Heimatklänge

von Margret Heinzen, Feusdorf


Das schöne hier an unserem Eifler Dorfleben ist, dass man seine Nachbarn noch kennt. Sobald man draußen etwas arbeitet, dauert es meist nicht lange, bis jemand kurz für ein „Verzällchen" anhält. So geschehen als zwei Nachbarinnen sich beim samstaglichen Kehren des Bürgerssteiges unterhalten. Nach dem üblichen einleitenden Geplänkel über das Wetter nahm das Gespräch mit der obligatorischen Frage „Un, wat jitt et Neues?" (Und, was gibt es Neues?) seinen weiteren Verlauf:

„Oose moos beij de Bund." (Unser Sohn muss zum Wehrdienst) Bei dieser Aussage muss die Mutter des künftigen Vaterland-Verteidigers wohl recht düürlich (betrübt) geguckt haben, denn die andere erwiderte in tröstlichem Ton: „Oh joo, en wiert at net noh Buxtehude mooßen!" (Ach komm, er wird schon nicht nach Buxtehude müssen). Buxtehude ist für die meisten alteingesessenen Eifeler einfach nur ganz ganz weit weg und hat für sie ein bisschen den Charme eines Strafgefangenenlagers. Ganz ähnlich der geografischen Bezeichnung: ,da wo der Pfeffer wächst'. „Unn jenau doh hin!!" (Und genau da hin!!) „Ouh..." war dementsprechend die erste betretene Reaktion, gefolgt von einem mitfühlenden „Unn wann mooß en daar?" (Und wann muss er hin?) „Monisch aacht daach." (Montag in einer Woche) „Ah joh, dat is jo alt jäng. Unn wie lang mooß en bliewe?" (Ah ja, das ist ja schon bald... und wie lange muss er bleiben?) „Dreij Moont, donoh kütt e noh Dung." (Drei Monate, danach kommt er nach Daun) „Aah, Du wiers seehn, die joohn flotter römm, als ma meent." (Ach, Du wirst sehen, die gehen schneller rum als man denkt)

Besagter Montag brach an und der Sohn der Einen brach auf, seinen Grundwehrdienst im fernen Buxtehude anzutreten. Fern der Heimat, umringt von „Fischköppen", die in hochdeutschestem Hochdeutsch vom ,spitzen Stein', anstatt wie Eifeler Ohren sonst gewöhnt, vom ,schpitzen Schtein' reden, vergingen die ersten Tage. Zu allem Überfluss musste er das erste Wochenende auch noch in der Kaserne bleiben und durfte nicht nach Hause zu seinen Kumpels. Entsprechend bedröppelt ging er über den Kasernenflur. Eigentlich ohne Ziel, nur um die Zeit tot zu schlagen, als er plötzlich hinter einer Tür Eifeler Platt vernahm. Er riss die Tür auf und platzte in die Runde: „Wän es heij üs der Eefel??" (Wer von euch ist aus der Eifel?) Tja, was soll ich sagen? Alle im Raum kamen aus der Eifel! Entsprechend schnell war das Eis gebrochen, man kam ins Gespräch, vam Hunnerdst int Dousendst (vom Hundertsten ins Tausendste) und natürlich alles in Eifeler Platt. Mit einem Mal war das Heimweh nicht mehr so arg und die drei Monate auch gar nicht mehr so lang. Ein Hoch auf die heimischen Eifelklänge!