Ein neuer Blick auf die Maare der Vulkaneifel

Holzschnitt der Künstlerin Anna Eiber aus Schalkenmehren - 32. Jahresgabe des Kulturkreises Daun 2023

von Siegfried Czernohorsky, Daun


Der Vorstand des Kulturkreises Daun e.V. mit der Künstlerin der Jahresgabe (von links): Hansjörg Schwarz, Sigrid Jenssen, Hartmut Gurski, Karl-Heinz Schmitz, Roy Coppack, Jahresgabe-Künstlerin Anna Eiber, Elke Czernohorsky, Siegfried Czernohorsky,


Die Maare der Vulkaneifel sind ein beliebtes Motiv nicht nur für Fotografen, sondern auch in der Malerei. Hatten die Künstler der Düsseldorfer Schule — wie z. B. Carl Friedrich Lessing (1808 - 1880) — die Eifel als Motiv für die Landschaftsmalerei entdeckt, so machte Fritz von Wille (1860 - 1941) mit seinen Bildern der Eifel, wie z. B. das „Weinfelder Maar mit Kirche" und seinem Bild „Die blaue Blume", die Vulkaneifel im Kaiserreich bekannt. Diese Tradition der Landschaftsmalerei setzten auch Pitt Kreuzberg (1888 — 1966) und Peter Otten (1909 - 2005) fort. Auch zahlreiche Sagen und Legenden ranken sich um diese mystischen Seen. Man würde meinen, zu diesem Motiv ist alles gesagt, alles fotografiert und auch alles gemalt.

Doch hat Anna Eiber mit ihren — vor allem großformatigen - Holzschnitten eine neue, faszinierende Perspektive auf diese einzigartige Naturlandschaft der Maare der Vulkaneifel eröffnet. Fernab jeder idealisierender Verklärung stellt sie das Motiv in einer neuen Sachlichkeit dar. Die groben Schnitte in das Holz und die dezente Farbigkeit des Hochdruckverfahrens sind eine Reduktion, ja geradezu eine Abstraktion des Dargestellten, in dem dennoch die Erkennbarkeit des Motivs und seine besondere Stimmung und Einzigartigkeit erhalten bleiben. Sie lassen der Fantasie des Betrachters große Freiheit und öffnen den Dialog zwischen dem Kunstwerk und dem Betrachter.


Anna Eiber mit Ihrem Holzschnitt „Das Schalkenmehrener Maar im Herbst". Jedes Exemplar entsteht in einem aufwändigen Druckverfahren und ist ein Unikat.


Die klassische Form des Holzschnitts und ihrer Vervielfältigung, die besonders im 16. Jahrhundert für Ansichten von Städten verwendet wurde, und die wir von Albrecht Dürer oder auch einer Ikone der Kunstgeschichte, „Der großen Welle vor Kanagawa" (etwa 1830) von Katsushika Hokusai kennen, schafft eine Distanz zum Gegenstand und hebt sich deutlich ab von der prallen Bilderflut der digitalen Welt. „Meine Werke sind wie Poesie," so Anna Eiber, die nur so vor Freude und Begeisterung bei ihrer künstlerischen Arbeit sprüht.

Anna Eiber hatte ihre besondere Kunst in der 32. Jahresausstellung des Kulturkreises 2022 mit einem großformatigen Holzschnitt (H 110 x B 250) in Rot und zartem Gelb, der das „Schalkenmehrener Maar im Herbst" zum Thema hat, unter Beweis gestellt. Das Bild ist in der Schalterhalle der Kreisparkasse Vulkaneifel täglich zu bewundern.

Für die 32. Jahresgabe 2023 des Kulturkreises Daun hat Anna Eiber sich das Weinfelder Maar als Motiv ausgesucht — mit dem klassischen, uns vertrauten Blick über das Maar auf die Kapelle. Sie hat auf der Grundlage von Skizzen und Fotografien eine spiegelbildliche Vorlage geschaffen und mit dem Hohl- und Schnitzbeitel und Schnitzmesser in filigraner Feinarbeit drei Druckstöcke erstellt, je einen aus Holz für das Maar und die Wolken und einen aus speziellem Linoleum. Dann bringt sie die Druckerfarbe in unterschiedlichen Mischungen mit einer Walze auf diese Oberflächen auf. Dreimal wird der Druckstock auf das Papier nacheinander präzise aufgelegt und auf einer historischen Kniehebeldruckerpresse, die vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt, vervielfältigt. Durch dieses aufwändige Verfahren entsteht ein feingliedriges, detailreiches Druckbild mit der für Anna Eibers Kunst typischen und unverkennbaren Bildsprache, die sich deutlich von den üblichen Holz- oder Linolschnitten abhebt. Jedes Exemplar des Bildes ist einzigartig und somit ein Unikat, je nachdem wie Anna Eiber die Farben aufträgt und die Druckstöcke auflegt. Diese Drucke konnten die Vereinsmitglieder des Kulturkreises Daun bei der Vernissage der Jahresausstellung für professionelle Kunst in der Kreissparkasse Vulkaneifel als Jahresgabe in Empfang nehmen.

Anna Eiber stammt aus Schorndorf bei Stuttgart. Sie begann ihre künstlerische Laufbahn als Steinbildhauerin und hat u. a. an der Kunsthochschule Halle an der Saale studiert und umfassende Qualifikationen im Druck, der Malerei, im Zeichnen und Modellieren erworben. Während ihres Studiums hat sie die künstlerische Gestaltung mit Holzschnitt und traditionellem Druck als ihr „Ding" mit der besonderen Haptik für sich entdeckt und nicht mehr losgelassen. Ihr Partner Thomas Peter hat an der Hochschule für Design in Köln und an der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken studiert. Im Jahr 2021 gaben sie ihren „kunstraum dreizwanzig" in Köln auf und zogen nach Schalkenmehren, wo sie eine alte KFZ-Werkstatt zu einem geräumigen Atelier umbauten. Seit seiner Jugend war Thomas Peter immer wieder nach Schalkenmehren gekommen, zuerst in das Wochenendhaus seiner Eltern, später ins eigene Haus.

Beide bieten neben ihrem künstlerischen Schaffen ein breites Spektrum an verschiedenen Seminaren an. Kurse in Zeichnen, Bildfindung und Malerei, Aquarellieren, Drucken und Modellieren werden in der Eifel, in Süddeutschland und auch bei Auslandsaufenthalten — wie z. B. in Portugal - angeboten. Kunstprojekte mit Grundschülern und Menschen mit Behinderung kommen hinzu. In den Yoga-Kursen von Anna Eiber ist der Weg das Ziel, eine Bestandsaufnahme, ein Nachspüren, Ungewohntes auszuprobieren, Flexibilität im Geist zu schaffen, sich zu öffnen — auch für die Kunst. Besonders spektakulär sind ihre Kunstprojekte mit großformatigen Holzschnitten, die dann mit einer Straßenwalze gedruckt werden, wie z.B. mit der Galerie in der Wendelinskapelle in Marbach am Neckar. Aber auch alltägliche Dinge entstehen in ihrer Druckerwerkstatt: Leinentaschen oder T-Shirts, Etiketten und Kunstkarten. Anna Eiber und Thomas Peter haben in der Vulkaneifel einen besonderen Ruhepol für ihre künstlerische und kunstpädagogische Arbeit gefunden, einen Ruhepol, der ihr Werk fernab des Großstadtbetriebes beflügelt und eine außergewöhnliche Bereicherung für die Vulkaneifel darstellt.


Weitere Informationen:

www.kulturkreis-daun.de www.anna-eiber.de