von Tamara Retterath, Lirstal
Das Eifeler Platt war meine erste Fremdsprache. Meine Muttersprache war das Hochdeutsche, das meine Mutter uns Kindern vorausschauend beibrachte, damit wir keine Probleme in der Schule haben sollten. Den Dialekt der Eifel erlernten wir so nebenbei automatisch, da unsere Eltern untereinander Platt sprachen und unsere Großeltern, die bei ins im Haus lebten, auch mit uns in der Eifeler Mundart kommunizierten. Während meines Studiums in Köln kam ich in Kontakt mit einem anderen Dialekt, dem Kölsch, und weil viele Kommilitonen aus Bonn stammten, mit dem Bönnsch. Einmal bat ich einen Studienkameraden „mir einen Film auf Video aufzuholen". Da fragte er mich, ob ich aus der Gegend von Daun stamme, da er dort seinen Wehrdienst geleistet hatte und die Leute dort auch so sprachen. Ich wusste zunächst nicht, was ich so verräterisch falsch gesprochen hatte, da ich auf Hochdeutsch mit ihm geredet hatte. Er klärte mich auf, dass alle Eifeler etwas „holen", wenn Menschen anderer Regionen etwas „nehmen". „Hol' dir noch etwas!", so bietet der Eifeler Gastgeber seinem Gast Eifeler Köstlichkeiten an, statt: „Nimm dir noch etwas!" zu sagen. Korrekt heißt es natürlich einen Film „aufnehmen" und nicht „aufholen". Da musste ich ihm Recht geben, das war mir gar nicht so bewusst gewesen.
Ein anderes Mal wollte jemand wissen, warum ich eine Frage mit „gell?" beendete. Beispielweise „Es ist heute heiß, gell?" Mir war zwar klar, dass man im Hochdeutschen „nicht wahr?" hinten anstellte, das wäre mir aber unter meinesgleichen zu vornehm erschienen. Ein anderer, der das Gespräch mitangehört hatte, meinte dazu: „Lass sie doch so reden. Das klingt doch süß!" Ich fragte dann, was sie selbst stattdessen sagen würden, und sie erklärten, sie stellten „nee?" hintenan. „Es ist heiß heute, nee?"
Eifeler Platt bedeutet für mich ein Stück Heimatgefühl. Wenn ich früher am Wochenende von Bonn oder Köln mit dem Zug nachhause fuhr, fühlte ich mich schon ein bisschen zuhause, wenn ich nach der Zugfahrt entlang des Rheins in die Eifelbahn umgestiegen war und hier von den Mitreisenden den Eifeler Dialekt hörte.
Einmal benutzte ich die Eifeler Mundart sogar als Geheimsprache. Ich war zu einem Arbeitspraktikum in Helsinki bei einer finnischen Gastfamilie untergebracht. Meine beiden Gasteltern sprachen sehr gut Deutsch. Die Gastmutter hatte auch schon ein Jahr in Frankfurt am Main gelebt und gearbeitet. Als ich am ersten Abend zuhause in Deutschland anrufen wollte, merkte ich, dass beide Gasteltern aufmerksam lauschten, was ich wohl sagen würde. Die finnische Stadtwohnung verfügte nur über einen Raum für Küche, Wohnzimmer und Flur zusammen, so dass die ganze Familie bei dem Telefongespräch (damals noch) am Festnetz mithörte. Sie waren sehr gespannt und leise. Ich hatte zwar nur Positives zu berichten, war gut angekommen und die Gastfamilie war sehr nett und alles war in Ordnung, doch passte mir das nicht, dass mitgehört wurde. Also sprach ich mit meinen Eltern im breitesten Eifeler Platt und erzählte ihnen das Erlebte. Nach dem Telefongespräch nach Deutschland erwähnte die etwas neugierige Gastmutter gleich, sie habe von dem Gesprochenen am Fernsprecher nichts verstanden, ich habe wohl Dialekt gesprochen, da habe sie leider keine Chance. Zum Abschluss meines Beitrags stelle ich hier noch einige interessante oder kuriose Eifeler Wörter vor:
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Eitler Dialekt |
Hochdeutsch |
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Grönschele |
Stachelbeeren |
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Schrompere |
Kartoffeln, von „Grundbirne" |
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schraasschrön |
grasgrün |
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Bosch |
Wald |
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Botzetäsch |
Hosentasche |
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Sackdooch |
Taschentuch |
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Brämeleschmier |
Brombeergelee |
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treusch |
trocken |
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Eierschöpp |
Löwenzahn |
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Freck |
Erkältung, Grippe |
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Früscht |
Getreide |
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Hillich |
Polterabend |
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Hoaljäns |
Kraniche, von „Heulgänse" |
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Komeede |
heftige Diskussion |
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Juppe |
Jacke |
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Kaul |
Grube |
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Kandel |
Dachrinne |
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Säukomp |
Schweinetrog |
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laustern |
lauschen |
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Bur |
Brunnen |
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Rummele |
Zuckerrüben |
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Kröbbelche |
Reibekuchen |
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Döppekooche |
Topfkuchen |
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Floss |
Straßenrinne |
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Punzele |
Tannen- oder Kiefernzapfen |
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Schloat |
Salat |
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Mausuhr |
Feldsalat, nach der Blattform „Mausohr" |
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vürwitzisch |
neugierig |
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Saure Kappes |
Sauerkraut |
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Ruude Kappes |
Rotkohl |
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Steckere |
Stab, Stock |
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Spautzkeerze |
Wunderkerzen |
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Schrompereschloat |
Kartoffelsalat |
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Stückeltja |
Erzählungen |
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Brassel |
Schwierigkeiten |
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achele |
Essen in sich reinschaufeln |
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Et faust. |
Es stürmt. |