Der verschwundene Grenzstein

von Helmut Schäfer, Strohn


Gut zwei Wochen ist es her, da saß anlässlich der Jahreshauptversammlung des Eifel-vereins Strohn Erich Adriani aus Mückeln neben mir. Landläufig ist er als „der Thäisen" bekannt. Während der Versammlung war ein Gespräch nicht möglich, doch sobald das „Offizielle" erledigt war, erzählte er mir eine sehr interessante Geschichte. Sehr viele werden sich erinnern, dass an der Straße zwischen Oberscheidweiler und Mückeln an der Kreisgrenze ein Steinquader am Fahrbahnrand auf die Grenze zwischen den Landkreisen Daun und Wittlich hinwies. Ein Sandsteinquader, auf dem eingraviert stand, welchen Landkreis man verließ: Richtung Oberscheidweiler war „Daun" und in Gegenrichtung „Wittlich" zu lesen. Nicht nur optisch wurde hier die Grenze zwischen Kreisen dokumentiert. Nein, man merkte es auch am Zustand der Straße. Während die Wittlicher Seite bis zur Grenze als akzeptabel bewertet werden konnte, holperte es beim Befahren der Fahrbahn auf der Dauner Seite doch heftig. Vor einigen Jahren einigten sich dann beide Landkreise, die Fahrbahn von Strohn über Mückeln nach Oberscheidweiler zu erneuern. Gemeinsam.

Die nötigen Vollsperrungen erzeugten wenig Probleme, so dass nach eineinhalb Jahren Bauzeit der Weg von Strohn nach Oberscheidweiler wieder frei war.

Und irgendwann stellte ein aufmerksamer Geist fest: „Der Grenzstein ist nicht mehr da!" War er im Zuge der Baumaßnahme entsorgt worden? Oder hatte ein Freund alter Sandsteinquader ihn mitgenommern? Niemand wusste, was passiert war, und so ruhte die ganze Sache. Bis schließlich ein Bewohner Oberscheidweilers mal eben beim „Thäisen" nachfragte, ob er denn wisse, wo der Stein abgeblieben sei. Er wusste es.

Nach den Bauarbeiten an der Straße hatte der ehemalige Ortsbürgermeister Mückelns, der im letzten Jahr verstorbene Erwin Steffes, den Stein gesichert und zu sich nach Hause transportieren lassen, um ihn zu restaurieren, was leider in Vergessenheit geriet, als er erkrankte. So fristete der Grenzstein eine ganze Zeit sein Dasein, ohne beachtet zu werden. Bis sich Erich an ihn erinnerte und die Restaurierung in AngrifF nahm. Nach der Instandsetzung musste er sich noch mit den Straßenmeistereien aus Daun und Manderscheid kurzschließen, denn den Stein einfach an seine vorherige Position zurück zu verfrachten, war nach vielen Gesprächen nicht möglich. Ein neuer Platz wurde letztendlich gefunden. Mit seinem Sohn Andreas schaffte Erich Adriani den gut fünf Zentner schweren Block wieder dahin, wo er mal jahrzehntelang gestanden hatte. So gelangte der Grenzstein dann vor kurzem wieder an seinen alten Platz an der Straße gen Süden; allerdings gut fünf Meter von der Straße entfernt, und nicht wie zuvor nah am Straßenrand. Schön, einen Teil der Heimat auf diese Weise wiederzufinden.