Wo datt Laachen lausternd Levt

von Doris Zakrzewski, Bleckhausen



Eifeler Mundarten gehören zu den mit Pfeffer und Maarjoran gewürzten Dialekten. Sie vermitteln Werte, Gemütlichkeit, Vertrauen. Oft tragen spontan kreative Dialoge zur Erheiterung einer dafür aufgeschlossenen Gesellschaft bei. Aus ihnen sprechen Herz und das Talent zum glücklich sein und glücklich machen. Darüber hinaus ist die heilsame Wirkung eines aufgelockerten Zwerchfelles anerkannt und willkommen. Wer in nerviger Situation seine Meinung originell und auf Platt äußern kann, ist hier gut aufgehoben. Eescht jöt jelaacht, dann asset rum — dicke Luft ist raus, Stress baut sich ab. Man könnte fast behaupten, dass auch über eine in dieser Form gestaltete Zurechtweisung nachgedacht wird, schließlich möchte niemand als Orschkrampen dastehen.

Hierzu ein Beispiel aus dem Alltäglichen:


Sei muggelisch Pantuffelen

Ein Ehemann nimmt es mit der häuslichen Ordnung nicht mehr so genau. Nach dem Sprung in die Stiefel, lässt er seine Hausschuhe mitten im Flur liegen. So geht es nicht weiter, denkt die Frau, nachdem sie beinahe wieder darüber gefallen wäre. Als ihr Mann nach getaner Arbeit ins Haus zurückkehrt, sucht er seine flauschigen Fußwärmer überall. Schließlich ruft er seine Frau:

„Wo sein mei Pantuffelen?" „Ach die hänken weilen om Wohnzömmer onn da Waand." „Wofier datt dann? Worum sulln die weilen dor hänken?" „Joah! - Isch ducht enn muggelisch Pantuffel fier dein Bröll. Und een muggelisch Pantuffel fier mein Bröll. Datt ass doch fier so en Jemölltas en jut Idee, oder nött?" „ Wer sett die dann, datt Jemölltes sein? Isch brauch see weilen janz lutt. Isch hon alt kahl Fees." „Datt deet mier leed. Unn isch denken die sein jewarösch und dau hosse fottjewurf." „Fottjewurf? Eh su eppes! Unn mein Pantufelen hänken weilen onn da Waand? Host dau see dann matt öm Droat onje-bunnen oder maddem Noal fastjekloopt?" „Nee! Nur fastjekleeft." „Fastjekleeft on user frösch tapezierta Waand?" „Frösch tapeziert? Da muss isch ees laachen — Zwanzisch Johr? Datt ass doch net mie frösch. Unn wo mir jrod dabei sein, de Teppisch am Jank ass nur noch ön enzisch Jefransel. Een Eenjank ass doch wischtisch ier ött escht kucken. Sowatt wor freher wie een Jehöchtnis ier uus. Un weest dau waht?" „Nee!" „Isch hullen dir weilen die muggelisch Pantuffelen vonn da Waand unn mohr keefe mir en neien Teppisch!" — Wo sind meine Pantoffeln?"„Ach die! Die hängen im Wohnzimmer an der Wand." „Warum hängen sie jetzt dort?" „Nun ja. Ein flauschiger Pantoffel für deine Brille und ein flauschiger Pantoffel für meine Brille. Das ist doch für Weggeworfenes eine gute Idee, oder nicht?" „Wer sagt dir, dass sie für den Müll sind? Ich brauche sie jetzt sofort. Ich habe schon ganz kalte Füße." „Tut mir leid. Ich dachte, du brauchst sie nicht mehr, weil sie dauernd wie Abfall herum liegen." „Na so was! Und meine gemütlichen Pantoffel hängen jetzt wirklich an der Wand? Hast du sie mit Draht angebunden oder mit Nägeln befestigt?"„Nein, nur festgeklebt."„Was? Festgeklebt an unsere frisch tapezierte Wand?" „Frisch tapeziert? — Zwanzig Jahre? Das ist doch nicht mehr frisch. Und wo wir gerade dabei sind, der Teppich im Gang ist ein einziger Fetzen. Ein gepflegter Eingang ist wichtigfür den guten Eindruck. Darauf haben wir früher größten Wert gelegt. Und weißt du was?" „Nein!" „Ich nehme jetzt deine gemütlichen Pantoffeln von der Wand und morgen kaufen wir einen neuen Teppich!" —


Wie sich im Bachlauf Steine sammeln und runden, ergänzen und verändern sich auch Dialekte mit der Zeit. Zur Ergänzung des Eifeler Mundart Sprachschatzes gehört auch das „Fischtemopped". Im Wald ist die Motorsäge ein unschlagbares Arbeitsgerät. Darüber hinaus werden am Wochenende noch Pilze, Vögel oder Märchenfiguren geschnitzt. So sprießen jetzt Fischtemopped-Pilze in Vorgärten, hocken hölzerne Milane auf Torpfosten oder winken Tanzbären von Balkonen. So wie neue Worte in den Sprachschatz aufgenommen werden, gehen alte Worte verloren: Aal Schäfschen = geerbte Kommode oder kapabel = ganz ok

Als ich vor rund vierzig Jahren in die Eifel kam, wurde wesentlich intensiver in Mundart jeschwaart. Über jeden Satz, den ich verstanden hatte, konnte ich mich ebenso freuen wie über die Übersetzung. Einige der Begriffe ließen sich irgendwie ableiten: Schösselong, Jroßviejel. Andere Begriffe waren für mich, noch zu erforschende Vokabeln: Heedelischkoochen, Krischeln. Aber irgendwann konnte ich stolz verkünden: „Vorsichtig Leute! Ab heute kann ich all euer Platt verstehen!" Viersischtisch? Woher datt dann? Op dem Duaf jöddet doch keen Jehemnis!" Vorsichtig? Warum denn? Auf dem Dorf gibt es doch kein Geheimnis, meinten sie und wandten sich anderen Themen zu.

Gelehrt in Schulen oder durch Radio und Fernsehen angeeignet, wird heute überwiegend Hochdeutsch gesprochen. Aber ein Hochdeutsch mit charmant verzierter Aussprache und der Verwendung französischer Begriffe. Vermutlich hatte Napoleon sie als geplante Erinnerungen, schon während der Visitationen seiner eroberten Gebiete unter die Leute gebracht. Was sollte er sonst unter seiner Hand in der Jacke zwischen dem fünften und sechsten Knopf versteckt gehalten haben? Lauter isch, misch, disch, Courage, Dompteur, Esprit, Friseur, Girlande, Gourmet, die er wie unsichtbare Kamellscha in die Menschenmenge geworfen hatte.


Hier noch weitere liebenswürdige Begrife aus dem Eifeler-Dialekt:

Für mich ist Eifeler Mundart eine in Jahrhunderten gemeinschaftlich gewachsene Sprache, die weiterhin gepfegt und genutzt werden sollte. Vielleicht auch deshalb, weil ich sie jetzt endlich verstehen kann.