Eifeler Platt -besonders in jeder Hinsicht

von Margret Heinzen, Feusdorf


Die Tage stolperte ich in der Zeitung über einen Artikel zum Thema Dialekte in der Eifel. Je höher der Berg desto tiefer das Platt' stand groß als Überschrift zu lesen und ich dachte erst einmal „.. .Häääh?...", aber mein Interesse war geweckt und ich las weiter. Ein schlauer Dr. Dr. Sowieso hatte ein Buch herausgebracht, in dem er sich mit der Ausbreitung der Dialekte in Deutschland befasste. Wissenschaftler haben die sprachliche Abweichung vom Hochdeutschen ins Dialekt untersucht und herausgefunden, je weiter westlich im Land, desto ausgeprägter der Dialekt, also überspitzt gesagt, je höher der Berg desto tiefer das Platt. Fachbegriffe wie ripuarisch im Norden und moselfränkisch im Süden fielen in dem Artikel. Von G/J- und eppes/jet-Sprachgrenze war die Rede. Stimmt, während nördlich jet joot jitt, gitt weiter südlich eppes goot.

„Holen" und „nehmen" ist auch so eine Besonderheit unserer Ecke - wer in der Eifel Dialekt spricht, streicht ganz frech das Verb „nehmen" aus seinem Wortschatz. Man holt hier etwas mit, während man im Rest der Republik etwas mitnimmt. Dabei interessiert es den Eifeler auch nicht, dass der Holende im Gegensatz zum Nehmenden zusätzlich zu seinen Händen meist auch die Beine bewegen muss. Na, das wird uns wohl hoffentlich niemand übel holen!

Alles in allem war dieser Zeitungsartikel eine spannende und kurzweilige Zusammenfassung dessen, was sich sprachlich so direkt vor unserer Haustür abspielt. Wissenschaftlich untersucht und festgezurrt, was ich einfach mit wunderbares Eifler Platt' zusammenfassen würde... Passend dazu folgende Begebenheit:

Ich war vor ein paar Jahren mal in der Nähe von Trier, wo mir das Vergnügen zu Teil wurde, mich auf Platt zu unterhalten. Irgendwann im Verlaufe des Gesprächs wurde ich gefragt, ob ich aus Köln käme: ,mer hiert et an der Sprooch' (man hört es an der Sprache). Ich verneinte die Frage und erklärte, dass ich aus der Gegend von Gerolstein komme, und scherzte, dass die Kölner sich den Dialekt von uns ab-gekupfert hätten.

Nur wenige Wochen später hatten wir Besuch von lieben Freunden, die sich bei uns im Dorf einen alten Bauernhof gekauft haben und mit Hund, Pferd und Katze in die Eifel gezogen sind. Er, ein gebürtiger Kölner und der kölschen Sprache entsprechend mächtig, seine Frau aus Lüneburg, perfektes Hochdeutsch sprechend. Untereinander reden wir Hochdeutsch, ohne dass das jemals groß so ausgemacht worden wäre. Nun, wir saßen also beim Feierabendbier zusammen, als es bei uns an der Haustür klingelte:

„Ich woar jeraad in der Jäjend un wollt froore, ob ich de nähs Wuch dat Finster eboue ku könnt?" (Ich war gerade in der Gegend und wollte fragen, ob ich nächste Woche das Fenster einbauen kommen kann). „Wann könnste dann kunn?" (Wann könntest du denn kommen?) „Friedisch vürmittisch" (Freitagvormittag) „Is en de Reijh" (Ok, passt) Sprachs und der Termin fürs Fenstereinbauen war gesetzt und unser Handwerker zog von dannen. Unser Besuch war währenddessen merkwürdig still geworden, wie uns im Nachhinein auffiel. Als die Haustür wieder geschlossen und wir erneut in gemütlicher Runde saßen, fragte unser Kölner Urgestein ungläubig: „Was ist denn da rausgekommen??" Er hatte nicht viel von unserer kurzen Unterhaltung verstanden, seine Frau noch weniger. Mein Mann und ich blickten uns verdutzt an und fragten: „Was denn?" — „Na, dass da gerade eben, aus eurem Mund!"

Jetzt hatten wir es begriffen, er meinte unseren Dialekt und wir mussten erstmal herzhaft lachen. „Tja", sagte ich, bei der Sendung mit der Maus würde es jetzt nicht heißen: „Das war serbokratisch", sondern: „Das war Eifeler Platt!"

Womit dann wohl auch die These des Mitbürgers aus der Trierer Gegend widerlegt wäre, der einst meinte, dass Kölsch und Eifeler Platt das Gleiche seien... Unser hiesiger Dialekt passt weder in die Kölner noch in die Trierer Schublade, unser Eifeler Platt ist einfach liebenswert und einzigartig!