von Conrad Franz, Bodenbach
Seit einigen Jahren wohne ich in einer der schönsten und interessantesten Gegenden Deutschlands, in der Vulkaneifel in Bodenbach, so empfinde ich es zumindest. Die Landschaft und vor allem die Tierund Pflanzenwelt sind hier noch sehr vielseitig und für mich als Künstler und ornithologisch interessierter Mensch faszinierend.
Der Schwalbenschwanz, einer der größten Schmetterlinge im deutschsprachigen Raum.
Gerade die Menschen, die Muße und Besinnlichkeit für ihre Arbeit brauchen, fühlen sich in dieser oft stillen Landschaft wohl. Es sind die kleinen Dinge in der Vulkaneifel, die man immer wieder entdecken kann, die vielen Heilkräuter, die hier gedeihen, die oft an anderen Orten schon ausgestorbene Pflanzenwelt, wie seltene Orchideen. Der in der Nähe von Bodenbach angesiedelte Ort Niederehe und der oberhalb gelegene Hönselberg mit seinem Trockenrasen bietet vielen unterschiedlichen Orchideenarten und Schmetterlingen eine Heimat. Jahr für Jahr besuchen Menschen aus nah und fern diese interessante Landschaft mit seinem großartigen Weitblick über die Eifel bis hin zur Hohen Acht oder der Nürburg.
Oft gehen wir auf die sogenannte Ringwallanlage Barsberg eine Erhebung ein paar hundert Meter vom Ortsrand Bodenbach entfernt. Für Romantiker ein wunderschönes Erlebnis, alte Bäume, steinerne Zerklüftungen, umgestürzte Bäume und alte Wurzeln. Ein Eldorado für Mensch und Tier.
Wenn man als Vogelkundler im Bereich um Bodenbach unterwegs ist, begegnet einem der Schwarzstorch auf den Wiesen und an den Bächen. Wenn er einen passenden Ort gefunden und seinen Horst gebaut hat, besucht und erweitert er ihn Jahr für Jahr. Sollte das Futterangebot im Jahr für ihn günstig sein, kann er bis zu vier Junge großziehen. Als aufmerksamer Beobachter sieht man ihn oft am Himmel seine Kreise ziehen. Selber konnte ich direkt über unserem Ort beobachten, wie er sich mit mehreren Individuen im Herbst gesammelt hat, um nach Afrika zu fliegen. Der seltene Sperlingskauz, der Rot- und Schwarzmilan, runden das Spektrum an abwechslungsreichen Beobachtungen in der Umgebung ab.
Aufgang am Barsberg.
Hier in Bodenbach ist, was die Vogelwelt angeht, eine wahre Idylle für Singvögel, aber auch Hühnervögel wie die Wachteln die man früh morgens, wenn man aus dem Haus tritt, hört. Die Feldlerche, die vielerorts nicht mehr vorhanden ist, kann man den ganzen Tag mit ihrem herrlichen Gesang vernehmen. Zu unseren Gesangskünstlern gehört natürlich auch das Rotkehlchen und die unscheinbare Hecken-braunelle. Es gibt alleine in und um den Garten drei verschiedene Grasmückenarten, die Klappergrasmücke, die Gartengrasmücke und die Mönchsgrasmücke. Alle Vögel sind sehr von Insekten zur Fütterung ihrer Jungen abhängig. Ein Zeichen, dass die Natur hier noch einigermaßen stabil ist. Auf dem Dach gegenüber singt jeden zeitigen Morgen, das Rotschwänzchen, mit diesem eigenartigen schnarrenden, schnalzenden Ton. Blaumeisen — im Moment brüten sie hinter dem Haus, die Jungen hört man schon. Ich habe ihnen getrocknete Mehlwürmer hingestellt, bei dem Dauerregen und dem nasskalten Wetter in diesem Mai 2024 ist das für sie eine Entlastung.
Im Frühjahr und Herbst ist eine hochinteressante Zeit, da die Eifel mit ihren Höhenlagen im Einflussbereich der Zugvögel liegt. Da kommen die Kraniche und Weißstörche und einige sehr seltene Singvögel auf dem Durchzug wie zum Beispiel der Steinschmätzer, die Rotdrossel. Einige Spechtarten kommen sogar ans Haus oder im Winter an die Futterstellen, z.B. der große Buntspecht — der Grünspecht und der Mittelspecht, der Totholz für sich beansprucht und den ich für das Nationalparktor in Schleiden gezeichnet habe. Alle Meisenarten von der Schwanzmeise bis zur Kohlmeise sind hier heimisch. Einer der ersten Singvögel im Frühjahr, die man hören kann, sind der Fitis und der kleine Zilpzalp, der durch sein Rufen wohl jeder kennt. Überhaupt muss ich anmerken, dass hier in der Eifel die ansässige ältere Bevölkerung ihre Singvögel alle noch gut benennen können. Für sie ist der Kernbeißer und der Turmfalke ein gewohnter Anblick.
Erlenzeisig
Da noch Landwirtschaft im Umkreis von dem Ort betrieben wird, gibt es Gott sei Dank auch noch Mehl- und Rauchschwalben zu beobachten. An einigen Stellen kann man noch so typische Wiesenvögel beobachten, die anderswo schon ausgestorben sind wie das Schwarzkehlchen, die Goldammer, den Neuntöter und den Wiesenpieper. Der ansässige bäuerliche Betrieb lässt Randstreifen und natürlich gewachsene Wiesenflächen stehen. Durch diese Maßnahme bleiben viele Disteln stehen und das nutzen unsere buntesten aller heimischen Vögel, die Distelfinken oder Stieglitze. In den umliegenden Wäldern hört und sieht man den Schwarzspecht, den Kleiber und um einen herum immer ein leises Zirpen von unseren Goldhähnchen hoch oben in den Fichten. Ein Birkenwäldchen zwischen Bodenbach und Gelenberg, welches mich von der Struktur immer etwas an nordische Landschaften erinnert, kann man die Waldschnepfe beobachten.
Unbedingt möchte ich noch die Säugetiere erwähnen, die auch hier in der urwüchsigen Vulkaneifel natürlich vorkommen. Da ist ganz besonders unsere Wildkatze zu benennen und die Marderarten, wie Baum- und Steinmarder, Iltis, Fuchs und Mauswiesel bzw. auch das größere Hermelin. Rot- und Rehwild und Wildschweine gehören selbstverständlich auch dazu.
Überhaupt ist das Areal um den schönen Ort so unterschiedlich aufgegliedert und damit spannend für den Betrachter, dass ich ihn für einmalig halte. Für die seit langem ansässigen Menschen scheint es normal, für mich ist es ein kleines Wunder, dass sich so etwas hier erhalten konnte. Wenn man über den Begriff Heimat nachdenkt — das ist und kann Heimat für mich sein!