen, der um 1175 lebte. Dieser Werner (verheiratet mit Elsa von der Leyen) *4 wiederum war der Vater von Wirich von Daun gewesen, jenem angeblichen Raubritter aus der Wormser Gegend.

Wirich von Daun, vermutlich um 1200 geboren und urkundlich bereits 1224 erwähnt, war — wie sein Vater — ebenfalls pfälzischer *5 Reichsministeriale und stand in Diensten des Pfalzgrafen. Er wurde ritterlich erzogen und war mit Sicherheit hoch angesehen, denn er gehörte von Jugend an viele Jahre lang zum unmittelbaren Gefolge des Kaisers Friedrich II. In drei kaiserlichen Urkunden aus den Jahren 1241 und 1242, ist er als Zeuge aufgeführt. Mit dem Kaiser und seinem Heer zog Friedrich kreuz und quer durch Deutschland und Europa bis hin nach Jerusalem. Später lernte er Guta (=Kunigunde von Wildenstein) von Stein, Tochter des Grafen Eberhard, Herr von Oberstein, und dessen Ehefrau Ponzetta kennen, die er um 1235 heiratete. Sie gebar ihm zwei Kinder: a) Wirich II. von Daun-Nannstein, den sein Onkel Richard von Daun, der Bischof von Worms war, 1251 in Trier als Domherr nominierte; b) Margarethe von Daun-Oberstein, die Ehegattin des Raugrafen Georg I. aus der Stolzenberger Linie. Als Guta von Oberstein um 1245 verstarb, heiratete Wirich von Daun erneut, und zwar seine Schwägerin Eva von Oberstein, die sich

nach Wirichs Tod als Frau von Nannstein bezeichnete. Diese Ehe blieb kinderlos. Durch diese Einheiraten gelangte die Hälfte der Herrschaft Oberstein an die Dauner, die sich künftig von Daun, Herren zu Oberstein nannten. Das Obersteiner Geschlecht teilte sich in die beiden Hauptlinien a) der „Herren von Oberstein", auf Burg Bosselstein und b) der später großen und bedeutenden Seitenlinie „Herren von Daun-Oberstein", auf dem neu erbauten Schloss Oberstein *6.


Die Sonnenuhr Urzig mit der Figur des ermordeten Bischofs Kuno


Mittelalterliche Lügenpresse'

Stammvater Wirich wurde zunehmend vermögend und mächtig. Er hatte Besitz, Lehen und Vogteien um Kaiserslautern, Worms und Speyer und im heutigen Saarland. Auch besaß er Anteile an der Burg Landstuhl und die Vogteirechte des Klosters Enkenbach als Reichslehen. Mit seinem Verwandten Konrad von Wartenberg besaß er auch die Burg Osthofen bei Alzey aus dem 12. Jahrhundert und die Vogtei als Gemeinschaftsbesitz.


Desweiteren

In späteren Jahrhunderten ist in der Literatur zu lesen, Wirich und Konrad von Wartenberg wären von ihrer Burg Osthofen dem Handwerk von Raubrittern nachgegangen. In (Mainz-)Kastel hätten sie sehr hohe Steuern und Zölle erpresst und die benachbarten Gebiete um Worms behelligt. Reisende, Händler und Geschäftsleute wären überfallen, ausgeplündert, verletzt, erpresst und bischöfliche Untertanen bedroht worden. Als diese Schandtaten und Räubereien trotz Ermahnung durch den Wormser Bischof Landulf nicht endeten, hätte dieser im Jahr 1241 die Burg Osthofen belagert, eingenommen und dem Erdboden gleichgemacht. Heute ist von ihr absolut nichts mehr zu sehen. Wirich und Konrad von Wartenberg seien aus dem Land vertrieben worden. Beide kündigten darauf dem Bischof eine Fehde an, die ihnen allerdings der König Konrad (= Sohn des Kaisers Friedrich) untersagte und Wirich mit sich nach Italien nahm. Wirich von Daun(-Oberstein) habe sich dann in Urzig im kurtrierischen Bereich niedergelassen und mit seinen Burgmannen die verfallenen Burg auf Urley wieder aufgebaut. Aber statt Reue und Vorsatz zu erwecken oder das Leben eines würdigen Ritters zu führen, gefiel sich jener Dauner Wirich in seiner Raubritterrolle. Ständig zog er von Urzig aus in die nähere und weitere Umgebung und überfiel Händler und Reisende. Über die Mosel wurde eine Kette gespannt und so die Schiffe angehalten. Plünderungen fanden statt. Wer sich allzusehr wehrte, dessen Schiff" wurde versenkt. Etliche Wohlhabende wurden gefangen genommen und von ihnen hohe Lösegelder erpresst. Die Beschwerden und Hilfegesuche häuften sich, wurden dem Trierer Erzbischof und Kurfürsten Arnold II. (von Isenburg, * um 1190; t 04.11.1259) vorgetragen. Diesem blieb nichts anderes übrig, als 1248 mit Waffengewalt nach Urzig zu ziehen, um dort dem räuberischen Unwesen des Dauners ein Ende zu bereiten. Die Burg Urley wurde belagert und letztlich erobert *7. Wirich von Daun konnte im letzten Moment entkommen. Seine Spießgesellen wurden verhaftet und in Gefangenschaft geführt. Die Burg Urley selber wurde gänzlich zerstört und nie wieder aufgebaut.


Wirich — ein treuer Gefolgsmann des Kaisers

Soweit die bis heute allüberall verbreitete Historie. Doch ist sie auch wahr? Oder sind sie im heutigen Sprachgebrauch „Fake News" *8, von denen — nicht nur — in der mittelalterlichen Geschichtsschreibung zu finden sind? Auch wenn zur damaligen Zeit das Raubritterunwesen keine Seltenheit war, so haben sich die Ereignisse um den Dauner Ritter Wirich anders abgespielt und hatten ganz andere Ursachen. Kaiser Friedrich II. entstammte dem Adelsgeschlecht der Staufer und war ab 1212 römisch-deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tod 1250 Kaiser des römischdeutschen Reiches. Mit dem Papst Gregor IX. hatte er große Meinungsverschiedenheiten, weswegen dieser ihn auch mehrmals exkommunizierte. Kurz nach Gregors Tod distanzierten sich im Herbst 1241 die Erzbischöfe Siegfried von Mainz, Arnold von Trier und der Kölner Konrad von Hochstaden vom Kaiser. Sie nutzten Friedrichs Exkommunikation zum Ausbau ihrer eigenen Territorien. Sie lehnten das Herrscherhaus der Staufer ab und befürworteten die Einsetzung eines Gegenkönigs. Diese Gegenbewegung verärgerte Kaiser Friedrich sehr, erst recht die des Mainzer Erzbischofs. Denn diesen, den er zum Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches bestimmt hatte und von dem er auch zum König gekrönt worden war, zählte er zu seinen engen Vertrauten. Nun musste sich Friedrich gegen den Mainzer wehren. Und das konnte er von (Mainz-)Kastel aus, das in staufischem Besitz war und auch dem Kaiser treu geblieben war. Wirich von Daun wurde 1243 beauftragt, das vom König Konrad eingenommene Kastel unter seinen Schutz zu nehmen, ein Beweis, dass der Kaiser dem Dauner als einem tapferen Mann mit unbedingter Zuverlässigkeit vertraute. Die Aussage, der Dauner Wirich habe sich in Kastel erpresserisch benommen, ist daher unwahrscheinlich, da er ansonsten von Kaiser Friedrich oder dessen Sohn, König Konrad, seines Amtes enthoben worden wäre. Vermutlich hatte er wohl Sonderzahlungen von Kastel und anderen Städten verlangt, um damit die Verteidigungsbereitschaft und -anlagen zu stärken.

Historische Quellen belegen, dass Kastel am 21. Dezember 1244 durch Verrat an den Mainzer Erzbischof verloren ging und zerstört wurde, also nicht im Kampf oder weil Wirich vom Wormser Bischof Landulf vertrieben worden wäre. Fakt ist jedoch, dass Bischof Landulf von Worms zusammen mit Bürgern der Stadt im Jahre 1241 nach Osthofen gezogen war, den Ort verwüstete und die Burg bis auf den Grund zerstörte. Angeblicher Grund: Die Osthofener hätten zuerst die Wormser behelligt und Zerstörungen angerichtet. Wirich von Daun und Konrad von Wartenberg als Vögte von Osthofen waren wütend. Es war mit deren Vergeltung zu rechnen. Daraufhin wandten sich kirchliche Würdenträger im Juni 1242 an König Konrad und Bischof Landulf mit der Bitte, die beiden von ihrem Vorhaben abzuhalten. Beiden gelang es auch, den Streit friedlich zu beenden. Wirich persönlich konnte von seiner Burg Osthofen überhaupt nicht dem „Handwerk von Raubrittern nachgegangen sein", wie die spätere Legendenbildung behauptet, da er sich weder in Kastel, noch in Osthofen oder im Raum Worms befand, sondern er hielt sich zu dieser Zeit (1241) beim Kaiser in Italien auf. *9


Wirich findet neue Arbeitgeber

Ende 1244 berief Papst Innozenz IV. für den 24. Juni 1245 ein Konzil nach Lyon ein, auf dem Kaiser Friedrich auf Betreiben des Papstes abgesetzt wurde. Da muss es auch für Wirich zum Bruch - zumindest zur Loslösung — mit dem Kaiser und seinem Sohn gekommen sein. Vermutlich war der Druck und der Zwang der Erzbischöfe von Köln, Mainz, Speyer und Trier bei ihren antistau-fischen Bestrebungen, einen Gegenkönig zu wählen, auf die kaisertreuen Fürsten und Ministerialen zu groß. Urkundlich wird Wirich am 8. Januar 1245 erwähnt. An diesem Tag schenkten er und seine Gattin Guda dem Kloster Enkenbach, das unter dem Schutz der Herren von Daun und Wartenberg stand, das Patronat über die Kapelle zu Freinsheim. Wirtschaftlich wird es dem Dauner nicht gut ergangen sein, hatte er doch die Burg Osthofen als auch die kaiserlichen Zuwendungen verloren. So verdingte er sich Juli 1245 als Vasall des Bischofs Jakob von Metz, dem er am 26.7. eigene Ländereien um Saarbrücken und bei Kaiserslautern verpachtete. *10 Das war auch die Zeit, in der er begann, sich in Urzig auf dem Berge Urley eine neue Burg zu erbauen, die ihm aber Erzbischof Arnold von Trier missgönnte und 1248 niederreißen ließ. Als Begründung verbreitete sich dann überall die Mär vom „schlechten Ruf Wirichs als einen aus dem Wormser Raum vertriebenen Raubritter". Dabei war Bischof Arnold selbst in Auseinandersetzungen gegen den Adel nicht kleinlich. Seine gewaltsamen Annektierungen wurden nahezu alle mit dem Kampf gegen den „räuberischen Adel des Stiftes" begründet. (1244: Krieg mit dem Grafen Heinrich von Luxemburg; 1247: Belagerung des Grafen Zorno in seiner Burg Thuron; 1253: Eberhard von Stein wegen Besitznahme von Kirchenländereien an der Lahn (Allgemeine deutsche Biographie I. Bd. 1875). Vermutlich wird sich Wirich nach seiner Vertreibung von Urzig mit seiner Familie in der Burg Nanstein (Nannenstein, Naninstein, Nannenstol, Nannstuhl) *11 niedergelassen oder einen Teil der Burg in Besitz gehabt haben, da sich später seine Witwe und auch sein Sohn „von Nannstein" nennen. Am 3. Oktober 1247 wurde als Gegenkönig zu Konrad der 19-jährige Graf Wilhelm von Holland gewählt. In dessen Dienste tritt nun Wirich von Daun, wo er am 25. Februar 1249 in dessen Lager zu Ingelheim anzutreffen ist. Königlicher Hofmarschall nennt er sich nun und begleitet fortan den König auf dessen Kriegszügen gegen Konrad. Er ist bei der Belagerung von Boppard zugegen als auch bei der Verfolgung von Konrads Anhängern. Wirich kann kein „Straßenräuber oder arger Raubritter" gewesen sein, denn selbst Papst Innozenz war ihm wohlgesonnen. Dieser hatte nämlich auf Wirichs Empfehlungsschreiben seinen Bruder Richard am 18.3.1249 zum Bischof von Worms ernannt. 12 Am 27. November 1250 war Wirich in Mons Zeuge, als der König eine Urkunde für die Abtei St. Ghislain ausstellte. Noch mehrmals tritt er urkundlich als Zeuge „miles Wi-ricus de Dune" auf (27.11.1252; 09.03.1253 und 31.01.1255 in Mainz und Speyer). Eine weitere Beurkundung findet sich am 20. August 1254, wo Wirich als Vogt des Klosters Enkenbach bei Worms einen Vergleich zwischen den Klöstern Enkenbach und Otterberg wegen des Waldes ,Waldmarke' schließt. Es folgen noch weitere Zeugenunterschriften von Wirich bis zum Jahr 1260. Und stets sind es Beurkundungen von kaiserlichen oder königlichen Dokumenten und Verträgen, sicherlich kein Zeichen, dass Wirich dereinst ein gefürchteter Raubgeselle gewesen war.


Hatte Wirich der Valwiger Kirche Güter „geklaut"?

Wirich muss im Jahre 1262 verstorben sein, denn am 12. Juli benachrichtigten seine Witwe Eva, Frau von Nannstein, und sein Enkel Wirich ihren „Vetter" (= Ehemann von Wirichs Schwester) Walter von Spiegelberg *12, dass ihr verstorbener Gemahl Wirich von Doune auf seinem Sterbebett die Güter in Valwey (= Valwig an der Mosel), die er der dortigen Kirche abgenommen hatte, dieser wieder zurückgegeben habe (Dün, 119). Ingebrand (oder Ingebrord) von Daun, Domherr zu Trier und Onkel von Wirich, hatte am 6.8.1228 dem Stift Münstermaifeld (monasteriensis in Meininvelt) *13 einen Hof, Weinrenten und andere Güter zu Valwig und an der Mosel vermacht. Dafür sollten die Geistlichen des Stiftes für seine Eltern jährlich eine Gedächtnismesse lesen. Wirich fand das unrechtens, handelte es sich seiner Meinung nach doch um Dauner Familienbesitz, den der Onkel nicht so ohne weiteres hätte hergeben dürfen. Deswegen machten Wirich und sein Schwager Walter von Spiegelberg diese Güter dem Stift Münstermaifeld streitig. Um nun auf dem Sterbebett sein Gewissen zu entlasten, gab er seinen einbehaltenen Teil zurück und bat Schwager Walter, es ihm gleichzutun.


Fazit

Wirich von Daun war weder ein ehrloser Geselle, noch ein berüchtigter und gefürch-teter Straßenräuber oder Raubritter. Das Gegenteil ist richtig. Wirich war ein tapferer und aufrechter Ritter, ein Ministeriale, der treu und verantwortungsbewusst mehreren Kaisern und Königen diente, beim Papst und deutschen Bischöfen hochangesehen war, der Intrigen, Verrat und persönliche Tiefschläge erleben musste, aber auch hohe Würdigungen erfuhr. Er hatte dem Geschlecht derer von Daun Ehre erwiesen und war der erste, der die Seitenlinie Daun-Oberstein begründete, die in kommenden Jahrhunderten ebenfalls mächtige und einflussreiche Ritter, Bischöfe und Politiker hervorbrachte. Das ist es wert, Wirich nach über 750 Jahren ins rechte Licht der Historie zu rücken.

Literatur:

• Dün Johann, Urkundenbuch der Familien von Dune (Daun), Köln 1909

• Schannat Johann Friedrich/Bärsch Georg, Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel, Band 3, 1856


Verweise

  1. benedict-loosen-erben.de/Sonnenuhr_Urzig/Bischofsmord_anno_1066/bischofsmord_anno_1066.html
  2. Der gräfliche Wormsgau grenzte an den Nahegau und erstreckte sich im Mittelalter um Worms und Mainz den Rhein entlang weit nach Norden bis kurz vor Koblenz.
  3. Philipp Jacob Spener, Theatrum Nobilitatis Europeae, 4 Bde, Frankfurt/M 1668-1678 [Spener (* 1635; + 1705), deutscher lutherischer Theologe und der bedeutendste Genealoge des 17. Jahrhunderts; Begründer der wissenschaftlichen Heraldik].
  4. Er lebte um 1200 auf der Dauner Burg. 1209 wurde er als Teilnehmer an einem Turnier in Worms urkundlich erwähnt.
  5. Die Dauner Herren hatten engere Beziehungen im Raum der heutigen Pfalz, wo sie etliche Verwandte und Besitztümer hatte.
  6. Beide Linien lagen über mehrere Generationen hinweg in ständiger und intensiver Familienfehde. Die Folge: es wurde ein „neues Schloss" oberhalb der Burg Bosselstein erbaut, das die Dauner Linie bezog.
  7. Dün, 89: ,castrum firmatum a Wirico de Dune prope montem Urcige, captivatis castrensibus'; Gesta Treverorum: 1248 wurde das Schloss captivatis castrensibus devastavit.
  8. = bewusst gestreute Falschmeldungen; Vortäuschen von angeblich tatsächlich Geschehenem
  9. Im März und im Mai 1241 befand sich Wirich de Dune während der Belagerung von Faenza im Lager des Kaisers Friedrich, wo er zwei Urkunden bezeugte; Dün,79, 80. 1242 befand er sich mit dem Kaiser in Köln; Dün 82,83;
  10. Dün,86
  11. Burg Nanstein bei Landstuhl in der Westpfalz, erbaut im 12. Jahrhundert, wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 durch französische Truppen zerstört. Bekannt wurde sie durch Ritter Franz von Sickingen, der 1523 bei der Belagerung und Beschießung der Burg den Tod fand. Heute eine gut erhaltene bewirtschaftete Burg mit weiten Blicken über Landstuhl und die nahe gelegene Airbase Ramstein.
  12. Burg Spiegelberg ist heute eine Wüstung bei Hördt im Landkreis Germersheim
  13. Dün,63