Digitalisierung im Alter

Beitrag des Netzwerk Demenz Vulkaneifel von Helmut Giesen, Daun


Wir sind jetzt rund 83 Millionen Menschen in Deutschland und viele werden über 80 Jahre alt. Menschen aus Polen und Italien, der Türkei und anderen Ländern sind seit über 100 Jahren in unser Land gekommen und haben geholfen, ein Wohlstandsland zu werden.

Anders als frühere Generationen haben Menschen am Übergang zum Ruhestand heute statistisch gesehen noch viele Jahre vor sich, die sie — häufig in guter Gesundheit — verbringen. Digitale Kompetenzen sind für ältere Menschen eine wichtige Voraussetzung, um aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.


Warum?

Vor fünfzig Jahren schenkten die Kinder, die vom Dorf in die große Stadt zogen, ihren Eltern „daheim" ein Telefon, damit der ständige Kontakt gesichert war. Diese zögerten erst, gewöhnten sich aber daran.

Immer mehr neue, schnelle, bebilderte Formen der Kommunikation kamen hinzu. Man musste Bescheid wissen, musste an der Kommunikation teilhaben. Der Buchdruck war so ein Ereignis. Ebenso die Schulpflicht, der Hörfunk oder das Fernsehen. Wir simsen und mailen und schaffen Kontakte, die man sich früher mühsam zu Fuß erlaufen musste. Da hat sich viel verändert.

Heute heißt der Wandel „Digitalisierung" und wir stecken mitten drin in diesem Prozess. Eine Entwicklung, die auch an der älteren Generation nicht spurlos vorübergeht. Dabei besteht die Gefahr der sozialen Isolation, wenn wir uns der rasanten Entwicklung versagen. Immer mehr verwaltungstechnische Prozesse werden heute vorwiegend nur noch im Internet realisiert.

Die Apparaturen werden immer raffinierter, aber auch im fortgeschrittenen Alter und sogar im hohen Alter sind die Potentiale in unserem Gehirn vorhanden und warten auf ihre Aktivierung. Damit kann auch für den älteren Menschen mit der digitalen Welt trotz des permanenten Wandels ein echter Fortschritt verbunden sein. Man muss Bescheid wissen, dazu bereit sein, um an der modernen Kommunikation teil zu haben. Das macht frei, das ist Teil unserer Selbstbestimmung, das hat oft auch Vorteile bei der materiellen Sicherheit, auf jeden Fall aber in der Lebensqualität.

Unter dem Motto ,Nie zu alt für Neues' richtet sich das Thema Digitalisierung auch an Seniorinnen und Senioren sowie an alle, die ältere Menschen im Lernen begleiten und unterstützen.

Doch im Umgang mit der digitalen Kommunikation, die längst global funktioniert, brauchen ältere Mitbürger zu jeder Zeit Hilfestellung. Wir Älteren erleben das mit Erstaunen bis Begeisterung, manche aber auch mit Skepsis.

Wie überall im Leben lauern auch Tücken und Gefahren im Netz, sei es beim Einkaufen, in Gesundheitsfragen oder bei der Reiseplanung.

Man sollte nicht zu offen im Umgang mit dem Internet agieren, denn Betrüger versuchen mit allen möglichen Tricks, besonders ältere Mitbürger, zu betrügen.

Finger weg von sogenannten „Schnäppchen" oder von besonders lukrativen Investitionen. Auch Gewinnversprechen sollte man mit äußerster Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Geben Sie niemals Bank- oder Gesundheitsdaten bekannt!

Meiden Sie den „OK" Button, um nicht plötzlich Abonnent von unnützen Verträgen zu werden!

Doch bei all diesen Gefahren bietet das Internet eine Fülle von guten Nutzungsmöglichkeiten und ist reich an lebenspraktischen Bezügen. App's, soziale Medien, Online-Banking oder E-Commerce sind nur einige Beispiele für digitale Anwendungen, die den Alltag erleichtern und die Möglichkeiten der Teilhabe erweitern.

Eine bunte Gesellschaft, mit insgesamt guter Bildung, beruflicher Qualifikation und Mut zur Entwicklung. Und wir wissen, auch im Alter können wir noch viel dazulernen. Digitale Foren können älteren Menschen helfen, nicht so schnell zu vereinsamen. Das Internet bietet auch Literatur und Materialien rund um Bildung im Alter und aktuelle Informationen über Digitalisierung, Projekte und Aktionen an. Nicht zuletzt werden hier gelungene Praxisbeispiele vorgestellt, die zur Nachahmung ermuntern.

Digitale Kompetenzen spielen in der Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle, auch im Alltag älterer Menschen. Neugierig bleiben ist eine Tugend und eine lebensverlängernde Maßnahme. Dabei sollte man sich nicht verwirren lassen: Das Ereignis, um das es geht, ist nicht die oft zitierte und belauerte künstliche Intelligenz, sondern unsere eigene Intelligenz! Wir müssen ihr was zu tun geben, denn davon lebt sie und das hat eben auch mit der Lebensqualität für Ältere zu tun.

Die grauen Zellen arbeiten, wenn sie Arbeit haben!