von Harald Billen, Niederstadtfeld
Tatsächlich bin ich schon so lange Jahre am Bau tätig, in einer kleinen Baufirma in der Vul-kaneifel. Eine nicht immer einfache Zeit. Aber wo ist schon immer alles einfach? Und natürlich hat sich auch bei uns einiges verändert. Wie in anderen Branchen sind Arbeitsabläufe mit der Zeit optimiert worden. Kleinere und größere Hilfsmittel sind dazu gekommen, manchmal banale Sachen, aber auch viele tolle neue Maschinen. Oft muss ich an meinen Vater denken, der früher auch viele Jahre am Bau gearbeitet hat, eher noch mit einfachen Mitteln. Er würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sähe er einige unserer Maschinen von heute. Von Erzählungen weiß ich, dass sogar Ausschachtungen für Häuser früher von Hand gemacht wurden. Ein paar Dutzend Leute mit Hacken und Schaufeln. Das Erdreich wurde auf einen Viehwagen geladen und abtransportiert. Wochenlanges Graben und Schaufeln. Eine Vorstellung, bei der heute jeder Bauarbeiter schreiend wegläuft. Die Bauarbeiter früher mussten in vielen Bereichen noch kreativer und einfallsreicher sein. Während es heute für fast alles eine Lösung gibt - zum Beispiel bei den Gerüsten, Schalungen oder Mörtelarten, mussten die Fachleute damals mit wenigen Möglichkeiten auf der Baustelle auskommen. Umso erstaunlicher und bewundernswerter ist so manches Bauwerk zu betrachten, oft auch besonders aus statischer Sicht. Beeindruckend ist, wie geschickt in vielen alten Bauten die Lasten mittels Bögen oder Holzfachwerk bis ins Fundament hinunter abgeleitet wurden. Oder aber einen Verputz mittels Lehm, Holzleisten und Stroh an einer Decke ans Halten zu bekommen. Hier waren Geschick, logisches Denken, Vorstellungsvermögen, Verständnis für Zusammenhänge noch mehr gefragt als heute.
Das soll jedoch nicht heißen, dass heute alles ganz einfach ist. Natürlich gibt es viele Hilfsmittel, jedoch sind immer noch sehr viele gute Ideen gefragt, bis ein Bauwerk fertig ist. Viele Wege führen nach Rom, auch am Bau. Jede Baustelle ist anders und fordert die Beteiligten immer wieder neu heraus. Haus ist noch lange nicht gleich Haus, Mauer nicht gleich Mauer. Die Tatsache, dass es mittlerweile eine Flut von neuen Materialien gibt, macht es nicht immer einfacher. Und auch die beste Maschine nutzt nichts, wenn sie nicht richtig bedient werden kann. So sind Weiterbildung, aber auch immer noch Erfahrung und Ideenreichtum gefragt. Von außen betrachtet, sagen die Leute oft zu uns: „Ihr habt ja einen Kran, Maschinen auf der Baustelle, das ist ja alles kein Problem". Das kann man pauschal so nicht sagen. Hier ein Beispiel: Wenn man früher als Maurer auf dem Gerüst gestanden hat, waren Handlanger da, die dir die „Steen un Späis" auf das Gerüst gestellt haben. Das ging mal schneller, mal langsamer. Das Stubbi zwischendurch nicht zu vergessen. Heute hast du den letzten Stein von der Palette gesetzt, und schon steht, vom Baukran gebracht, wieder eine volle Ladung hinter dir. Die Steine müssen immer noch von Hand gesetzt werden. Soll heißen, die Arbeit ist, zumindest in Teilen, immer noch schwer am Bau, trotz vieler guter Hilfsmittel.
Besser ist auf jeden Fall, dass es nicht mehr so viele zu schwere Materialien gibt. Das beste Beispiel hierfür ist der 50-Kilogramm schwere Zementsack. Den würde ich heute nicht mehr vom Boden hochheben können. Die neuen 25-Kilogramm Säcke sind gefühlt schon schwer genug. Ach ja, das Stubbi zwischendurch entfällt auch, was natürlich auch richtig ist. Stellt sich die Frage: Würde ich den Weg des Bauarbeiters nochmal gehen? Nachher ist man ja immer schlauer, und so würde ich versuchen, in jungen Jahren meinen Körper etwas mehr zu schonen, also weniger arbeiten, um langfristige Kraft zu erhalten. Ich denke, dann ist ein ganzes Arbeitsleben am Bau gut möglich. Vor allem auch wegen vieler Erleichterungen, die es heute tatsächlich gibt. Das wäre es auch, was ich einem jungen Menschen mit auf den Weg geben würde. Ein Berufsstarter, der Willens ist zu arbeiten, hat eine nie dagewesene Perspektive am Bau. Ausbildung und Fortbildung sind ein gutes Fundament. Bezahlung und auch das Ansehen des qualifizierten Bauarbeiters steigen stetig, vor allem in den letzten Jahren. Viele von uns haben schon oft vergeblich einen guten Handwerker gesucht. Ich persönlich finde es immer wieder toll, junge Leute auf Baustellen zu sehen, die richtig was können. Ein Nachteil ist natürlich in großen Teilen die Wetterabhängigkeit unseres Berufes. Das muss man leider akzeptieren.
Eine wichtige Erkenntnis am Bau ist, dass zusammengearbeitet werden muss, miteinander, nicht gegeneinander. Das ist ja in allen Lebens- und Arbeitsbereichen wichtig, am Bau jedoch besonders. Die Kenntnisse und Fähigkeiten der einzelnen Kollegen und Mitarbeiter zusammenbringen, das ist, heute wie früher, ein Schlüssel zum Erfolg. Sich als alter Hase auch mal von einem jungen Kollegen was sagen und zeigen zu lassen, ist für beide sehr effektiv. Worte wie „Danke" und „Gut gemacht" sind wichtige Bestandteile des gemeinsamen Arbeitens.
Meinen ersten Artikel fürs Heimatjahrbuch Vulkaneifel habe ich übrigens im Jahr 2007 eingereicht. Er trägt den Titel „Lehrling, Geselle, Meister" und passt sehr gut zum Schwerpunktthema dieses Jahr. Im Heimatjahrbucharchiv Landkreis Vulkaneifel kann man ihn unter meinem Namen online ganz einfach nachlesen.
Aus früherer Zeit sieht man links auf dem Bild, neben Mischer und Schubkarre, den sogenannten "Vogel". Der wurde aus der Schubkarre mit Mörtel gefüllt, dann auf der Schulter die Leiter hoch getragen und auf dem Gerüst in die "Späisbitt" entleert.