Waldbrandübung in der Verbandsgemeinde Daun

Viele Erkenntnisse und Neuerungen

Dr. Reinhard Scholzen, Daun-Waldkönigen und Thomas Simonis, Daun

Lange Hitzeperioden, kaum Regen. Damit steigt die Gefahr von Waldbränden, von denen in den letzten Jahren auch die Verbandsgemeinde Daun nicht verschont blieb. Vor diesem Hintergrund trainierten im Sommer 2022 Freiwillige Feuerwehren aus der Verbandsgemeinde (VG) Daun die Handlungsabläufe in einer realitätsnahen Übung.


Die Waldbrandübung

Von der ersten Idee, die Bekämpfung eines Waldbrandes zu üben, bis zur Umsetzung vergingen viele Monate. In dieser Zeit führten Thomas Simonis, der Wehrleiter der VG Daun, und zahlreiche Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren eine Reihe von Gesprächen. Als Übungsgebiet entschied man sich für den „Hinterbüsch". Dieses Gebiet charakterisiert große, geschlossene Waldgebiete.

Am 17. September 2022 kamen Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren aus Bleckhausen, Daun, Deudesfeld, Nieder-und Oberstadtfeld, Schönbach, Schutz, Üdersdorf, Wallenborn und Weidenbach nach Deudesfeld und richteten am Sportplatz die Einsatzleitung für die bisher umfangreichste Waldbrandübung in der Region ein. Neben den rund 110 Feuerwehrleuten nahmen daran auch Frauen und Männer des Deutschen Roten Kreuzes, Mitarbeiter von Landesforsten Rheinland-Pfalz, mehrere Landwirte und zwei Polizisten der Hubschrauberstaffel Rheinland-Pfalz vom Standort Winningen teil. Somit ergab sich ein vielseitiger Teilnehmerkreis, dessen Koordinierung bei einer Großlage wie einem Waldbrand stets eine Herausforderung darstellt.

Um die Sicherheit der Bevölkerung nicht zu gefährden, wurde der Übungsbereich großräumig abgesperrt. Innerhalb dieser Zone konnten dann die Abläufe realitätsnah geübt werden. Dabei hatte das Heranbringen von genügend Wasser eine hohe Priorität. Dabei stellte sich auch die Frage, wie der Polizeihubschrauber, der über einen Behälter mit einem Fassungsvermögen von rund 500 Liter Löschwasser verfügt, bestmöglich eingesetzt werden kann.

Nach der Übung zweifelte niemand an deren Sinn, und es gab viel Lob für die Übenden. Horst Womelsdorf, der Leiter des Forstamtes Daun, erklärte in einem SWR-Interview, wie wichtig es auch in den Mischwäldern der Verbandsgemeinde Daun sei, im Fall eines Waldbrandes rasch mit geeigneten Maßnahmen gegen das Feuer vorzugehen. Wehrleiter Simonis fand viele lobende Worte für die eingesetzten Kräfte. Er sah aber auch das Problem, dass es immer noch an Wasser mangelte, obwohl von den an der Übung beteiligten Landwirten etwa 50.000 Liter zugeliefert wurden. Er beschrieb die Herausforderung, man müsse „schnell genug, mit genug Leuten, mit genug Gerät und mit genug Wasser am Einsatzort arbeiten können." Bürgermeister Thomas Scheppe hatte auch die zukünftige Entwicklung im Blick. Da davon auszugehen sei, dass Extremwetterlagen in Zukunft noch zunehmen würden, könne die Bedeutung der Übung nicht hoch genug angesetzt werden. Scheppe, der selbst aktiver Feuerwehrmann ist, unterstrich, vieles sei in der Übung gut gelaufen. In der Nachbearbeitung sei zu ermitteln, ob das Material gut in den Einsatz gebracht wurde und was gegebenenfalls neu zu beschaffen sei. Aus den in der Übung gewonnenen Erkenntnissen sei dann das Konzept für die Waldbrandbekämpfung weiterzuentwickeln. Von einigen Teilnehmern wurde in der ersten Nachbesprechung ein Bedarf für geländegängige Fahrzeuge gesehen. Sehr rasch kamen auch Drohnen ins Gespräch, die sich andernorts bei vielen Szenarien als hervorragendes Einsatzmittel zur Erfassung der Lage bewährten.


Mehrfach füllte der Polizeihubschrauber den rund 500 Liter fassenden „Bambi Buchet" im nahegelegenen Meerfelder Maar. Ein Polizist stand auf den Kufen des Hubschraubers, um den Piloten einzuweisen.


Nachbereitung, Erkenntnisse, Neubeschaffungen

Aus der Übung ergaben sich viele wertvolle Erkenntnisse, denen umfangreiche Recherchen folgten, die schließlich zu mehreren Neubeschaffungen führten. Wehrleiter Thomas Simonis beschreibt die Entwicklung bis zum Frühjahr 2024: „Bereits während der Übung ergaben sich mehrere offensichtliche Probleme: Es musste einerseits eine ununterbrochene Wasserversorgung gewährleistet sein. Andererseits mussten weitere benötigte Mannschaften sowie Material und Gerätschaften nach vorne in den Einsatz gebracht werden.

Im Anschluss an die Übung wurden zahlreiche Gespräche mit vielen Beteiligten geführt. Diese erbrachten wichtige Erkenntnisse. So zeigte sich, dass die Entfernung zwischen dem Brandort und der Löschwasserentnahme aus dem Meerfelder Maar für den Hubschrauber zu groß war. Weiter offenbarten sich die technischen Grenzen des Hubschraubers, da dessen Steigrate, also die Geschwindigkeit, mit der er nach dem Tankvorgang nach oben steigen kann, zu gering war. Daher musste der Pilot mehrere Runden im Talkessel fliegen, um so die nötige Höhe zum Einsatzgebiet zu erreichen. Dieses Flugmanöver kostete Zeit, verbrauchte viel Treibstoff und erforderte ein mehrmaliges Nachtanken. Dadurch verringerte sich die Zahl der Flüge zum Brandort und damit auch die Gesamtsumme der zur Verfügung stehenden Löschwassermenge. Daraus zogen wir die Lehre, dass ein Löschwasserbehälter in unmittelbarer Nähe zur Einsatzstelle bereitgestellt werden muss, der durch Landwirte mit ihren großvolumigen Wasserfässern gefüllt wird.


Rund 50.000 Liter Löschwasser wurden von Landwirten zum Brandherd gebracht. Man erkannte, dass diese Wassermenge für einen großen Waldbrand zu gering ist.


Darüber hinaus erkannten wir, dass eine Tankmöglichkeit in unmittelbarer Nähe zur Einsatzstelle geschaffen werden muss. Um dies zu erreichen, stehen wir in engem Kontakt zur Hubschrauberstaffel. Demnächst sollen in Rheinland-Pfalz neue Hubschrauber in Dienst gestellt werden, die größer und leistungsstärker sind und dadurch auch mehr Löschwasser transportieren können. Danach werden wir eine weitere gemeinsame Übung durchführen.

Als weitere Lehre aus der Übung in Deudesfeld erkannten wir, dass für eine möglichst effektive Bekämpfung von Wald-und Vegetationsbränden spezielle Gerätschaften beschafft werden müssen. Damit haben wir umgehend begonnen. Es wurden bereits Löschrucksäcke, Feuerpatschen und spezielle Hacken zum Auflockern des Erdreichs beschafft und flächendeckend bei den Feuerwehren der VG Daun stationiert. Zeitnah wurde die Beschaffung eines TLF 4000 (Tanklöschfahrzeug mit 4000 Liter Löschwasser an Bord) angedacht, auf dem auch Ausrüstung zur Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung verlastet werden kann. Die Auslieferung des Fahrzeugs erfolgte im Frühjahr 2024.


Bürgermeister Scheppe (Bildmitte), der Wehrleiter der VG Daun, Thomas Simonis (rechts), und einer seiner Stellvertreter, Martin Saxler, konnten ein positives Fazit der Übung in Deudesfeld ziehen.


Durch das Land Rheinland-Pfalz wurde je Leitstellenbereich ein „TLF 3000 Waldbrand" in Dienst gestellt, das 3000 Liter Löschwasser mitführt. Dieses Fahrzeug ist mit spezieller Gerätschaft zur Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden ausgestattet. Die Wehrleiter der Verbandsgemeinden im Leitstellenbereich Trier konnten sich gemeinsam mit den jeweiligen Kreisen bewerben, um dieses Fahrzeug an ihren Standort zu bekommen. Die Auslieferung erfolgte ebenso im Frühjahr 2024, und das Fahrzeug wurde am Standort Daun stationiert.

Zusätzlich bewarben wir uns beim Landes-feuerwehrverband um die Zuteilung eines besonders geländegängigen ATV (All-Terrain-Vehicles) an den Standort Schalkenmehren. Das Fahrzeug wurde durch eine Spendenaktion finanziert und uns im Mai 2024 zugeteilt. Somit konnte es in unser Wald- und Vegetationsbrand-Konzept einfließen und ist ein fester Bestandteil in der Logistik dieses Konzepts.

Nach der Großübung zur Waldbrandbekämpfung wurden von den Feuerwehren der VG Daun vermehrt Übungen zur Brandbekämpfung im Gelände sowie spezielle Seminare und Schulungen zu diesem Themenbereich durchgeführt.

Um zukünftig genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben, erarbeiteten wir eine Liste der Landwirte, die uns im Bedarfsfall mit Löschwasser versorgen. Verteilt über das gesamte Gebiet der VG Daun können wir dafür gegenwärtig auf 36 Landwirte zurückgreifen. Diese kommunizieren im Ernstfall untereinander per App und organisieren sich bei Bedarf selbst, wenn sie von uns angefordert werden.

Des Weiteren können wir mittlerweile flächendeckend innerhalb unserer VG Daun auf 20 Löschwasserbehälter (faltbar und auf Feuerwehrfahrzeugen verlastet) mit einem Volumen von über 80.000 Liter Wasser zurückgreifen. Zudem wurden weitere Löschwasserentnahmestellen installiert. Das sind feste Einrichtungen, die von den Landwirten zur Aufnahme von Löschwasser bereitgestellt werden. Somit ist eine direkte Aufnahme von Löschwasser gewährleitet, ohne vorherige Arbeiten der Wehren. Damit im Bedarfsfall alles funktioniert, finden regelmäßige Einweisungen zwischen den Landwirten und den Wehren vor Ort statt.


Die Waldbrandbekämpfung ist gefährlich. Daher war auch der Eigenschutz der Einsatzkräfte ein Thema in dieser Übung.


Um uns eine bessere Orientierung und Beurteilung des Einsatzgeschehens zu ermöglichen, wurde im März 2024 eine Drohne beschafft, die am Standort Üders-dorf stationiert ist. Sie liefert Aufnahmen, die ohne Zeitverzug per Funk zum Beispiel auf einen großen Bildschirm übertragen werden können. Dieser kann bei der Einsatzleitung aufgebaut werden, um so im wahrsten Wortsinn ein Lagebild zu erstellen. In die Drohne sind unter anderem ein leistungsstarker Scheinwerfer und ein Lautsprecher verbaut, über den Warnsignale, aber auch Sprachnachrichten gesendet werden können. Die eingebaute Wärmebildkamera findet auch versteckte Glutnester, sie kann aber auch bei der Personensuche verwendet werden. Dabei ist es besonders hilfreich, dass die Kamera so programmiert werden kann, dass sie Objekte in einem bestimmten Temperaturbereich markiert. Im Flug kann die Drohne eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern erreichen und mit einer Akkuladung rund 40 Minuten in der Luft bleiben. Bisher haben acht Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Udersdorf den Drohnenführerschein gemacht."


Die leistungsstarke Feuerwehrdrohne wurde im März 2024 in Dienst gestellt. Wehrleiter Mike Fleschen wechselt die beiden Akkus. Deren Energie reicht für eine Flugzeit von etwa 40 Minuten.