von Tamara Retterath, Lirstal
Manchmal kommt es beim Übersetzen von einer Sprache und natürlich auch von einem Dialektausdruck zu Übersetzungsfehlern. Das passiert besonders leicht bei „false friends" (falschen Freunden), wobei sich zwei Wörter aus verschiedenen Sprachen so sehr ähneln, dass man glaubt, das Wort in der einen Sprache würde das ähnlich lautende in der anderen Sprache bedeuten, was aber oft nicht der Fall ist.
So geschah es auch bei Gerhard, der ein Wort aus dem Eifeler Dialekt falsch ins Hochdeutsche übersetzte und somit für ein Missverständnis sorgte.
Im 10. Schuljahr machten wir von unserer Eifel-Schule aus eine Klassenfahrt nach Bayern. Am Sonntag früh ging unsere Klasse geschlossen in die Heilige Messe nach Mittenwald. Im Inneren der barocken Kirche angekommen, sie war unten schon ziemlich voll besetzt, fragte Gerhard seine Schulkameraden: „Sollen wir uns auf den Aufstand machen?" Mit „Aufstand" hatte Gerhard das Eifeler Dialektwort „Oppstand" Wortbestandteil für wortbestandteilsgetreu („Opp-" für „Auf-" und „-stand" für „-stand") und somit falsch übersetzt. Er hätte eigentlich „Empore" sagen müssen, weil er gerne die Messe von der Empore aus verfolgt hätte.
Unser Lehrer, der gebürtig aus dem Huns-rück stammte, kannte den Eifeler Dialektausdruck „Oppstand" aber nicht und ahnte nichts von einem Übersetzungsfehler. Er dachte, der ansonsten nicht ganz so unschuldige Gerhard wolle ernsthaft einen Aufstand in der katholischen Heiligen Messe planen und seine Mitschüler hierzu auffordern.
Gereizt reagierte unser Lehrer und fuhr Gerhard strikt an: „Also Gerhard, das ist ja wohl das Letzte. Du weißt nicht, wie man sich in einer Kirche benimmt. Überhaupt kein Respekt!", regte er sich auf, „Jetzt benimm dich mal! Einen Aufstand in der Kirche veranstalten ..." Der Lehrer schüttelte verständnislos den Kopf. Jetzt konnte er seine Schüler nicht einmal in eine Kirche mitnehmen. Wie sollte er sie ins Leben entlassen? „Äh", stotterte Gerhard, „ich meine doch: auf den Aufstand. Oppstand halt! Hach, wie heißt das jetzt noch?", er grübelte fieberhaft, aber ihm fiel das richtige hochdeutsche Wort „Empore" nicht ein. Stattdessen grinste er verlegen, was unseren Lehrer nur noch aufgebrachter machte:
„Schluss jetzt. Setzt euch alle hin, wo Platz ist. Und benehmt euch!"
In dieser Pfarrkirche entstand das Missverständnis.