Dr. Hendrick Albrecht, Kreisverwaltung Vulkaneifel
Unser Landkreis ist, wie der Name sagt, geprägt von eindrucksvollen Vulkanlandschaften. Die Besonderheit mancher Orte, wie die der beliebten Maare, sind auf den ersten Blick wahrnehmbar. Andere Orte brauchen einen zweiten Blick und wollen erkundet werden. Dann offenbart sich auch hier die einmalige Landschaft, die erdgeschichtlich und kulturhistorisch viel zu erzählen hat.
Ein solcher Ort ist das Gebiet rund um den Scharteberg, das von der Hauptverkehrsstraße L 28 gequert wird. Die Hauptverkehrsachse von Daun in Richtung Kirchweiler nutzen sicherlich viele Vulkaneifler:Innen und Besuchende unseres Landkreises. Meist vermutlich aber nur, um von einem zum anderen Ort zu gelangen. Begeben wir uns in das Gelände, betrachten es bewusst und schenken der Region unseren „Zweiten Blick".
Wir befinden uns etwa mittig auf der L 28 auf der Geländehöhe von ca. 584 m. Nördlich in Richtung der Ortslage Kirchweiler erhebt sich der Dauner Heck. Dieser längliche Geländerücken wird von zwei Schlackenkegeln gebildet. Im Nordosten blicken wir hinauf zum Ernstberg, der ebenfalls ein Schlackenkegel ist und mit 699,8 m die höchste Erhebung der West-eifel und die zweithöchste der gesamten Eifel ist. Schauen wir nach Süden, liegt vor uns der 691,4 m hohe Scharteberg mit der einprägsamen Sendeanlage. Eine zungen-förmige Erhebung im Gelände verbindet den Scharteberg mit dem östlich gelegenen Hinterweiler Köpfchen und bildet so einen markanten Doppelgipfel. Der Scharteberg ist nach dem Ernstberg der zweithöchste Vulkan in unserem Landkreis. Lässt man den Blick von Westen über den Scharteberg im Süden hin nach Osten schweifen, erkennt man einen riesigen Kessel in der Landschaft liegen, der in Richtung Ernstberg geöffnet zu sein scheint.
Diese hier beschriebene Vulkanlandschaft wurde einst durch eindrucksvolle geologische Prozesse geformt. Hier finden wir unterschiedliche Vulkantypen und kulturhistorische Elemente, die in die Vergangenheit unserer Region blicken lassen. Unterhalb des heute sichtbaren Geländes befindet sich ein gigantisches Maar. Das Ringseitert-Maar hatte einen Kraterdurchmesser von 1.800 m, eine Tiefe von bis zu 300 m und nimmt eine Fläche von 2,5 km2 ein. Damit ist das Ringseitert-Maar das größte, bisher bekannte Maar im Landkreis Vulkaneifel. Zum Vergleich: das wassergefüllte Pulvermaar hat einen Kraterdurchmesser von etwa 700 m.
Nach dem Ausbruch des Ringseitert-Maa-res vor etwa 600.000 Jahren wurde der Krater mit vulkanischen Lockergesteinen gefüllt. So konnte letztlich, sehr kurz zusammengefasst, ein mächtiger Grundwasserspeicher entstehen, der heute als Trinkwasserschutzgebiet geschützt ist. Hier befindet sich eine der bedeutendsten Grundwassergewinnungsanlagen im Landkreis. Diese versorgt neben den Ortsgemeinden Kirchweiler und Hinterweiler auch die komplette Stadt Daun und zusätzlich werden Ortschaften in der Struth bis hoch in die Verbandsgemeinde Kelberg mitversorgt.
Inmitten dieses Gebietes liegt der zuvor beschriebene und heute noch wahrnehmbare Kessel. Dieser Kessel wird durch Schlacken gebildet und stellt vermutlich die Relikte des Ringseitert-Vulkans dar. Nach einer initialen Maarvulkan-Phase wurden hier an gleicher Stelle Schlacken ausgeworfen. Diese Schlacken haben das ursprüngliche Erscheinungsbild des Maares überprägt. Ein Teil dieser Schlacken ist heute als langgezogener Rücken in der Landschaft erkennbar. Im Osten hingegen wurden diese ab Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaut. Südlich thronen auf diesen Schlacken weitere, jüngere Schlackenkegel: der Scharteberg und das Hinterweiler Köpfchen. Zwar sind diese beiden Schlackenkegel jeweils eigenständige Vulkane, jedoch erscheinen sie topographisch als eine Einheit und bilden den markanten Doppelgipfel des Schartebergs. Die Vulkane sitzen so zusagen auf den Überresten eines größeren Vulkans, der wiederrum auf dem Ringseitert-Maarvulkan sitzt. Die Gesamtheit der vulkanischen Gesteine im Gebiet (Schlackenkegel und Maar) tragen zur Filterung und Speicherung des Regenwassers bei, sodass sie für die Neubildung von sauberem Trinkwasser von essentieller Bedeutung sind.
Panoramaaufnahme des Schartebergs.
Als der Scharteberg ausbrach, ergossen sich Lavaströme ins Gelände. Diese flossen flächig nach Norden und Süden sowie nach Westen. Nach Osten floss lediglich eine schmale Zunge. Diese verbindet den Scharteberg mit dem Hinterweiler Köpfchen und schuf die weithin sichtbare Landmarke. Die markante Erhebung in der Landschaft ist fester Bestandteil eines beliebten Landschaftsbildmotives unseres Landkreises, das zum Beispiel vom Dron-keturm aus, bei einer Wanderung rund um die Dauner Maare, genossen werden kann.
Die Zeugnisse der vulkanischen Aktivitäten sind bis heute überall im Gelände sichtbar. Im gesamten Gebiet finden sich Relikte erkalteter Lavaströme und auch Schlackenfelsen. Solche sind rund um den Gipfel des Scharteberges sowie auf dem Hinterweiler Köpfchen erlebbar. Neben der geologischen Entstehungsgeschichte des Gebietes finden wir im Gebiet zahlreiche kulturhistorische Stätten. Am Scharteberg selber wurden die vulkanischen Gesteine für die Mühlsteingewinnung abgebaut, die bis in die Renaissance um ca. 1500 zurückdatiert werden. Weitere Lavaabbaue können auf die Zeit um 1893 datiert werden.
Im Jahr 1938 wurden im gesamten Gebiet rund um den Ringseitert-Vulkan die Lavafelsengruppen als Naturdenkmäler unter Schutz gestellt. Neben dem Gipfel des Ernstberges — heute Naturschutzgebiet — und Bestandteile des Dauner Hecks, wurden auch am Scharteberg Lavafelsengruppen als Relikte von Lavaströmen geschützt. Ziel war vermutlich schon hier die Erhaltung dieser einzigartigen Vulkanlandschaft. Im Jahre 1948 wurde schließlich der Schutz des Scharteberges erweitert und sein Nebengipfel, das Hinterweiler Köpfchen, mit seiner Lavafelsengruppe in den Schutz als Naturdenkmal mit einbezogen. Der gesamte Doppelgipfel wurde oberhalb der Höhenlinie von 640 m geschützt. Ein Abbau, wie der des Schlackenrings des Ringseitert, nördlich vom Hinterweiler Köpfchen, erfolgte somit nicht. So wurden schließlich durch die Erweiterung des Schutzes sämtliche vulkanischen und kulturhistorischen Zeugnisse sowie das markante Landschaftsbild, das durch den Doppelgipfel des Scharteberges gebildet wird und fester Bestandteil unserer Region ist, bewahrt. Durch die Unterschutzstellung werden zudem auch die wichtigen Grundwasserspeicher der Region, die durch den geologischen Aufbau des Untergrundes vorliegen, geschützt. Die Vulkane auf dem Vulkan, der aus dem Maar ausbrach, können entsprechend bis heute auf den ersten und „Zweiten Blick" bewundert werden.