von Hartmut Flothmann, Schalkenmehren
Wer im Maardorf Schalkenmehren spazieren geht, kann noch auf sehenswerte alte Takenplatten treffen. Die gusseisernen Platten finden als traditionsgemäße Haus-Dekoration Verwendung und haben darüber hinaus auch kunstgeschichtliche Bedeutung.
Das alte Eifeler Haus war mit Ofen-, Kamin- und Takenplatten ausgestattet. Und als im 19. Jahrhundert die Stuben von Öfen beheizt wurden, blieb der Taken dennoch ein wichtiges Inventar der Guten Stube.
Die Bezeichnung „Takenplatte" wird gelegentlich verallgemeinernd für alle Arten von Herdplatten verwendet. Der Herdplattenguss ist das bekannteste Produkt früher Eisengießerkunst. In vielen Fällen sind Kamin- und Takenplatten nicht genau voneinander zu unterscheiden. Man legte damals den Küchenkamin an der Zwischenwand zur Guten Stube an, sparte in der Trennmauer eine rechteckige Öfnung aus und verschloss diese mit der eisernen Takenplatte. Diese Takenplatte wurde durch die Hitze des Küchenherdfeuers erwärmt und strahlte ihre Wärme in die Stube aus.
An alten Häusern im 9-Maare-Dorf Schalkenmehren indet man Eifeler Takenplatten als Zeugen früher Eisengießerkunst, in der Regel geschmückt mit Darstellungen biblischer oder heraldischer Motive. Die althergebrachte Fertigung der Herdgussplatten setzte zwei Produktionsvorgänge voraus: die Erstellung der Models durch den Modelschnitzer und den Guss durch die Hütte. Modelschneider und Gießerei sind heute oft nicht mehr zu ermitteln.
Seltener als Außenschmuck an Hauswänden bzw. Begrenzungsmauern sind historische Takenplatten auch innerhalb von Bauernhäusern zu sehen, vornehmlich in Flurküchenhäusern mit alter Raumaufteilung. Sie beinden sich häuig an der ursprünglichen Stelle zwischen Küche und Wärmeschrank oder dienen als Wandschmuck. Bei Dorfesten ist in der Regel Gelegenheit, auch Takenplatten am Originalplatz anzuschauen.
Hier einige Beispiele:
1) Takenplatte am Kirchberg
Eine der ältesten Takenplatten im Dorf, die noch in der 1913 errichteten „Alten Schule" angebracht war, trägt die Jahreszahl 1597. Seit dem Zeitpunkt der Mauererneuerung hängt sie an der Stützmauer der katholischen St.-Martin-Kirche auf der Mehrener Straße. Leider ist diese gotische Takenplatte durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen.
2) Takenplatte "Kreuzigung"
Diese großformatige Takenplatte aus dem 18. Jh. ist an der Giebelwand des Scho-mesch-Hauses angebracht.
3) Takenplatte „Madonna mit Kind"
Im Millisch-Haus wurde diese Takenplatte mit gotischer Einfassung von 1557, die zwischen Flurküche und Wärmeschrank der Guten Stube noch am Originalplatz hängt, auf Initiative der Haus-Eigentümer, den Gebrüdern Rau, 1991 wieder frei gelegt.
4) Takenplatte „Hochzeit zu Kanaan"
Diese mit gotischen Ornamenten versehene Eifeler Takenplatte von 1597 ist im Millisch-Haus in der Küche unter dem Backes eingefügt. Die Takenplatte zeigt eine Hochzeitsgesellschaft bei Tisch, darunter aufgereihte Weinfässer.
5) Takenplatte „St. Martin mit Pferd und Bettler"
Diese Takenplatte von ca. 1570 mit gotischer Einfassung und gotischen Ornamenten hing bis Mitte der 1960er Jahre zwischen Herdraum und Guter Stube im offenen Feuer. Dann war sie lange verschollen und hängt seit 2009 wieder an ihrem alten angestammten Platz im Hostesch-Haus. Die Rückgabe dieser Takenplatte, die darstellt, wie Sankt Martin seinen Mantel teilt, zeugt vom ausgeprägten Gemeinsinn des Dorfes.
6) Takenplatte „Elias wird von den Raben gespeist"
Diese Barock-Takenplatte, grober und schwerer als gotische Platten, gegossen am 17. April 1742, hängt seit dem Dorf-und Gästefest 2008 zwischen Küche und Wärmeschrank im Hostesch-Haus, einem von den Gebr. Rau aufwändig restaurierten Trierer Flurküchenhaus. Der Plattentext beginnt mit: „Dass Elias nicht litt Hungersnot, sendet Gott die Raben, Fleisch und Brot."
Diese bekannten Takenplatten in Schalkenmehren haben eines gemeinsam: Sie zeigen figürliche Darstellungen christlicher Motive. Abweichende Beispiele mit herrschaftlichen Wappen-Motiven sowie diverse Herdgussplatten aus dem 18./19. Jahrhundert sind im Haupteingangsbereich des „Michels Wohlfühlhotel & Restaurant“ zu bewundern.