von Felicitas Schulz, Hillesheim
Am Ortsrand von Hillesheim wurde am 1. Juli 1912 der Bahnknotenpunkt in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke erlebte danach eine wechselhafte Geschichte, verzeichnete nur geringe Fahrgastzahlen zwischen den Weltkriegen und wurde nach 1945 nicht wieder aufgebaut.
Im Jahr 1912 hielten bis zu sechs Mal am Tag gleichzeitig 3 Züge zum Umsteigen nach Jünkerath, Dümpelfeld an der Ahrbahnstecke, oder Gerolstein zur Weiterfahrt nach Köln und Trier, über die Eifelquerbahn bis Andernach. Der Aufenthalt in der Bahnhofskneipe mit Schankerlaubnis und Imbissausgabe in der 1. und 2. Klasse war eine Erleichterung für die wartenden Reisenden. An jedem Zug hing ein Packwagen, der dreimal täglich auch die Post beförderte. Was zuerst noch argwöhnisch betrachtet wurde, traf mit dem Vorteil der bequemen Eisenbahnfahrt immer mehr Zuspruch. Dies war doch besser als überwiegend zu Fuß unterwegs zu sein.
Vom letzten fahrenden Postillion wird berichtet: Wenn er in Walsdorf seinen Landpostdienst immer pünktlich und korrekt erledigt hatte, gönnte er sich in der Kneipe eine längere Pause. Sein Pferd wartete brav auf ihn bis er wieder heraus kam, den Kutschbock müde bestieg und bald einschlief, während seine „Billa" den Heimweg alleine fand und die Postkutsche sicher vor ihrem Stall zum Stehen brachte.
Der Hillesheimer Bahnhof bei seiner Einweihung im Jahr 1912
Zeitweise kehrte ein anderer Kutscher mit Reisenden in Wirtschaften ein, um geistige Getränke zu sich zu nehmen, was ihm vom Kaiserlichen Postamt im Herbst 1908 eine Rüge wegen den Verzögerungen einbrachte. Fern jeder Romantik hießen die Postillione im Volksmund „Postknechte".
Die Posthaltereien waren meist gut gehende Gasthöfe. Auf den Öfen köchelte beim Eintreffen der Postkutsche stets eine gute Suppe, was ausgezeichnete Beköstigung verhieß. Diese wurde während des Pferdewechsels, Schneeverwehungen oder wegen Unzulänglichkeiten der Schotterstraßen gern in Anspruch genommen. Die Herren der Straße, die Kutscher und die Posthalter waren meist auch Jäger, heimliche Schnapsbrenner und wussten viel zu erzählen. So manche Verspätung ist auf diese Leidenschaft zurück zu führen. Beim Eintrefen der Kutsche sagten die Dienstleute hinter vorgehaltener Hand, „immer gut, wenn die Kutsche kommt, aber noch besser, wenn sie wieder fährt."