Die Nacht ist in Gefahr

von Roswitha Gräfen-Pfeil, Mosbach


„Die Nacht ist in Gefahr! Das Verrückte ist: ausgerechnet das Licht wird der Nacht gefährlich. Unsere Nächte sind zu hell. Künstliches Licht macht der Dunkelheit zu schaffen und lässt die Nacht nicht mehr sein, was sie war: geheimnisvoll. Sie bietet Schutz, Tarnung, Zeit für Ruhe und Erholung und sie ist eine Zeit für alle Nachtaktiven. Nachtlichter. Klingt romantisch, ist aber ein Riesenproblem. Weil unsere Welt nachts so hell ist, sehen wir die Sterne nicht mehr. In Städten z.B. machen beleuchtete Straßen, Shops und LED-Werbeschriften die Nacht für den Menschen zum Tag. Weil es an vielen Orten zu hell ist, verblassen die Sterne. Schon jetzt kann man längst nicht mehr überall in Europa die Milchstraße sehen. Das wirkt sich negativ auf uns Menschen aus, auf unser Bedürfnis, sich zu erholen, Kraft zu sammeln. Unser Biorhythmus kommt durcheinander. Der Tierwelt geht es genauso, und natürlich leiden auch viele Pflanzenarten unter der Dauerbestrahlung. Außerdem braucht das alles Unmengen an Strom." (SWR 2, 13.03.23, Johanna Vering, Langenberg, Wort zum Tag)

Mich hat dieser Beitrag von Frau Vering sehr angesprochen. Er schenkte mir eine wunderbare Erinnerung an einige Nächte im französischen Burgund auf einem Hochplateau weitab der Städte. Dort legte ich mich nachts auf eine Wiese und sah den Sternenhimmel an. So unglaublich viele Sterne, so viele hatte ich noch nie gesehen. Es war das erste Mal, dass ich bewusst Sternenbilder erkennen konnte. Ich fühlte mich verbunden mit den Menschen, die vor mir die Sterne angeschaut hatten, wie mit denen, die gleichzeitig mit mir zum Himmel schauten. Fast genau fünfzig Jahre ist das nun her und hat sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Auch in der Eifel erhellen viele Lampen im privaten und öffentlichen Raum die Nacht, Rathäuser, Denkmäler oder Burgen werden angestrahlt. Am Meer stören weniger die Lampen, aber es gibt Flugzeuge, Autoscheinwerfer und Leuchttürme. Dort in Frankreich war ich dem Sternenhimmel nah und fühlte mich geborgen in der Weite. Die negativen Folgen des immer größer werdenden Eintrages von Kunstlicht in die Nacht hat weltweit Auswirkungen auf Insekten und Zugvögel. Tiere im Wald werden z. B. durch nächtliche Läuferinnen und Läufer mit Stirnlampen gestört. Die Schlafqualität tagaktiver Tiere leidet darunter, ihre Rückzugsräume werden weniger. Diese Lichtverschmutzung steigt mit einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 6 %.

Die „Stunde der Erde" ist eine weltweite Klima- und Umweltschutzaktion in Form des Ausschaltens öffentlicher Beleuchtung. Sie wurde 2007 vom WWF Australiens ins Leben gerufen und findet seitdem jedes Jahr im März statt. Ziel der Stunde der Erde ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Klimaschutz zu lenken. Diese „Erdstunde" fand am Samstag, dem 25. März 2023 von 20:30 Uhr bis 21:30 Uhr statt. Rund 190 Länder und 550 Städte hatten an der Aktion teilgenommen.

Wenn die Hälfte der Haushalte in Deutschland ihre Glühlampen gegen Energiesparlampen eintauschten, wäre dies ein Vielfaches an Einsparungen (im Jahr 2,5 Tonnen CO 2, Ökoinstitut Freiburg) gegenüber den „Stunde der Erde". Dabei geht um nur um die Einsparung von Energie, nicht um die Erhaltung der dunklen Nacht und der auf sie angewiesenen Lebewesen, dabei ist beides notwendig.