Gedanken zur „Efler Sprooch"

von Ernst Krämer, Gerolstein


Eine tolle Idee, „Eifler Sprache, so wie sie sich entwickelt hat und welche Rolle sie heute noch spielt", als Schwerpunktthema für das neue HJB 2024 auszuwählen. Das Thema sorgte anlässlich der Vorstellung des Heimatjahrbuches 2023 unter den Gästen und Hobbyautoren für eine rege Diskussion. Allein die Definition der Eifler Sprachvarianten in Dialekt, Platt und Mundart warf viele Fragen auf: „Ist Platt gleich Dialekt, gleich Mundart oder sind es jeweils unterschiedliche Spracharten?" Aber wie bei einer Diskussion mit mehr als zwei Personen üblich - die einen meinten so, die anderen so.

Auf der Heimfahrt ging mir die Diskussion mit den verschiedensten Meinungen und Kommentaren zu diesem interessanten Thema nicht mehr aus dem Kopf. Zu Hause angekommen, führte mich mein Weg direkt zum Laptop, um von den Allwissenden des Internet, wie Google, Facebook, YouTube und wie sie alle heißen, eine Antwort zu erfahren. Doch weder die studierten noch die selbsternannten Sprachexperten konnten mir eine befriedigende Antwort geben. Meinung hin, Meinung her, meine Gedanken führten mich dahin, dass es Unterschiede in Sprach- und Schreibweise zwischen Dialekt und Platt gibt. Die Mundart, die auch immer wieder gern genannt wird, sehe ich als Sammelbegriff für Dialekt und Platt.


Blick op de Jirrelsteener Dolomiten von dr Löwenbursch uss.


Fakt ist, dass die Bewohner der Eifel in vielfältiger Art und Weise miteinander kommunizieren und sprechen. Böse Zungen behaupten sogar, dass man sich in der Eifel stellenweise noch mit Rauchzeichen verständigen würde. (Hierbei handelt es sich zweifellos um „Fake News", die auf den schlechten Handyempfang in verschiedenen Landstrichen der Eifel zurückzuführen ist.) Letztendlich ist es aber auch egal, ob in Dialekt, Platt oder Mundart gesprochen wird oder ob „Rauchzeichen" gegeben werden. Der Eifler und die Eiflerin sprechen eh so, wie ihnen „de Schnüss" gewachsen ist beziehungsweise so, wie sie es seit ihrer frühesten Kindheit in ihrem Umfeld gehört und aufgenommen haben. Und in einer Sache bin ich mir so gut wie sicher, dass das kein Hochdeutsch war, was ihnen da zu Ohren kam und kommt. Denn reines Hochdeutsch wurde und wird von den Eiflern im Alltagsleben so gut wie nicht gesprochen. Irgendein Akzent ist immer herauszuhören. Bei uns in der Vulkaneifel hat dieser Akzent einen leichten rheinländischen Einschlag.

Und nun komme ich zum Kernpunkt meiner Gedanken und Überlegungen. Neben dem Eifler Platt, das auch heute noch in den Dörfern zahlreich gesprochen wird, gibt es in den Mittelzentren immer mehr Menschen, die das Platt nicht mehr beherrschen. Besonders stark fällt das in Gerolstein auf, dort wird so gut wie kein Platt mehr gesprochen. Das Platt als Alltagssprache hat in Gerolstein keine Bedeutung mehr. An seine Stelle ist eine Sprachart getreten die, obwohl in aller Munde, in „Eifler-sprachkulturschriften" so gut wie keine Erwähnung und Beachtung findet. Es handelt sich um eine neue Alltags- und Umgangssprache, kurz „Eifeldeutsch" genannt. Zum besseren Verständnis werde ich den letzten Teil meines Beitrags nun in diesem „Eifeldeutsch" niederschreiben, wie es in meiner Heimatstadt Gerolstein und der näheren Umgebung gesprochen wird.

Obwohl et net ganz einfach iss, isch probieret ehmal. Aber ob datt immer richtisch jeschrieben iss, dafür kann isch net garantieren. Mein Frau kann ich auch net fraren ob datt richtisch iss, denn die kütt ausem ganz annere Kulturkreis, die kütt ausem Kohlepott. Aber datt is en anner Jeschicht!

Also, datt Eifeldeutsch, oder wie de jung Leut saren „Eifelsläng", iss en Mischmasch aus Dialekt, Platt un Hochdeutsch. Dä Niedergang von dem Platt kam net von heut off morjen, nä, datt war en langsame Prozess. Erst nach dem letzte Kriesch hatt sich dat Eifeldeutsch dann immer mehr entwickelt un durschjesetzt. In Gerolstein hatt datt ganze viel frühjer anjefange, un zwar mitem Bau dr Eisebahn, die achtzehn-hunertsiebzisch bis nach Gerolstein fertischjestellt war. Jetz wird sich mansch einer fraren: „Watt hatt denn de Eisebahn mit dr Sprachentwicklung in Gerolstein zu tun?" Viel, ganz viel. Denn mit dr Eisebahn kam och en große Tross von Arbeiter un Beamten in datt kleine Gerolstein, datt damals nur knapp siebenhunnert Einwohner jehabt hatt. Damit der Bahnbetrieb reibungslos ablaufe konnt, mussten viel von dehne samt Frau un Pänz in Gerolstein bleiben. Se wurden Gerolsteiner Bürger, ob se wollte oder net. Da de Eisebahnsbähner aus allen Teilen von dem damalijen Deutschland kamen, war in Gerolstein sprachlisch jesehen en groß Durschenanner, jeder hatt, mehr odder wenijer in seinem eijenen Dialekt jeschwätzt. Erschwerend war noch, datt die hohen Beamten, ich mein die, die watt zu saren hatte, aus Preußen kame - un die hatte mit dem Eifeler Platt übberhaupt nix am Hut, weilse so gut wie nix verstande hann, watt de Eifeler schwätzte. Datt hatt dazu jeführt, datt die Preußen dene Eifeler, die bei dr Eisebahn Arbeit jefunden hatte, datt Plattschwätzen währendem Dienst untersachten. Un hier fing „de Anfang vom End" von unserem Gerolsteiner Platt an. Bedingt dursch de weitere Ausbau vonem Schienenetz in all Himmelsrichtungen, zooch et immer mehr Betriebe un Handwerker nach Gerolstein. Gleichzeijtisch stiesch de Zahl der Sommerfrischler un Steinschenklopper (Fossiliensammler) stark an. Hotels un Beherberjungsstätten wurde jebaut un so mansche Hausbesitzer hatt datt ehelische Schlafzimmer in dr Sommerzeijt an de Sommerfrischler vermietet. Och de stark ansteijende Fremdenverkehr hatt dazu jeführt, datt immer wenijer Platt jeschwätz wurd. Iss ja irjendwie nachzuvollzije, denn mr muss sich ja als Gastgeber halbwegs verständlisch mit de Fremde unnerhalte könne. Zum wirtschaftlichen Aufschwung stiesch och de Einwohnerzahl weiter an. Am End vom neunzehnte Jahhunnert lebten in Gerolstein schon doppelt so viel Leut wie achtzehnhunnertsiebzisch. Neunzehn-hunnertneunundreizisch waren et dreitau-sendunfuffzisch- un neunzehnhunnertvier-unsechzisch schon viertausendzweihunnert Einwohner. Un heut hatt Gerolstein um die siebenenhalbtausend Einwohner, Tendenz steijent.

Watt sacht uns datt jetz? Datt sacht uns, datt bei immer mehr Einwohner datt Jirrelsteener Platt immer mehr an Bedeutung verlore hatt un och in dr weiteren Zukunft verlijre wird.

Oder um et mit annere Worte zu saren: „Et seijt mau uss für oos Jirrelsteener Platt." Schad!


Anmerkung: „Die Einwohnerzahlen habb isch net jeguugelt un och net erfunde, nä die hab ich von Böbbes (K.H.Böffgen), der in dem Jubiläumsbuch „Gerolstein"anlässlich dr SechshunnertfuffZisch-Jahrfeier (neunzehnhunnertsechsunachzisch) en Artikel öbber de Entwicklung von Gerolsteinjeschrieben hatt."■