Verstehste oos, wenn mir Plaat schwetze?

von Adelheid von Spee, Duppach


Zugezogen in der Vulkaneifel, öffnen sich neue Sprachräume. Die Sprachkunst zeigt sich in dorfspezifischen Mundarten. Ortsverbunden verständigen sich die Menschen in ihren Sprachen. In der Sprachgemeinschaft offenbart jede Person, sobald gesprochen wird, ihre Herkunft. Dies schafft Verbundenheit und Zugehörigkeit. Sprache wird zum passgenauen Erkennungszeichen und steht für die regionale Identität. Wird dieser innere Kreis durch Menschen von außen erweitert, kommt spätestens nach den ersten Antworten im Nichtdialekt die Frage: „Verstehste oos, wenn mir Plaat schwetze?" Verstehen ist möglich, zumindest bis zu 75 Prozent, aber Sprechen eher nicht. Das Ohr freut sich, die regionalen Sprachen zu hören und nimmt wahr, dass Dialekte an Grenzen diffundieren. Sie vermischen sich und werden neue Sprachen. Es gibt stets etwas Vertrautes und etwas Neues. Die Frage nach dem Verstanden werden steht für die Integration. Gemeinsam wird nach einem „Verstehensnenner" gesucht, mit dem Angebot eine neue Heimat zu finden. Im „Plaat" zeigt sich der Ich-Ausdruck mit seiner Unmittelbarkeit zur regionalen Identität. Voller Humor und mit Scharfsinn wird sich ausgetauscht. Sollen plötzlich Sätze übersetzt werden, entstehen Sprachpausen. Denn eins zu eins gibt es oft keine Übersetzungen. So lernen sich die Namen der verschiedenen Beeren wie Vokabeln, ohne Ableitungen. Konkret nachgefragt — „Wie heißen Himbeeren auf Plaat?" — werden mit großer Konzentration die selbstverständlichen Begriffe aus dem „Plaat" in die Schriftsprache übertragen. Findet dieser Übersetzungsvorgang in einer Gruppe statt, so wird diskutiert.

Im Dialekt wird die Gegenwart mit der intergenerativen Vergangenheit verbunden. Die Vorfahren klingen mit an und bleiben Teil des gegenwärtigen Ausdruckes. Die Modernität findet sich in der tiefen Verwurzelung, von der die sprachliche Weiterentwicklung ausgeht. Dies setzt sich auch in Liedern und Tänzen fort. Hier wird der regionale Ausdruck im gemeinsamen Lernen unmittelbar spürbar.

Mit den Eefeler Kirmesdänzern1 gibt es alle zwei Wochen die Möglichkeit, mit dem ganzen Körper regionales Brauchtum in alle Zellen aufzunehmen. Ja, Brauchtum wird gebraucht! Es fördert das (Ein-)Leben und die Verbundenheit. Geteilte Freude und Eifelbegeisterung werden in Bewegung umgesetzt und in Mundart besungen. Maria-Agnes Pinn findet treffsicher Text und Melodie für die passenden Lieder. So auch hier. Die Globalisierung der Eifel kann nicht pointierter formuliert werden, als dieser Refrain zeigt: „Mat Eefler Sprudel un mat Bit do bleiwe mirr europafit..."

Die Gegenwart spiegelt sich im Text und zeigt, dass sich Mundart lebendig mit dem Zeitgeist vermischt. Bei Auftritten in alter Tracht verbindet sich die Freude der Tanzenden und der der Zuschauenden. Es gestaltet sich Gegenwart mit modernem Brauchtum. Abgestaubt und in seiner Fülle glänzend. Erfrischende Nachhaltigkeit erfahren die Eefeler Kirmesdänzer durch die Eefelherzjer, die quirlig ihr Tanzbein schwingen und fröhlich Dialekt singen. Gemeinsame Auftritte verjüngen das Durchschnittsalter und verdoppeln die Freude. Wechselseitiges Staunen schafft neue Komfortzonen und lässt alle über sich hinauswachsen. Der Blick nach vorne gibt Zuversicht.


1) Vgl. Igelmund, R. (2014): Mehr als nur Folklore. Die Eefeler Kirmesdänzer. Im Heimatjahrbuch 2014, S. 85f.