von Adeltraud Caspers, Trier
Der Mosbrucher Weiher liegt in einem Talkessel, umgeben von Anhöhen: dem Vulkan Hochkelberg, dem Rietberg und der Anhöhe nach Kelberg. Die Ausnahme bildet das Üßbachtal mit der Quelle des Üßbaches im Mosbrucher Weiher. Der Umfang des Maarbereiches, der eine ovale Form hat, beträgt in der Länge 700 Meter und in der Breite 500 Meter. So bietet der Weiher von den umgebenden Höhen aus betrachtet einen wunderschönen Weiherblick mit dem angrenzenden Ort Mosbruch. Auf der Kelber Höhe verläuft die Wasserscheide zwischen Ahr und Mosel.
Auch mit 86 Jahren ist die Verbundenheit mit meiner Heimat sehr lebendig. In der Kelberger Straße 2 in Mosbruch stand mein Elternhaus. Viele Erlebnisse aus dem Alltag um den Mosbrucher Weiher herum sind mir aus den Kinder- und Jugendtagen noch sehr lebendig. Bezeichnungen wie der vordere Weiher, der hintere Weiher, Asplstück, Haard und Torfstück waren für viele Aktivitäten in der Landwirtschaft eine klare Ortsangabe. Sie waren auch die Namen für Flurstücke, auf denen die Familien ihren Besitz hatten. Im Bereich des Weihers besaßen die meisten Familien auch ein Torfgrundstück.
Es gab im Jahresrhythmus Zeiten für besondere Arbeiten. Im Frühsommer war die Zeit des Torfstechens, die auch für uns Kinder interessant war. Der Vater bereitete das Grundstück vor, indem er mit Axt, Sense und Hacke die Fläche von Laub und Gras räumte, um Platz für die gestochenen Torfstücke zu schaffen. Die Torfstücke wurden mit einem speziellen Torfmesser aus dem Torfboden abgestochen. Erwachsene und die Kinder halfen, die abgestochenen Torfstücke auf der vorbereiteten Fläche auszulegen. Beim Stechen passierte es auch mal, dass eine Wasserader getrofen wurde und sich die Grube sehr schnell mit Wasser füllte.
Nach einer kurzen Trockenzeit wurden die Torfstücke in kleinen Pyramiden zum weiteren Trocknen aufgestellt. Im Sommer nach der Trocknungszeit wurde das kostbare Gut geerntet. Torf war das übliche Brennmaterial, das in jedem Haus gebraucht wurde. Im Zimmerofen sorgte er für eine wohlige, anhaltende Wärme. Die Ernte des Sommers reichte gewöhnlich für ein ganzes Jahr, bis zur nächsten Ernte. Die Wassergruben waren eine Gefahr für die Tiere, die zum Abtransport des Torfes eingesetzt wurden, ebenso für Fußgänger und vor allem für uns Kinder. Es war große Vorsicht geboten, wenn wir allein am Weiher waren.
Im Weiher und an seinem Ufer gab und gibt es auch heute noch seltene Pflanzen und Insekten. Als Kinder bauten wir aus den Binsenhalmen, die hauptsächlich an den Wegrändern und Wiesengräben wachsen, sogenannte Jägerstühlchen, Binsenkörbchen und Pfeifen — eine Beschäftigung beim Kühehüten. Viel Spaß hatten wir beim Bauen mit Lehm in der Lehmgrube. Im Sumpfbereich belästigten uns die Stechmücken, die in großen Scharen um uns herumflogen und zustachen, wo sie nur konnten. Besonders lebendig ist mir die Erinnerung an die Heuernte. Vor dem Heueinfahren besorgte der Vater einen Heckenbusch, der zum Mückenjagen im Bereich des Ochsengespannes bestimmt war. Diese Arbeit war immer meine Aufgabe. Das Heu -Laden, -Recken und -Nachkämmen übernahmen die Erwachsenen. Ich übernahm das Mückenjagen mit dem Heckenbusch im Kopfbereich und Rücken der Tiere. Ich selbst war auch im Angriffsfeld der Stechmücken. Bei der Heimfahrt durfte ich dann auf dem überstehenden Brett hinten am Ladewagen sitzen; als Belohnung!
Während eines Heimaturlaubes in den 2010er Jahren hatte ich den Wunsch, endlich nach vielen Jahren mit den Kindern unserer Familie einen Spaziergang zum Weiher zu machen. Inzwischen war er zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Torf wurde schon lange nicht mehr gestochen. Deshalb schien mir die Durchquerung des Weihers möglich zu sein. Der gewohnte trockengelegte Weg schien mir sicher zu sein. Doch alles, auch der Weg war zugewachsen, kein Weg mehr erkennbar. Der Untergrund war brüchig. Der Älteste der Kinder schaffte mit den Händen die Sicht frei, indem er Äste umlegte und den Untergrund so etwas sicherer machte. Die beiden jüngeren Kinder zog ich fest an meinen Händen haltend hinter mir her. Nach durchgestandener Angst, inneren Stoßgebeten und total verschmutzten Kleidern und Schuhen kamen wir ans sichere Ufer. Das Verbot für Kinder, nicht ohne Erwachsene den Weiher zu durchqueren, noch allein zu betreten, hat für mich eine wichtige Bedeutung bekommen. Der Spaziergang ist mir als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung geblieben.
Vor einigen Jahren war ich wieder in Heimaturlaub. Mit einer Freundin aus der Schulzeit vereinbarten wir eine Wanderung an den Weiher. Geplant — getan! Wir gingen den Weg am oberen Rand des Weiherbereichs und ließen uns auf einem sogenannten Waldsofa nieder. Hier genossen wir den Blick über den ganzen Weiher und den Ort Mosbruch, ein traumhafter Ausblick. Lange tauschten wir uns aus über unsere gemeinsamen Erlebnisse und vergaßen die Zeit. Ein starker Regenschauer überraschte uns, so dass wir Schutz in einer Tannenkultur suchen mussten. Auf dem Heimweg wurde uns in Anbetracht unseres bisherigen Lebens bewusst, Gott für ALLES BISHERIGE zu danken.
Schaue ich zurück, so sehe ich vor meinen geistigen Augen viele Menschen, die ihre landwirtschaftlichen Arbeiten, wie sie im Alltag anfallen, im Bereich des Weihers verrichten. Ich sehe viele Kühe, die vom Frühjahr bis zum Herbst auf den Wiesen weiden. Ich sehe mich beim Kühehüten und dabei die Schulaufgaben machen oder mit anderen Kindern spielen. Heute scheint der Weiher von Menschen kaum noch besucht zu werden, es sei denn, die Wiesen werden noch landwirtschaftlich genutzt. Kühe sind keine mehr zu sehen, manchmal eine Koppel mit Pferden. Mein großer Wunsch ist es, den Weiher wieder als den zu erkennen, was er mal war, ein Ort, an dem sein Name erkennbar ist, ein Ort, in dem man wieder unser Wasser bewundern kann.