Gedanken über oos/ees/iis/uus Platt

von Rosi Nieder, Herforst


Wissenschaftliche Abhandlungen über Mundarten gibt es reichlich, hier zur Abwechslung ein paar augenzwinkernde, heitere Gedanken über unsere Mundart und wie die Leute so „schwäzen":

Es ist ja so, dass es nicht nur ein Platt gibt, es gibt hunderte. In jedem Dorf wird halt ein wenig anders gesprochen. Das kommt dadurch, weil die Eifeler es mit den Vokalen nicht so genau nehmen (holen) und mit manchen Buchstaben so ihr Problem haben. Der Vokal „i" zum Beispiel in dem Satz: Im Winter sitzen die Kinder hinterm Ofen. Mit „i" spricht das niemand in der Eifel. Wieso? Vielleicht, weil man beim „i" den Mund hochziehen und lächeln muss. Dafür gibt es in Platt kein Wort. Also lächeln die Eifeler auch nicht. Entweder lachen sie sich kaputt oder sie ziehen „en Schness". Und für das „i" suchen sie sich dann andere Vokale. So sagen sie in der Südeifel: „am Wanter setzen die Kanner hannerm Owen", in der Vulkaneifel „setzen die Kunner um Wunter hunnerm Owen". In manchen Dörfern sind Kinder die „Kenner", „Kanner" oder „Könner", mit „i" gibt es höchstens die „Kinnercher".

Anderes Beispiel: der Ausdruck: bei uns. Bei ees, bei iis, bei oos, bei uus. Fehlt nur noch aas, ewer dat as eppes annischters. Also die Ei-fel bietet eine Vielfalt an Vokalen. In manchen Dörfern sogar ziemlich speziell. Hört man die Bettinger aus der Südeifel zum Beispiel, fragt man sich, ob die wohl türkische Vorfahren hatten, weil dort das „ü" überwiegt . Dort gehn die Leute in den Büddik Tübak und Sprüdel kaufen, die rufen an Fastnacht Jüpphüü und wenn unser Bundeskanzler aus Bettingen stammen würde, dann gäbe es jetzt ein „Dübbelwüms".

Das Gute dabei ist, dass man an den unterschiedlichen Ausdrücken gleich orten kann, wo die Leute in etwa herkommen. Wie schön ist es doch, wenn man im Urlaub irgendwo in der Welt Leute Platt sprechen hört und gleich einordnen kann, aus welcher Ecke der Eifel sie in etwa kommen. Und... das gibt uns gleich ein Gefühl von Vertrautheit und Zusammengehörigkeit.

Aber manchmal fragt man sich, wieso gehen Eifeler mit den Selbstlauten so merkwürdig um? Zu Augen sagen sie „Ooren", zu Ohren „Uhren" und zu Uhren „Auern". Und dann werden die Silben in den einzelnen Dörfern unterschiedlich lang ausgesprochen. („Die Spaanger gien daanzen"). Oder manche Worte werden mit ganz kleinen Varianten ausgesprochen: „Koa" oder „Kooa", „die Koa fier zo foaren, dä Koa fier zo trinken oder dat Koa fier Brut zo baken".

Und manchmal werden in Platt einfach Buchstaben verändert. Zum Beispiel die Leute nördlich der J-Grenze, die können anscheinend schlecht das „g" sprechen, dafür nutzen sie das „j", wieso auch immer. Haben die Dauner „joot jääß", haben die kurz unter der J-Grenze lebenden Niederscheidweiler „goot gäß" und etwas mehr östlich haben die vielleicht die „Gäß geschlacht unn hon die Gäß gaß".

Der Gillenfelder hebt sein Gläschen, schüttelt sich und sagt: „Dat as joot". Der Herforster hebt auch sein Gläschen, schüttelt sich auch und sagt: „Nee, dat ass kee Jod, dat ass Quetscheschnaps."

Anderes Beispiel: „Hoste gehiert?" Da sagt der über der J-Grenze „Hoste jehiert?" Das geht ja noch. Aber da gibt es Orte, da sagt man „Hoste jehuurt?" Oh maju, stellen Sie sich vor, Euer Küster kommt aus dem Haus und sagt: „Eych hon jehuurt, dat sämtlich Jloken gelout hon". Apropos jehuurt. In meinem Mundart-Büchlein „Opa, wat seyn Noupen" (Sie, liebe Leser, wissen hoffentlich noch, was Noupen sind).

Also in dem Büchlein fragte Enkel Jens seinen Opa, der mit ihm immer Platt sprach, was „Nutten" sind. Opa wurde ganz verlegen und stotterte etwas von gäckigen Frauleuten mit kurzen Röcken und Stöckelschuhen, die Männer mitnehmen, die dafür bezahlen. Und der Junge fragt: Und wenn die Männer die Nutten mit nach Hause nehmen, müssen die dann auch dafür bezahlen? „Quatsch" sagt Opa, die holen die net mat heem".

„Äwer dän Unkel Pitter ous Herbischt, dän hot se immer mat heem gehol. Unn weilen as ähn souer, dat en daat nemmi durf." „Majusebetter, Jung, wat verzellste loh? Dän Pitter ous Herbischt?" Opa war ganz entsetzt. Der Pitter war zwar ein alter Junggeselle, aber so etwas...

„Ei jo", soot dän Enkel, „die Tant Berta hot och gesoot, sey hätten die Nutten immer mat heem gehool, äwer seit se dän neien Dirigent hätten, well dän, dat die immer zosommen bleiwen."

Tja, so kann es zu Missverständnissen kommen. In Landscheid wären das nicht die „Nutten", da sind das die „Nouten", in der Vulkaneifel die „Nuuten" oder die „Nuk-ten". Su wie „Wuuscht unn Duuscht unn Bruutkuuscht".

Also, op Platt gett dat alles net su genau geholl. Nehmen, das Wort kennen wir nicht. Mir hollen nur. Mir hollen oos e Steck Koochen, mir hollen zo oder oop, mir holen de Bus, eemes vom Bahnhof oop, de Mund zo voll, e Beispiel oder un Ooscht. Oder mir hollen oos en Maan. Unn mir honn oos Re-densoarten. Mir loustern die Hohlegänsen, mir maachen Wäder, oos Kunner sehn ous wie de Papp gespouzt, bei oos treppsen die Krohnen, mir hon Geheschnis oos kann ma goot brouchen, mier hädeln oos, mir kennen eemes oder neemes, wessen eppes oder neist, mir maache keen Fisemadenten. Maacht et goot/joot!