Auf Steininger Kirmes

von Roland Thelen, Mehren


Der Mehrener Pastor Hubert Marondel bei der Pferdesegnung 1975


Ein Ostermontag in den 1960er Jahren -Hey's Addi (= Hausnamen von Adolf Schüller *1923 +1994) betreibt auf seinem Hof in der Mehrener Dorfmitte neben der Landwirtschaft auch einen Viehhandel. Dazu hat er einen DKW-Viehtransporter angeschafft, der auch für alle möglichen anderweitigen Fahrten und Besorgungen genutzt wird. So auch an diesem Vormittag, als er sich mit Ehefrau Gisela, den beiden Töchtern Ute und Brigitte und seinem Bruder Richard in diesem Fahrzeug auf den Weg zur Steininger Kirmes macht.

Beim Einbiegen aus der Hofzufahrt in die Dorfstraße tritt aus der Nachbarschaft Zej-menz Pitter (Peter Zeimenz *1894 +1975) auf die Straße:

„Woa maacht Ihr hin?" (Wo fahrt Ihr hin?) „Op Stäniger Kirmes!" (Auf Steininger Kirmes!) „Oh, ich wollte zu meiner Verwandtschaft nach Steineberg. Nehmt Ihr mich mit nach Steiningen? Zu Fuß ist es von dort aus der kürzere Weg nach Steineberg." (Oau, esch wollt' bej mejn Verwandten na Stemerisch. Holt Ihr mesch mot na Stänik? Ze Foos os et von doa de kürzere Wääsch na Stemerisch.)

„Daan moos'de awwer hunne run — hej via os keen' Plaatz mie." (Dann musst Du aber hinten hinein (in den Laderaum) — hier vorne ist kein Platz mehr frei.) Gesagt — getan.


Das Gasthaus Kutscheid, später Gasthaus Schüller, gehörte den aus Mehren stammenden Eheleuten Hugo Schüller (Hey's Hugo) und Hedwig, geb. Bley (Further Hedwig), ehe es im Jahr 2007 von der Ortsgemeinde Steiningen erworben und danach zum Bürgerhaus umgebaut wurde.


„Haal desch joot fast!" (Halte dich gut fest!) ermahnt Addi seinen zusätzlichen Fahrgast, als dieser in den Laderaum des kleinen Viehtransporters steigt. „Leewa' schlecht jefohar, wie joot jange!" (Lieber schlecht gefahren, als gut gegangen!) erwidert Pitter, als sich die Heckklappe hinter ihm schließt und verriegelt wird.

Nach wenigen Minuten ist das Nachbardorf Steiningen erreicht. Gerade ist das feierliche Festhochamt zu Ende und die Gottesdienstbesucher quellen aus der Kapelle auf die Straße, wo bereits eine große Zahl an Pferden aufgereiht steht und den traditionellen Segen von Pastor Hubert Marondel erwartet. Höchste Zeit zum Gasthaus Kutscheid zu kommen, um in der dortigen Wirtsstube noch einen passablen Platz zu ergattern.

Doch der Weg dorthin ist „verstopft"! Kurzerhand wird der DKW in einem Hof abgestellt — nun aber rasch zum Wirtshaus in der Straße nach Meiserich. ... urplötzlich beim Mittagessen mit der Familie im Wirtshaus überkommt Hey's Addi ein heißer Schauer — sein vormittäglicher Fahrgast ist ihm in den Sinn gekommen.

„Hosst’e mesch vajääß‘?" (Hast‘ Du mich vergessen? )fragt Zejmenz Pitter kurz und trocken, als er nach vielen Stunden aus dem unwirtlichen Laderaum des Viehtransporters „befreit" wird