Wie der Ernstberg 701 Meter hoch wurde

von Dr. Reinhard Scholzen, Waldkönigen


Im Jahr 1996 kam der Spielfilm „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" in die Kinos. In dieser Komödie spielt Hugh Grant einen Landvermesser, der im Jahr 1917 zusammen mit einem Kollegen in den kleinen walisischen Ort Ffynnon Garw kommt, um die Region kartographisch zu erfassen. Die Einwohner sind stolz auf ihren Hausberg, aber der Kartograph stellt bei seinen Vermessungen fest, dass der Anhöhe exakt 15 Fuß fehlen, um als Berg zu gelten. Das lässt die Bürger nicht ruhen. Mit großer Mühe schütten sie Steine auf und können so schließlich die Höhe erreichen, die im Vereinigten Königreich aus einem Hügel einen Berg macht.


Ein Ausschnitt aus der im Dezember 2021 vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz herausgegebenen Physischen Karte.

Das Statistische Landesamt in Bad Ems gibt jährlich zahlreiche Statistiken und Broschüren heraus, unter anderem die Publikation „Rheinland-Pfalz heute". In der Ausgabe für 2020 wurden unter der Überschrift „Berge" zehn rheinland-pfälzische Erhebungen aufgeführt. Neben dem Erbeskopf, dem höchsten Berg unseres Bundeslandes mit einer Höhe von 816 Metern, findet sich in der Auflistung die Hohe Acht (747 m), aber auch der Ellerspring im Hunsrück (657 m) und die 656 Meter hohe Fuchskaute im Westerwald. Deutlich höhere Berge — wie der 698 Meter hohe, zwischen Hinterweiler, Kirchweiler und Waldkönigen gelegene Ernstberg — inden sich in dieser Auswahl jedoch nicht. Eine Nachfrage beim Präsidenten des Statistischen Landesamtes veranlasste Marcel Hürter zu einer Überprüfung der Kriterien. In den aktuellen Publikationen des Statistischen Landesamtes wird eine neue Systematik verwendet, in der die „Höchsten Berge nach Landschaftsräumen" aufgelistet werden. Demnach inden sich dort nur noch sechs Berge: Der im Hunsrück gelegene Erbeskopf ist mit 817 Metern aufgeführt, und darüber hinaus die jeweils höchsten Berge aus der Eifel (Hohe Acht, 746 m), dem Saar-Nahe-Bergland (Donnersberg-Königsstuhl, 687 m), dem Pfälzerwald (Kalmit, 773 m), dem Westerwald (Fuchskaute, 657 m) und dem Taunus (Zorner Kopf, 490 m). Dass der Erbeskopf in den aktuellen Karten mit 817 Metern angegeben wird, ist das Ergebnis einer Neuvermessung der Berge in Rheinland-Pfalz im Jahr 2021. Dazu verwendete das Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz das Digitale Geländemodell (DGM). Dieses beruht auf Daten, die durch ein Laserscanning aus der Luft gewonnenen werden. Die bisher in den offiziellen Karten angegebenen Berghöhen wurden zum Teil bereits vor vielen Jahrzehnten erfasst. Dabei orientierte man sich an den Höhenpunkten, an denen früher Festpunkte des überörtliehen Vermessungspunktnetzes vorhanden waren, besser bekannt als Trigonometrische Punkte (TP). Diese Festpunkte wurden jedoeh durch die Geländegegebenheiten mitunter nieht an der exakt höchsten Stelle des Berges lokalisiert. Moderne, exaktere Messverfahren machten diese Punkte zunehmend überflüssig. Sie wurden daher vielfach aufgegeben, da in der Gegenwart auch eine Positionsbestimmung durch Satelliten, die für die Vermessung geforderte Lagegenauigkeit ergibt.

Dieses Verfahren wurde auch bei der Neuvermessung des Ernstberges angewandt; denn auch dort lag der TP nicht exakt an der höchsten Stelle des Berges. Durch das neue Verfahren legte der Ernstberg, der in alten Karten mit einer Höhe von 698 oder 699 Metern angegeben wurde, deutlich an Höhe zu: In der vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation im Jahr 2021 herausgegebenen Rheinland-Pfalz Karte ist er jetzt 701 Meter hoch. Das neue Messverfahren machte aber nicht nur den Ernstberg und den Erbeskopf größer. Der „Schwarze Mann" bei Prüm konnte sogar vier Meter zulegen und kommt jetzt auch auf 701 Meter.