von Brigitta Westhäusler, Hillesheim
Das diesjährige Schwerpunktthema wird gewiss viele Schreiberinnen und Schreiber gefunden haben, die interessante oder lustige Beiträge zu dem Thema liefern können. Um es gleich vorweg zu sagen - ich beherrsche kein Platt. In Trier aufgewachsen, färbte schon mal das eine oder andere Wort ab, zumal meine Großmutter noch Trierer Platt konnte, aber es war zu der Zeit schon verpönt, Dialekt zu sprechen. Das galt als unfein und ungebildet.
Natürlich rutscht einem schon mal ein ,dat' oder ,det' für ,das' oder ,net' für ,nicht' heraus, aber das ist ja eigentlich kein Dialekt. Und ich erinnere mich noch, wie entsetzt mein Mann war, als ich ,Geranien' statt mit hartem ,g' am Anfang mit dem weichen französischen ,dsch' aussprach. In Trier mit seiner Nähe zu Luxemburg und Frankreich ganz selbstverständlich.
Aber gerade hier in unserer Gegend gibt es vielfältige Bemühungen, das Platt als wichtiges Kulturgut aufrecht zu erhalten. Ich erinnere zum Beispiel an den jährlichen Mundartwettbewerb der sechsten Klassen in unseren Schulen, bei dem eine Fabel ins Platt übertragen werden sollte. Je nach Dorf variieren einzelne Begriffe. Aber es ist toll, dass es immer noch Kinder gibt, die stolz darauf sind, die „alte"Sprache zu beherrschen und weiterzugeben.
Viel Dank gebührt Frau Wilma Herzog aus Gerolstein, die wahrlich ihr ganzes Herzblut für den Fortbestand der Sprache ihrer Heimat gegeben hat.
Mit großer Spannung und Freude erwarte ich auch immer die Kolumne von Fritz-Peter Linden jeden Samstag im Trierischen Volksfreund. Mit großem Humor schildert er kleine Begebenheiten oder kommentiert auch schon mal die Eseleien der „Großen", aber immer mit der Gelassenheit eines echten Eifelers in seiner „Muttersprache".
Beeindruckt hat mich auch die Geschichte des Händlertums von Neroth. Besucht man das Museum, wird einem ein Film vorgeführt, in dem eine Händlerszene dargestellt wird. Man sprach einen besonderen Dialekt, eine Mischung, unter anderem auch aus Rotwelsch, der Gaunersprache. Aber was für eine Geschichte! Was diese Leute auf sich genommen haben, wie weit sie in der Welt herumgekommen waren und trotzdem immer wieder in ihre Heimat zurückgefunden haben! Es fällt auf, dass in letzter Zeit mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass Dialekte im Verschwinden sind.
Stattdessen nimmt die „Anglifizierung" weiter zu und Bedenken werden laut, dass einzelne Sprachen sogar ganz verschwinden könnten. Kaum ein Produkt, das nicht mit englischen Begriffen beworben wird. Kämen meine Großeltern heute in einen Supermarkt, sie würden sich fragen, wo sie gelandet sind.
Andererseits kann man nicht so ohne weiteres einfach das Platt nachahmen. Bei einer Schulentlassung wollte ich zwei, drei kleine Sätze auf Platt sagen und hatte diese mit unserer Sekretärin geübt.
Wie beschämt war ich, als ich im Anschluss von einem der Würdenträger gefragt wurde, was ich da gesprochen habe. Er habe es nicht verstanden.
Es ist eben doch was anderes, wenn man in einen Dialekt hinein geboren wird! Erfreulicherweise gibt es viele neue Ansätze darauf hinzuweisen, welch hohes Kulturgut die Dialekte darstellen, kann man an ihnen doch entscheidende Entwicklungsstufen erkennen.
Zum Anfang des Jahres 2023 brachte der Trierische Volksfreund am 4. Januar einen langen Artikel über die Metal-Band ,Der Atomat', zwei gebürtige Eifeler aus Feuerscheid und Stadtkyll, die einen Titel herausbrachten mit Namen „Eefel Deysternis". Zitat: „Da hatten welche, das wird schnell deutlich, richtig Spaß dabei, einander mit Gruselvisionen aus dem vielzitierten ländlichen Raum' zu überbieten." Der Song ist „eine Liebeserklärung an die dunkle Schönheit ihrer Heimat". Aber das war nur auch in Dialekt möglich! Nur einen Tag früher, am 3. Januar 2023, berichtet die Zeitung vom frisch gewähl-ten-alten Oberbürgermeister, der einem Gemeinschaftsprojekt der Stadt und dem Verein Trierisch eine Spende zukommen lässt. Seit Schuljahrs Beginn gibt es an insgesamt sechs Trierer Grundschulen freiwillige MundartArbeitsgemeinschaften. Es geht nicht nur um Platt, sondern auch um die Stadtgeschichte. Ein Beispiel, das vielerorts Nachahmer finden könnte.
Tradition und Heimat sind ohne Mundart nicht denkbar.
Für Sprachwissenschaftler sind natürlich die Entwicklung der einzelnen Begriffe wichtig und vor allem auch die Aussprache, die Lautmalerei. Das ist das Schwierige, wenn man versucht, einen Dialekt nachzuahmen, vergleichbar mit dem Fremdsprachen-Lernen. Ein Beispiel aus Frankreich. Mein Mann und ich lieben dieses Land und wir halten uns öfter da auf. Im Süden vernachlässigt man gerne die Nasale. Wir wollten eine Weinkellerei besuchen und wussten nicht die Öffnungszeiten. Mein Mann fragte zuerst in Pariser Französisch: „Vous avez ouvert lendemain matin?" Man verstand ihn nicht!!! Erst als er fragte: „Vous avez ouvert <lendemeng mateng>?" gab man bereitwilligst Auskunft.
Alle, die sich mit dem Kulturgut Sprache beschäftigen und damit gegen ein Vergessen kämpfen, sind nicht hoch genug zu loben.