von Hans Vater, Gerolstein-Pelm
Was haben sie miteinander zu tun? Da gibt es die Stadt Gerolstein mit ihrer langen „Brunnentradition", die vielen Menschen Arbeit und Verdienst bietet. Andererseits zieht sie durch die „SignalWirkung" des Wassers Touristen in die Stadt und macht Gerolstein weltweit bekannt Das ist nicht erst heute so, sondern schon zur Römerzeit ließen sich reiche Bürger, Handwerker und Soldaten des römischen Staates hier und in der Umgebung nieder. Davon zeugen u. a. die archäologischen Überreste der „Villa Sarabodis", und die Mineralwasserquelle „Sidinger Drees" verehrten die Römer als Heiligtum. In den Städten des römischen Reiches gab es einen zentralen öffentlichen Platz, an dem sich die Menschen begegneten, sich über Neuigkeiten informierten, sich über gesellschaftlich-politische Themen austauschten, Handel betrieben, Pläne schmiedeten: DAS FORUM. Den Traditionen ihrer Heimat folgend treffen sich Geflüchtete in ihrer neuen Heimat Gerolstein auch zu einem Austausch auf einem öffentlichen Platz, dem „Brunnenplatz". Und so bietet unser Verein den in der Eifel lebenden Menschen ein FORUM zum interkulturellen Dialog: also allen Einheimischen, Zugewanderten, Geflüchteten und Migranten.
10-jähriges Jubiläum des „Forum Eine Welt“.
Wir gründeten den Verein im Jahre 2003 und gaben ihm daher den Namen „FORUM EINE WELT". Er ging hervor aus dem Arbeitskreis gegen „Rechte Gewalt". Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit war und bleibt die Integration der Geflüchteten, um ihnen Perspektiven, Akzeptanz, gesellschaftliche Teilhabe und Wertschätzung zu ermöglichen. Wenn weltweit über 100 Millionen Menschen auf der Flucht sind und wegen Hunger, Krieg, Vertreibung und Verfolgung einen Platz für ihr Leben in Sicherheit und Schutz suchen, dann ist das eine wichtige Aufgabe.
Fest der Nationen
Die überwiegende Zahl der Menschen flüchtet in Nachbarländer, während nur eine relativ niedrige Anzahl der Flüchtlinge in der Eifel lebt. Von den aktuell 60 491 Einwohnern des Vulkaneifelkrei-ses sind es 4 895 Menschen mit Migrationshintergrund aus 70 Nationen.
Wir ermöglichen den Dialog zwischen Menschen der verschiedenen Kulturen in unserer Region. Das fördert Kenntnisse und Verständnis für die jeweilige Lebensart und Kultur. Und wir treten ein für ein solidarisches, gewaltfreies und respektvolles Miteinander. Wir können dadurch nur gewinnen, unser eigenes Leben erfährt Bereicherung. Daher sehen wir diese Vielfalt als Stärke unserer Gesellschaft an, als innovativen Weg, der unsere Region weltoffen macht und weiterbringt. Die gemeinsame Zukunftsgestaltung gelingt in Foren wie bei spezifischen Nationalfestivitäten, musikalischen Veranstaltungen, Filmen, Lesungen, Vorträgen zu „Eine Welt"-Themen und -Diskussionen. Weitere Infos: http://forumlwelt.eu
Roma-Musik in Daun.
Stolpersteinverlegung in Gerolstein 2011.
Um Geflüchteten das Ankommen in ihrem neuen Lebensumfeld zu erleichtern, gründeten wir gemeinsam mit der Stadt und der Verbandsgemeinde Gerolstein, der katholischen Pfarrei und evangelischen Kirchengemeinde sowie dem Caritasverband Westeifel das „Cafe Grenzenlos", eine Begegnungsstätte mit Einheimischen in der sie konkrete Unterstützung und Austausch finden können. Die „Interkulturelle Woche" incl. des „Tags des Flüchtlings" wird vernetzt und mit verschiedenen Organisationen der Region durchgeführt.
Um Gegenwart und Zukunft kritisch gestalten zu können, müssen wir uns mit der deutschen Vergangenheit und der Geschichte auseinandersetzen. Wir legen stetig Wert darauf, an die Gräuel der NS-Zeit zu erinnern und auf Diskriminierung, den alltäglichen Rassismus und Antisemitismus aufmerksam zu machen. Fast jeder zweite Deutsche hat Rassismus schon zur Kenntnis nehmen müssen. Um die lokale Geschichte aufzuarbeiten, veröffentlichten wir mit dem Gerolsteiner Stadtchronisten Karl-Heinz Böffgen (t) und der Stadt Gerolstein das Buch „Gegen das Vergessen — Das Schicksal der Gerolsteiner Juden" (3. ergänzte und korrigierte Auflage 2018).