von Siegfried Czernohorsky, Daun
Bei der Eröffnung der Jahresausstellung des Kulturkreises Daun in der KSK Vulkaneifel in Daun im April 2024 konnten sich die Mitglieder des Kulturkreises über ein besonderes Geschenk freuen. Das Geheimnis der „Jahresgabe 2024" wurde gelüftet und sie durften je ein Exemplar mit nach Hause nehmen. Der Kulturkreis Daun zeichnet eine Künstlerin, einen Künstler der Region dadurch aus, dass er sie oder ihn für die Gestaltung der „Jahresgabe" auswählt. Von einem Kunstwerk wird ein Kunstdruck in limitierter Auflage erstellt, vom Künstler signiert und an die Mitglieder des Kulturkreises bei der Jahresausstellung für professionelle Kunst im Frühjahr in der Kreissparkasse Vulkaneifel ausgegeben. Im Jahr 2024 ist dies das abstrakte Gemälde „Geheimnisse des Waldes" in Acryl auf Leinwand im Format 70 x 70 cm des Künstlers Kai Hackemann. Es ist im Jahr 2023 entstanden. Der Künstler tritt damit in die Fußstapfen renommierter Künstlerinnen und Künstler wie Martina Diederich, Sybille Brennberger, Max Ströder, eines Karl Heinz Schmitz, Hans Christian Rüngeler, von Kim Reuter, Anna Eiber und vieler anderen mehr. Der Künstler, sein Werk und die Jahresgabe wurden bei der Vernissage der 33. Jahresausstellung des Kulturkreises in der Kreissparkasse Vulkaneifel vorgestellt. Kai Hackemann bezeichnet sich selbst im Interview als eher suchenden Künstler, der immer wieder neue Wege beschreitet. Er unterscheidet sich so von vielen anderen Künstlern, die ihren einmal gefundenen Stil - abgesehen von kleinen Variationen - weitgehend beibehalten.
In seinen aktuellen Arbeiten lässt er zunächst Farben auf der Leinwand sich ihren Weg bahnen und antrocknen, um dann gestalterisch einzugreifen. Dabei verbinden die Gemälde die Transparenz der im Fließen gestockten, ineinander übergehenden oder sich eigenwillig überlagernden Farbpigmente mit ordnenden Eingriffen, die den Farbrausch bändigen und die kompositorische Grundidee erkennbar machen. Die Werke bilden somit eine spannungsvolle Asymmetrie zwischen Zufall und bewusster Setzung und entwickeln sich so zu einer Symbiose von Kunst und Philosophie, von Poesie und Präzision und Intuition. Er definiert in diesem Prozess seine Rolle als die eines Mediators, dem Bilder und Gedanken in den Sinn kommen, der Farben und Formen ordnet und das Kunstwerk auf seinem Weg in die Welt begleitet. Hierbei entstehen farbintensive, spannungsvolle Bilder mit einer besonderen Strahlkraft, Bilder die vielfältige Anknüpfungspunkte für die Vorstellungskraft und Fantasie des Betrachters bieten, wie in „Geheimnisse des Waldes" die Assoziationen mit der Natur und ihren Schätzen.
Von links: Elke Czernohorsky, Siegfried Czernohorsky, Kai Hackemann bei der Vorstellung der Jahresgabe am 18. April 2024 bei der Eröffnung der Jahresausstellung in der Kreissparkasse Vulkaneifel in Daun.
Bei abstrakten Gemälden finden manche Betrachter bisweilen nur schwer einen Ansatzpunkt für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk. So ganz möchte Kai Hackeman daher den Betrachter mit seinen Bildern nicht alleine lassen und gibt den Werken aussagekräftige Titel, die die Rezeption etwas steuern, ohne die Fantasie des Betrachters einzuengen, wie z.B: „Eifelmorgen", „Woher wir kommen", „Die Macht der Wünsche", „Coming Soon" und „Bleiben ist nirgends". Einige Titel sind inspiriert u. a. von den Gedanken Rainer Maria Rilkes über Alter und Verlust und die großen Offenbarungen des Lebens.
Kai Hackemann, dessen Lebensschwerpunkt in Düsseldorf liegt, hat vor einigen Jahren ein Wochenendhaus am Waldrand oberhalb von Neroth mit Blick in die Natur der Vulkaneifel erworben. Hier haben er und seine Frau ihr kleines Paradies gefunden, jedenfalls für die Zeit, in der sie dem Großstadtgetriebe der Stadt Düsseldorf entfliehen wollen. Über seinen Künstlerfreund Hans Christian Rüngeler, der schon lange nahe bei Steinborn lebt, war er auf die Vulkanei-fel aufmerksam geworden und hatte seine Werke schon mehrfach bei der Kunstaktion
„Drei-Häuser-Kunstpfad", einem einmaligen Kunstevent mit über 60 namhaften Kunstschaffenden in der eindrucksvollen Landschaft der Vulkaneifel, gezeigt.
Kai Hackemann, Jahrgang 1958, stammt aus Bad Homburg vor der Höhe, ist in Kronberg und Königstein im Taunus aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zwischen 1983 und 1988 studierte er Kunsterziehung und Kunstgeschichte an der JohannesGutenberg-Universität Mainz mit den Schwerpunkten Druckgrafik, Zeichnen und Email. Danach studierte er freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Rolf Crummenauer und war auch dessen Meisterschüler. Neben Lehraufträgen ist er als freischaffender Künstler mit Atelier in Düsseldorf tätig. Seine Werke sind in namhaften Ausstellungen im In- und Ausland (z.B. Niederlande, Frankreich, Indien, u.a.) zu sehen. Mit zahlreichen Preisen wurden seine Werke ausgezeichnet, wie z.B. mit dem Preis der VIII. internat. Biennale für Emaille in Limoges, Frankreich.
Kai Hackemann ist ein Künstler, der auf der Basis einer vertieften Kenntnis der Kunstgeschichte arbeitet und sein Schaffen intensiv reflektiert. Mit seinen Einführungsvorträgen bei Vernissagen von ihm vertrauten Künstlerinnen und Künstler ist er ein geschätzter Gast, aber auch in grundsätzlichen Themen der Kunst und Kunstgeschichte ist er zuhause. Mit kurzen Videoclips im Internet zu einzelnen seiner Werke gibt er Denkanstöße zur Betrachtung.
Kai Hackemann ist seit 2022 bei der Jahresausstellung des Kulturkreises vertreten. Bekannt ist er zudem vor allem den Mitgliedern des Kulturkreises, die im Juni 2023 den 3-Häuser Kunstpfad in Steinborn besucht haben. Hier war er mit einer breiten Palette seines Schaffens von seinen filigranen Emaillearbeiten bis hin zu seinen aktuellen abstrakten Werken zu sehen. Im Frühjahr 2024 überzeugte er mit teils großformatigen Abstraktionen in der Ausstellung „Transzendenz" mit Kim Reuter, Hans Christian Rün-geler und Monika Lioba Lang im Museum Kronberger Malerkolonie.
Kai Hackemanns aktuelle Arbeiten — vor allem mittelformatige Gemälde mit Acrylfarbe auf Leinwand — knüpfen in ihrer Farbkraft an die Intensität und Brillanz seiner kleinformatigen Emaillebilder an.