Traditionelle Hausnamen

in Schalkenmehren

von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren


Viele alte Häuser im Maardorf Schalkenmehren tragen überlieferte Hausnamen, die zumeist auf den Erbauer zurückgehen. Auf diese Hausnamen wird in den Gesprächen der Einheimischen auch heute noch ganz selbstverständlich zurückgegriffen. War ein Name wie Schmitz sehr häufig im Dorf vertreten, musste ein Beiname her, wie z.B. Hermes-Schmitz. Dieser Beiname wurde auch Hermes Addem zuteil, der einst mit seinem Pferdeschlitten über das zugefrorene Maar fuhr. Wenn also ein Hausname mehrmals im Dorf existierte, wurde eine Unterscheidung gemacht, wie beispielsweise „Schomesch" bzw. „owen Schomesch".

Als ich mir vor einiger Zeit bei der Ausarbeitung der „Historischen Dorfführung" Gedanken über die angemessene Schreibweise von Hausnamen machte, empfahl mir der Altbürgermeister, die Hausbezeichnungen nach Gehör aufzuschreiben und damit festzulegen, da diese bisher noch nie niedergeschrieben worden seien.


Alte Ortsbezeichnungen

Dieses Brauchtum galt im Übrigen auch für alte Ortsteile bzw. Ortsbezeichnungen wie Überend, Im Koop, Auf der Hohl, Donnerbrück, Wämisch, Wasbüsch, Uscherberg, Leichloof, Mehrheck, Im Aul u.a., deren Namen längst gebräuchlich waren, und sich z.T. noch auf Felder und Wiesen bezogen. Bei der späteren Festlegung von Straßennamen in den 1970er Jahren wurde von der Ortsgemeinde häuig auf die alten Orts- und Flurbezeichnungen zurückgegrifen. Vorher gab es nur die Dorfstraße mit Hausnummern im Ort.


Das Aufspüren alter Hausnamen

In der Mundart des Dorfes klingt es für Nicht-Einheimische relativ geheimnisvoll, wenn es um „Jirrels un de Jaas", „Weertz", oder „Schäwer Matthes" geht. Um die Herkunft der alten Häusernamen abzuleiten und auch zu erklären, sollen hier drei Hausnamen beispielhaft beschrieben werden und zwar „Kaprols vorn", „Zennesch" und „Welter". Diese Hausnamen gehen auf verschiedene Ursprünge zurück, doch alle haben mit Weben zu tun. Die alte Webtradition des Dorfes wurde mit der Gründung der Heimweberei-Genossenschaft im Jahr 1926 wiederbelebt und soll auf diesem Weg in Erinnerung gerufen werden. Alle drei gehören zu den Häusern des Maardorfes, in denen ab 1925 bis 1930 gewebt, geknüpft oder genäht wurde.

„Vor Kaprols": Das von Peter Zillgen 1851 erbaute Haus, neben dem Demertz-Haus an der Mehrener Straße gelegen, erhielt seinen Namen vom Sohn des Erbauers Peter Zillgen jun., der von 1871-1876 in der Armee von Kaiser Wilhelm I. den militärischen Rang eines Korporals bekleidete. In diesem Haus wurde auch Albert Schmitz-Zillgen geboren, Webermeister in den Anfängen der Heimweberei-Genossenschaft.


Welter-Haus, vormalig Haus Nr. 65 in der Dorfstraße, Baujahr 1877, seit den 1990er Jahren in drei Wohneinheiten unterteilt. (Bild3.097 in der Schalkenmehren Chronik des Maardorfes)


Zennesch: Über eine große Webtradition verfügt bis in die heutige Zeit das 1875 erbaute Haus Zennesch, eine frühere Schejer (Scheuer) zur Aufbewahrung der Naturalsteuer, die als Zehnt bezeichnet wurde. Die Eltern des Webers Nikolaus Schommers, der für die einstige Heimweberei tätig war und heute noch gelegentlich im Heimweberei-Museum Webvorführungen macht, haben ihren eigenen Flachs auf dem Mehrheck angebaut.

Welter-Haus: Das Welter-Haus, als Eifeler Bauernhaus mit Stallungen und Scheune 1877 errichtet, führt seinen Namen zurück auf den Erbauer Nikolaus Welter, Großvater von Landwirt Nikolaus Meinen (1905 - 1987), der auch Genossenschafter der Heimweberei war. Am Welter-Haus lässt sich die Entwicklung der Straßenbezeichnungen in Schalkenmehren gut ablesen. Ursprünglich bestanden die Adressen der Häuser im Dorf nur aus Hausnummern. Das Welter-Haus trug die Nr. 65. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Welter-Haus unter der Militärregierung unter der Bezeichnung Dorfstraße 65 geführt. Es steht auf einer Liste der Häuser mit Webstühlen in Schalkenmehren aus den Jahren 1925 - 1930. Ganz und gar verloren hat sich die Tradition der Handweberei in Schalkenmehren nicht. Seit dem Jahr 1999 ist das Welter-Haus in den Händen einer Hobby-Weberin. Auf einem alten Leinenwebstuhl von ca. 1750 mit 2 Schäften entstehen Barchent ähnlichem Tuche aus Baumwollkette und Wolle.

Aufschlussreich sind die traditionellen Hausnamen, wenn es in Gesprächen um alte Gebäude geht, die schon lange nicht mehr existieren, wie z.B. das Lornzen-Haus oder das Houpertz-Haus. Durch ihre Häusernamen bleiben sie im Gedächtnis der Dorfbewohner erhalten.